25.06.2021 - 11:03 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Exkursion im Naturpark: Einer Perle des Steinwalds auf der Spur

Das Ziel ist klar: Das Überleben der Flussperlmuschel sichern. Was dafür getan wird, erfuhren die Teilnehmer einer Exkursion im Naturpark Steinwald entlang des Grenzbachs.

Susanne Ullmann-Wiesend (links vorne), Projektleiterin des Artenhilfsprogramms Flussperlmuschel, zeigte 20 Teilnehmern bei einer Exkursion des Naturparks Steinwald entlang des Grenzbachs die nötigen Arbeiten und Anstrengungen zum Erhalt der Flussperlmuschel.
von Bernhard SchultesProfil

Auf der Grenzmühle begrüßte der Geschäftsführer des Naturparks Steinwald, Ernst Tippmann, zahlreiche Naturliebhaber und freute sich besonders „über das große Aufgebot an Fachleuten“, wie er wörtlich sagte. Neben der neuen Projektleiterin des Artenhilfsprogramms Flussperlmuschel, Susanne Ullmann-Wiesend, unterstützten die Führung die Ranger des Naturparks Steinwald, Jonas Ständer und Marie Wittmann. Sein umfangreiches Wissen steuerte auch Landschaftsarchitekt Robert Mertl bei, der das Projekt zuvor 20 Jahre lang geleitet hatte.

Bei der Wanderung führte Susanne Ullmann-Wiesend die Gruppe entlang des idyllisch fließenden Grenzbachs. Dabei erfuhren die Teilnehmer, dass ein Seitenarm des Gewässers beim Waldhaus im Steinwald entspringt; der andere hat seine Quelle im Friedenfelser Ortsteil Bärnhöhe. Zusammen bilden sie den Grenzbach, der einige Kilometer weiter südöstlich in den Heinbach fließt, der wiederum in die Fichtelnaab mündet und diese schließlich in die Waldnaab.

„Genießen Sie den kleinen Spaziergang am kühlen Wasser“, meinte die Projektleiterin in Anbetracht der leichten Schwüle. Coronabedingt waren nur 20 Personen zugelassen. An verschiedenen Stellen des Baches stoppte die Tour und die Muschelexperten versorgten die Teilnehmer mit interessanten Informationen sowie Hintergrundwissen zum Artenhilfsprogramm. Susanne Ullmann-Wiesend: „Unser Ziel ist die Aufwertung des Grenzbachs als Lebensraum für die Flussperlmuschel. Aber nicht nur der Bach selbst ist uns dabei wichtig, sondern auch das Umfeld, wie die angrenzenden Flächen, Wiesen und Wälder, wodurch sich der Grenzbach schlängelt. Derzeit bearbeiten wir vier Hektar.“

Auch Pflanzen profitieren

Weiter stellte Ullmann-Wiesend in den Vordergrund: „Die Flussperlmuschel ist eine sogenannte Leitart. Das heißt, wenn wir für die Flussperlmuschel den Lebensraum aufwerten und optimieren, können wir dadurch auch viele weitere Arten fördern.“ Die Projektleiterin des Artenhilfsprogramms listete dabei die Bachforelle, Krebse, Libellen, Eisvogel und Schwarzstorch auf, "um nur einige zu nennen", wie sie betonte. „Aber auch viele Pflanzenarten profitieren letztendlich davon“, meinte die Expertin.

Um verstehen zu können, warum die Muschelbestände in ganz Europa immer weniger werden, warf Naturpark-Rangerin Marie Wittmann bei einem weiteren Zwischenstopp einen Blick auf die Bedingungen und Gefährdungsursachen. „Die bei uns bis zu 15 Zentimeter groß und bis zu 130 Jahre alt werdende Flussperlmuschel benötigt kalkarme, sauerstoffreiche und sommerkühle Bäche mit einem gut durchlüfteten Bodengrund. Diese Bedingungen wurden in früheren Zeiten allesamt erfüllt. Flussperlmuscheln waren folglich in vielen Bächen und in großer Anzahl zu finden. Aufkommende Perlmuschelfischerei sowie Perlenräuberei waren jedoch nur ein Grund für den Rückgang“, wusste die Rangerin. Interessant für die Teilnehmer war hierzu die Aussage von Marie Wittmann: „Nur in jeder 2000. bis 10.000. Muschel ist tatsächlich eine Perle enthalten.“

Umfangreiche Aufklärung betrieb Naturpark-Ranger Jonas Ständer an anderer Stelle, indem er den Teilnehmern Versuche und Unternehmungen vor Augen führte, die erfolgreich zur Aufzucht von Jungmuscheln beigetragen haben. Als Hilfsmittel präsentierte er dazu Lochplatten mit verschiedenen Lochgrößen. „In diese werden Jungmuscheln eingesetzt und kommen dann wieder zurück in den Grenzbach. Dort bleiben sie für einige Jahre unter Beobachtung, bis die Entwicklung der Jungmuscheln abgeschlossen ist und sie ausgesetzt werden können.“

Bachforelle geeigneter Wirtsfisch

Bis die Jungmuscheln jedoch in Lochplatten angesiedelt werden können, benötigen sie zum Heranreifen Wirtsfische. Jonas Ständer bezeichnete dabei die Bachforelle als besonders geeignet. „Einmal infiziert, verankern sich die Larven bis zu zehn Monate im Kiemengewebe der Bachforelle, ernähren sich vom Blut ihres Wirts und fallen schließlich ab.“

Angekommen an einer lichten Stelle im Wald, forderte Susanne Ullmann-Wiesend erneut auf inne zu halten und verwies auf geänderte Landschaftsformen in den letzten Jahrzehnten. Für den drastischen Rückgang der Muscheln war dies mit ein Grund, so Ullmann-Wiesend. Sie wies hin auf die gestiegene Wasserversauerung durch Fichtenpflanzungen an den Ufern, die Feinschlamm- und Nährstoffeinträge aus Industrie, Teich-, Land- und Forstwirtschaft, das Abholzen von Erlen, die ein Ausschwemmen der Ufer verhinderten, die zunehmende Erwärmung des Wassers in den Bächen durch fehlende Beschattung sowie die abnehmende Zahl an Bachforellen. All dies könne jedoch nur in Gemeinschaft korrigiert und bewältigt werden, meinte die Projektleiterin und dankte dem Naturpark Steinwald, der bereits vor über 20 Jahren das Artenhilfsprojekt Flussperlmuschel ins Leben gerufen hat. „Seitdem arbeitet ein großes Team, bestehend aus Landschaftsökologen, Biologen, Naturpark-Rangern sowie Forst-, Wasserwirtschaft- und Naturschutzbehörden, eng zusammen, um die einzelnen Gefährdungsursachen zu bekämpfen.“

Versandung verhindern

Was dabei sehr wichtig sei, sei das Einverständnis der betroffenen Grundstückseigentümer, meinte Susanne Ullmann-Wiesend. „Sie müssen zustimmen beim Abholzen von Fichten in den Uferregionen, den Anpflanzungen von Schwarzerlen, der Befestigung von Waldwegen, um die Versandung zu verhindern, oder dem Anlegen von Furten, damit die Bachforellen wieder ungehindert passieren können.“

Deutlich spürten die Teilnehmer der Exkursion bei allen Aussagen und Hinweisen, dass auch nach über 20 Jahren bei den Verantwortlichen des Artenhilfsprojektes Flussperlmuschel große Betriebsamkeit und Aktivität herrscht. Ein Grund dürfte sein, dass speziell dem Grenzbach nach mehreren Untersuchungen und Studien eine mittlerweile gute Wasserqualität bescheinigt wurde. Dem Ziel, einen Fortbestand der Flussperlmuschel im Grenzbach langfristig zu ermöglichen, ist man dadurch auf jeden Fall ein Stück näher gekommen, meinen die Verantwortlichen.

Ein buntes Bilderbuch informiert über das Leben der Flussperlmuschel

Fuchsmühl

Viel vor hat die Steinwald-Allianz

Erbendorf
Überfahrten und Furten im Grenzbach wurden für Fische passierbar gemacht. Zur Verhinderung von Feinschlammeinträgen wurden querende Waldwege befestigt. Für manchen Teilnehmer der Exkursion war die Überquerung eine willkommene Abwechslung.
Besonders interessant für die Exkursionsteilnehmer waren die Perlen der Flussperlmuschel. Nur in jeder 2000. bis 10.000. Muschel kommt eine Perle vor.
Naturpark-Ranger Jonas Ständer erklärte den Teilnehmern der Wanderung die Bemühungen um die Aufzucht von Jungmuscheln in Lochplatten. Rechts mit im Bild Naturpark-Rangerin Marie Wittmann.
15 Zentimeter groß und bis zu 130 Jahre alt werden Flussperlmuscheln in unserer Region. Naturpark-Ranger Jonas Ständer zeigte bei der Exkursion ein Exemplar aus hiesigen Gewässern.
Hintergrund:

Die Flussperlmuschel

Bei der Exkursion im Naturpark Steinwald erfuhren die Teilnehmer viel Wissenswertes über die Flussperlmuschel.

  • Die Flussperlmuschel ist eine Leitart.
  • Flussperlmuscheln werden im Steinwald bis zu 15 Zentimeter groß. Sie können bis zu 130 Jahre alt werden.
  • Wichtig ist eine hohe Wasserqualität. Die Flussperlmuschel liebt schnell fließende, sommerkühle, kalkarme, sauerstoffreiche Bäche.
  • Im Jahr 1990 waren im Grenzbach noch über 2000 Flussperlmuscheln vorhanden, jetzt sind es noch knapp 100. Europaweit ist sie vom Aussterben bedroht. Ebenso wie im Steinwald nahmen auch in Skandinavien und Portugal die Bestände in den letzten Jahren kontinuierlich ab.
  • Übrigens: Der Naturpark Steinwald ist Herausgeber eines Kinderbuchs („Margarete – Königin der Flussperlmuscheln“), das über das Leben der Flussperlmuscheln informiert. Die Texte verfasste Kinderbuchautorin Gudrun Opladen.

„Nur in jeder 2000. bis 10.000. Muschel ist tatsächlich eine Perle enthalten.“

Rangerin Marie Wittmann

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.