05.11.2020 - 14:16 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Uralte Bauskizzen tauchen auf: Berühmter Architekt hat Schule in Friedenfels geplant

Neue Erkenntnisse zur Schulgeschichte erhielt die Grundschule Friedenfels. Freiherr Eberhard von Gemmingen-Hornberg überreichte eine Planskizze, die 1910 im Auftrag seiner Großmutter von Architekt Friedrich von Thiersch gefertigt wurde.

Ein wertvolles Geschenk, einen auf dem Dachboden gefundenen Bauplan des Schulhauses von 1910, vermachte Freiherr Eberhard von Gemmingen-Hornberg (links) der Grundschule Friedenfels. Schulleiterin Inge Dick (Mitte) und Bürgermeister Oskar Schuster (rechts) dankten dem Spender.
von Bernhard SchultesProfil

Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg hat auf dem Dachboden des Schlosses seiner Mutter, Helga Freifrau von Gemmingen-Hornberg, Pläne entdeckt, die 1910 im Auftrag seiner Großmutter von Architekt Friedrich von Thiersch gefertigt worden sind. Die unversehrten Pläne steckten hinter einem großen Holzbalken in einer Papierrolle. Es handelt sich dabei um die Skizzen für den "Neubau eines Schulhauses für die Gemeinde Friedenfels/Oberpfalz aus dem Jahr 1910", unterschrieben von Architekt Friedrich von Thiersch aus München, einem bedeutenden Vertreter des Späthistorismus.

Übergabe im Mehrzweckraum

In Auftrag gegeben hatte den Bauplan die 1955 verstorbene Großmutter des Barons, Dora Freifrau von Gemmingen-Hornberg. Für Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg war es eine Selbstverständlichkeit, den historischen Fund der Grundschule zu vermachen. Schulleiterin Inge Dick hatte hierzu den Spender sowie Bürgermeister Oskar Schuster in den großem Mehrzweckraum eingeladen. Bei der Übergabe betonte von Gemmingen-Hornberg, dass der einstige Architekt eine große Persönlichkeit war. Deshalb sei es eine besondere Freude, dass er auch die hiesige Grundschule entworfen habe, meinten die Vertreter der kleinen Feierstunde.

Neben einem Lehrerzimmer enthielt das Gebäude damals zwei große Klassenzimmer sowie Toiletten für Mädchen und Knaben. Im Keller war ein großer Raum für Holz und Kohlen eingezeichnet. Gut erkennen konnte man auf der Planskizze aber auch das alte Schulgebäude, das sich im heutigen Lehrerwohnhaus befand. Ein weiterer Schulstandort in Friedenfels war davor noch das heutige Bürogebäude der Friedenfelser Betriebe. Die Angabe der Planskizze bestätigt auch die Gemeindeverwaltung. In der ihr vorliegenden Denkmalliste ist zum Schulgebäude vermerkt: "Schulstandort Kolpingplatz 2, verputzter Massivbau mit Walmdach, Rundbogenportal und Granitlaibungen, im strengen Heimatstil, von Friedrich von Thiersch, 1910".

Einige Umbauten

Seit dem Bau 1910 wurde das Schulgebäude jedoch einige Male verändert und den Erfordernissen angepasst. Die letzte große Sanierung erfolgte vor 20 Jahren, wie Regina Wildenauer von der Gemeindeverwaltung weiß. Hierbei wurden das Dachgeschoss zu einem großen Mehrzweckraum umgebaut, der WC-Bereich erneuert, Klassenzimmer umgebaut, ein Leiter- und Lehrerzimmer geschaffen, das Kellergeschoss trockengelegt und zu einem Werkraum umgebaut, das Dach und die Fassade instand gesetzt sowie nach der Vorgabe des Denkmalschutzes neue Fenster eingebaut und eine große Fluchttreppe an der Ostseite geschaffen.

2011 konnte der Schulstandort Friedenfels weiter gesichert werden. Nach der Verabschiedung von Rektor Otmar Zeitler in den Ruhestand besetzte die Regierung jedoch die Stelle des Schulleiters nicht mehr. Die Grundschule Friedenfels wurde unter die Leitung des Schulstandortes Wiesau gestellt.

Auch mit Geld unterstützt

Neben Schulleiterin Inge Dick dankte bei der kleinen Feierstunde auch Bürgermeister Oskar Schuster Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg für die Übergabe des Bauplans von 1910. Einig war man sich, dass die damalige Auftraggeberin der Planung, Dora Freifrau von Gemmingen-Hornberg, den anschließenden Bau finanziell unterstützt hatte. "Sie zeigte stets Interesse und große Hilfsbereitschaft für soziale Belange", wissen noch heute lebende Zeitzeugen.

Es gab noch eine andere Spende an die Schule

Friedenfels

Wunsch des Spenders ist es, den gerahmten Bauplan an einer gut sichtbaren Stelle im Schulgebäude aufzuhängen. "Dem wird selbstverständlich Rechnung getragen", versprach Schulleiterin Inge Dick.

Auf eine bewegte Geschichte kann die Grundschule Friedenfels zurückblicken. Derzeit werden vier Klassen in dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude unterrichtet.
Der Planer:

Friedrich von Thiersch

Architekt Friedrich von Thiersch machte sich nach seinem Architekturstudium in Stuttgart selbstständig. Bei zahlreichen Bildungsreisen quer durch Europa eignete er sich umfangreiches baugeschichtliches und architektonisches Wissen an. Seine Fähigkeiten, Monumentalbauten zu entwerfen, brachte dem Münchener unter anderem den Auftrag zur Errichtung des Münchener Justizpalastes ein. Er gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des Späthistorismus in der sogenannten Gründerzeit. 1897 wurde Thiersch geadelt und in den Ritterstand erhoben. In München war Thiersch neben dem Justizpalast auch für die Errichtung der Maximiliansbrücke, des Löwenbräukellers und des TU-Erweiterungsbaus von 1918 verantwortlich.

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