28.08.2020 - 10:28 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Hirschkühe im Steinwald müssen sich gedulden

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Ein neuer Mitbewohner sollte ins Rotwildgehege beim Waldhaus einziehen. Doch die Umsiedelung des jungen Hirschs aus einem Gehege in der Nähe von Waldsassen in den Steinwald scheiterte beim ersten Versuch.

Ein Bild aus glücklichen Tagen. Hirsch Xaver war seit 2011 der Platzhirsch im Rotwildgehege beim Waldhaus. Nach einer Speiseröhren-Verletzung musste er von seinem Leiden erlöst werden.
von Bernhard SchultesProfil

Über eine Stunde lang lagen Tierarzt Dr. Sönke Bruhns und der Besitzer des Rotwilds, Herbert Böhm, hinter einer Futterhütte auf der Lauer. Zwischen ihnen sowie weiteren Verantwortlichen des Naturparks Steinwald, dem Transportpersonal und Unterstützern der Aktion, die in ausreichendem Abstand warteten, vermittelte Naturpark-Ranger Jonas Ständer. Er hatte die zahlreichen Vorkehrungen und Maßnahmen für ein erfolgreiches Umsiedlungsprojekt in die Wege geleitet.

Doch vergebens war die Warterei. Die Überführung von Hirsch Max in sein neues Zuhause musste verschoben werden. Grund: Um den Hirsch umsiedeln zu können, hätte Tierarzt Dr. Sönke Bruhns das Tier betäuben müssen. Anders ist ein Transport nicht möglich. An der erforderlichen Narkotisierung scheiterte die lange geplante Aktion.

Blasrohr und Gewehre

Dabei hatte der Tierarzt alle notwendigen Gerätschaften und Gegenstände zur Betäubung bereitgelegt. Ein Blasrohr für die nahe Distanz, ein Distanzimmobilisation-Gewehr mit Gasdruck für die mittlere Entfernung sowie ein Betäubungsgewehr für größere Reichweiten. Um einen Schuss jedoch gezielt abfeuern zu können, wäre es notwendig gewesen, dass sich das Tier auf eine bestimmte Distanz nähert.

Doch über die Wiese und zur gewohnten Futterstelle kommen, wo ein Festfressen wartete, wollte das Rudel an diesem Morgen partout nicht. Beharrlich äste es an der gegenüberliegenden Waldrandgrenze und schaute nur gelegentlich auf die Beobachter. Dr. Sönke Bruhns, der viel Übung und große Erfahrung besitzt, mit welchen Pfeilen Blasrohre bestückt werden müssen, meinte nach dem Abbruch der Aktion scherzhaft: „Als hätten sie es gerochen.“

Dabei hätte auf Junghirsch Max ein ganz besonders neuer Reiz im Steinwald gewartet. Sechs weibliche Artgenossen und ein Kalb sind derzeit im Rotwildgehege beim Waldhaus ohne Platzhirsch. Sein Vorgänger Xaver, der seit 2011 im Rotwildgehege als unangefochtener Chef herrschte, hatte eine Speiseröhren-Verletzung und hatte von seinem Leid erlöst werden müssen. Dies war auch der Anlass für das eingeleitete Übersiedlungsprojekt, wie der Geschäftsstellenleiter des Naturparks Steinwald, Ernst Tippmann, im Gespräch mit Oberpfalz-Medien berichtete. „Das Wildgehege im Naturpark Steinwald ist seit vielen Jahren ein ganzjähriger Anlaufpunkt. Viele Wanderer und Familien mit ihren Kindern sowie auch Schulklassen verfolgen das Leben des Rotwilds im Gehege während des Jahres. Deshalb ist es unbedingt notwendig, dass wir es wieder mit einem Hirsch besetzen“, erklärte Tippmann.

Mit Bundeswehr

Der große Zuspruch am Rotwildgehege lässt mittlerweile fast vergessen, mit welchem finanziellen Kraftakt der Naturpark Steinwald 1971 das vier Hektar große Wildgehege errichtet hat. Mit der Unterstützung von Ämtern und Forstbehörden sowie dem Einsatz der Bundeswehr beim Bau des Geheges sahen sich die Verantwortlichen jedoch bald auf dem richtigen Weg. Noch heute loben viele Mitglieder des Naturparks das damalige Engagement der 1992 aufgelösten Panzerpionierkompanie 100 aus Weiden. Mit ihren schweren Fahrzeugen ebneten Soldaten die Fläche für die spätere Einzäunung und halfen so dem Naturpark Steinwald. Schon bald nach der Fertigstellung wurde das Wildgehege auch mit Tieren besetzt.

Das Wildgehege im Naturpark Steinwald ist seit vielen Jahren ein ganzjähriger Anlaufpunkt.

Ernst Tippmann

Ob es damals allerdings auch Probleme beim Einzug in das Areal gab und ob für die ersten Tiere Namen vergeben wurden, wusste bei der jüngsten Aktion niemand. Als Erfolg der missglückten und abgebrochenen Maßnahme wertete der Geschäftsstellenleiter des Naturparks Steinwald, Ernst Tippmann, jedoch die Namensfindung für den künftigen neuen Mitbewohner im Steinwald. Seit der Jahreshauptversammlung des Naturparks war man auf der Suche nach einem Rufnamen.

Carsten Klöble, Revierleiter der Bayerischen Staatsforsten, der in seinem Urlaub den Transport von Waldsassen in den Steinwald ehrenamtlich durchführen wollte, fiel beim Warten der Name Max ein. „Ich hatte einen Praktikanten, der hieß so. Und mit dem war es ein gutes Arbeiten", meinte er humorvoll. Ernst Tippmann gefiel der Name sofort. Er sagte beim Blick in die Runde: „Einstimmig beschlossen, so soll er heißen, wenn er demnächst umgezogen ist.“ Und dies soll nun baldmöglichst geschehen. Ein zweiter Versuch ist deshalb in der nächsten Woche geplant. Mit weniger Teilnehmern, mehr Aufmerksamkeit und noch größerer Sorgfalt.

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Friedenfels
Die Narkosewaffen konnte Tierarzt Dr. Sönke Bruhns (rechts) zur geplanten Umsiedelung von Hirsch Max nicht einsetzen. Trotz der guten Vorbereitung durch den Besitzer des Rotwilds, Herbert Böhm, und Naturpark-Ranger Jonas Ständer (von links) blieben die Tiere auf Distanz.
Gemächlich äste das Rotwildrudel an der Waldgrenze. Für einen sicheren Betäubungsschuss waren die Tiere jedoch zu weit entfernt.
Der Geschäftsstellenleiter des Naturparks Steinwald, Ernst Tippmann (links), dankte dem Revierleiter der Bayerischen Staatsforsten, Carsten Klöble (rechts), für die Namensfindung: Hirsch Max folgt auf Hirsch Xaver.

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