23.10.2020 - 18:47 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Drei junge Luchse im Steinwald entdeckt

Damit hatten nicht einmal die größten Optimisten gerechnet. Es gibt drei junge Luchse im Steinwald. Vor einigen Tagen tappten die kleinen Katzen zum ersten Mal in eine Fotofalle.

Die Luchsin mit einem Jungen.
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

"Die 2016 ausgewilderte Luchsin ,Fee' hat heuer zum ersten Mal Nachwuchs bekommen" strahlt Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg aus Friedenfels. Drei Jungtiere konnten zusammen mit ihrer Mutter im Steinwald nachgewiesen werden. "Zu Gesicht bekommen hat sie Revierleiter Carsten Klöble von den Bayerischen Staatsforsten. Er hat zwei der drei Jungen durch Zufall auf einem der zahlreichen kleinen Felsen angetroffen", erzählt der Baron. Etwas später habe eine Fotofalle an gleicher Stelle ,Fee' mit ihrem Nachwuchs abgelichtet. Da Luchse zwischen Mai und Juni werfen, dürften die Jungen etwa drei bis vier Monate alt sein.

Wie ein Sechser im Lotto

Auch Förster Carsten Klöble ist angesichts dieser Entdeckung völlig aus dem Häuschen: "Ich habe überhaupt nicht mit so einem Anblick gerechnet - das ist wie ein Lotto-Sechser! Wir freuen uns sehr, dass es den Luchsen bei uns anscheinend so gut geht, denn es sind faszinierende Tiere", erzählt er. Da Luchsin "Fee" und ihre Jungen auch auf Fotofallen im Forstrevier Fuchsmühl, das der Stadt Augsburg gehört, und im Wald der Güterverwaltung Friedenfels nachgewiesen werden konnten, steht fest: Die Großkatze und ihre drei Jungen sind im ganzen Steinwald unterwegs.

Der Vater der kleinen Luchse ist wohl Kuder "Ivan", der im Herbst 2018 vom Harz in den Steinwald zugewandert ist. Er hat vermutlich den ausgewilderten Luchs "Hotzenplotz", der eigentlich für Nachwuchs sorgen sollte, bei Revierkämpfen getötet. "Ivan" war dem aus dem Bayerischen Wald stammenden "Hotzenplotz" körperlich deutlich überlegen. "Leider ist es sehr wahrscheinlich, dass ,Ivan' seit Mitte Oktober selbst nicht mehr lebt", weiß Baron von Gemmingen-Hornberg. Aus dem nördlichen Fichtelgebirge kam nämlich kürzlich die Nachricht, dass ein Jäger dort versehentlich bei der Wildschweinjagd einen Luchs erschossen hat, bei dem es sich wohl um "Ivan" handelt. "Das ist traurig, aber wenigstens hat er ja seine Gene im Steinwald hinterlassen", sagt der Vorsitzende des Naturparks-Steinwald. Der Jäger hat sich bei der Polizei in Wunsiedel selbst angezeigt, als er den Fehlschuss bemerkte. Die Ermittlungen der Polizei laufen. "Man kann deshalb dazu derzeit wenig sagen", erklärt von Gemmingen-Hornberg.

Der Friedenfelser Baron war zusammen mit dem Landesamt für Umwelt, dem Luchsprojekt Bayern und den Bayerischen Staatsforsten auch Initiator der Luchs-Auswilderung. Er bemühte sich um junge Luchse aus dem Bayerischen Wald, die aus irgendeinem Grund zu Waisenkindern wurden.

Hier erfahren Sie mehr über das Luchsprojekt

Erbendorf

Freiherr von Gemmingen-Hornberg glaubte von Anfang an daran, dass der Steinwald bereit für eine Rückkehr der Großkatze sein könnte. Entsprechend groß ist nun auch die Freude über den zahlreichen Nachwuchs. Der Besitzer großer Waldgebiete im Steinwald weiß aber auch, dass die Arbeit weitergeht. Er kündigt an: "Luchse brauchen Rehe. Wir werden deshalb in unserem Teil des Steinwaldes das Rehwild weiter ziemlich zurückhaltend bejagen, damit sich auch die Luchse ihren Teil holen können."

Für Aufzucht kein Problem

Für die Aufzucht der Jungen ist der Tod des Kuders übrigens kein Problem, da sich das Männchen ohnehin nicht an der Aufzucht der Jungen beteiligt. Luchse sind Einzelgänger, die nur zur Paarung die Nähe eines Partners suchen. Normalerweise bleiben die Jungen dann bis zur nächsten Paarung im Februar, März bei der Mutter, bevor sie sich ein eigenes Revier suchen. Die Mitarbeiter am Auswilderungsprojekt hoffen, dass unter den Jungen ein Männchen ist, das den Platz von "Ivan" einnimmt, zumal auch im Fichtelgebirge eine Luchsin ausgewildert worden ist. "Vielleicht wandert aber auch wieder ein männlicher Luchs zu, so wie es schon einmal der Fall war", sagt von Gemmingen-Hornberg. "Ivan" war übrigens zuletzt ohnehin nicht mehr unumstritten, da er wenig Scheu vor den Menschen zeigte und im Steinwald auf waldnahen Gehöften, wie in Napfberg und Bärnhöhe, mehrere Hauskatzen getrötet hat.

Chronologie der Auswilderung:

Die Entwicklung der Luchse im Steinwald

Die Geburt der Jungen hat eine jahrelange Vorgeschichte.

  • August 2016
    Das Weibchen „Fee“, ein Luchs-Findling aus dem Bayerischen Wald, wird im Steinwald ausgewildert.
  • April 2018
    Auswilderung des Luchs-Männchens „Hotzenplotz“, ebenfalls ein Findling aus dem Bayerischen Wald.
  • Oktober 2018
    Der Luchs „Ivan“ tappt in eine Fotofalle. Er ist ein Zuwanderer aus dem Harz
  • März 2019
    „Hotzenplotz“ wird tot im Steinwald aufgefunden. Er dürfte einem Revierkampf mit „Ivan“ zum Opfer gefallen sein.
  • Juli 2020
    Mit „Julchen“ wird ein weiteres Weibchen im Fichtelgebirge ausgewildert.
  • Oktober 2020
    Das Landesamt für Umwelt meldet dreifachen Luchsnachwuchs aus dem Naturpark Steinwald.

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Kommentare

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Tobias Punzmann

Einen Jäger, der "versehentlich" bei der Wildschweinjagd einen Luchs erschießt, sollte man schnellstmöglich entwaffnen. Nicht auszudenken, was so jemand noch "versehentlich" anstellen kann, wenn er nicht mal ein Schwein von einer Katze unterscheiden kann.

Es bleibt zu hoffen, dass diese Meldung nicht die Idioten unter der Jägerschaft auf den Plan ruft, die sich bemüßigt sehen, dem "Jagdkonkurrenten" Luchs das Garaus zu bereiten. Die Vorfälle im Bayrischen Wald geben Anlass zur Sorge.

24.10.2020