11.09.2020 - 16:46 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Bürgerversammlung: Heiße Themen an frischer Luft

Der Abriss der früheren Tankstelle erhitzt die Gemüter in Friedenfels. Denn die Entsorgung der Altlasten kommt teuer. Doch dies ist nur eines der Themen, die bei der Bürgerversammlung in Friedenfels für Diskussionsstoff sorgen.

Auf reges Interesse stieß die erste Bürgerversammlung nach den Kommunalwahlen. Erstmals in der langen Geschichte des Erholungsortes Friedenfels fand diese – bedingt durch die Corona-Pandemie – unter freiem Himmel statt.
von Bernhard SchultesProfil

Auf beachtliches Interesse stieß der erste gemeindliche Informationsabend nach den Kommunalwahlen im März. Über 70 Friedenfelser Bürger nutzten die Möglichkeit, auf dem Vorplatz der Steinwaldhalle Neuigkeiten aus erster Hand zu bekommen. Coronabedingt hatte Bürgermeister Oskar Schuster die Veranstaltung unter freiem Himmel angesetzt.

Eine Idee, die bei den Besuchern ankam: „Könnte man öfters machen. Im Sommer wäre dieser Platz mit dem Musikpavillon ideal. Ab 20 Uhr wurde es nämlich doch etwas frisch, trotz des schönen Herbsttages“, meinten gleich mehrere Besucher am Ende der Veranstaltung. Das Hygienekonzept und die Abstände bei der Bestuhlung konnten im Freien eingehalten werden. Zudem war eine vorherige Anmeldung erforderlich.

Nachfragen der Bürger sorgten für die nötige Würze in der Bürgerversammlung. Dabei erhitzte besonders der derzeitige Rückbau der alten Tankstelle, die auch einmal als Feuerwehrhaus diente, die Gemüter. Besucher Reinhard Zeitler wollte wissen: „Weshalb erwirbt eine Gemeinde überhaupt ein derartiges Grundstück, wo doch bekannt gewesen sei, dass Altlasten an der Immobilie haften und vorhanden seien?“

Hier ein Bericht zum alten Feuerwehrhaus

Friedenfels

Bürgermeister Oskar Schuster betonte hierzu, dass dies ein Vorhaben aus den 80er Jahren sei und die genaue Motivation der damaligen Verantwortlichen ihm nicht bekannt sei. „Sie sind bereits verstorben oder stehen heute nicht mehr in der Verantwortung.“ Weiter äußerte das Gemeindeoberhaupt: „Die Stilllegung der Tanks wurde auf jeden Fall zur damaligen Zeit nicht fachgerecht durchgeführt. Und wir haben deshalb heute die enormen Kosten des Rückbaus zu tragen. 104.000 Euro wurden bis jetzt dafür bezahlt.“ Wie hoch die noch anfallenden Kosten für die Entsorgung der Tanks, die Untersuchungen des Erdreichs und weitere Arbeiten werden, konnte Oskar Schuster noch nicht sagen.

Sollte auf diesem Grundstück je einmal ein Mahnmal für Geldverschwendung und Machtmissbrauch errichtet werden, würde ich sofort 1000 Euro spenden.

Otmar Zeitler

Als ein „Überlebender“ der Hinterlassenschaft bezeichnete sich in der anschließenden Frage- und Antwortrunde Otmar Zeitler. „Da ich noch zu den Lebenden gehöre, die mit dem alten Feuerwehrhaus zu tun gehabt haben, Folgendes: Der Ankauf des Feuerwehrgeländes war bereits damals ein großer Streitpunkt in der Friedenfelser Kommunalpolitik. Nach vielen Diskussionen und Besprechungen hat man abgewartet, bis ich im Urlaub war, da ich ein großer Gegner des Ankaufs war. In der Sitzung hat man dann eine Abstimmung herbeigeführt. Mit nur einer Stimme Mehrheit konnte dadurch das Gebäude erworben werden.“ Mit einem lockeren und amüsanten Spruch sowie Beifall beendete Zeitler seine Erinnerungen: „Sollte auf diesem Grundstück je einmal ein Mahnmal für Geldverschwendung und Machtmissbrauch errichtet werden, würde ich sofort 1000 Euro spenden.“

Schild ein Ärgernis

Ein Dorn im Auge war Siegfried Steinkohl ein Straßenschild auf einem Privatgrundstück am Steinwald-Radweg zwischen Wiesau und Friedenfels. Die Aufschrift „Merkelmussweg“ brachte Steinkohl bei seinen Erörterungen mit der rechten Szene und der flüchtlingsfeindlichen Pegida-Bewegung in Verbindung. „Mit diesen Leuten und dem Besitzer vor Ort kann man nicht reden“, sagte Steinkohl. „Bis zum heutigen Tag ist die rechtliche Bewertung der Aktion unklar“, entgegnete hierauf Oskar Schuster und fuhr fort: „Das Schild steht auf Privatgrund. Bereits mein Vorgänger Bürgermeister Gottfried Härtl konnte trotz zahlreicher Gespräche und Erkundungen keine Klärung herbeiführen.“ Weil es jedoch optisch von einem echten Straßenschild kaum zu unterscheiden sei und dadurch bei Unfällen auf dem angrenzenden Radweg zu Missverständnissen kommen könnte, hakte Lisa Rauh bei Oskar Schuster nach, ob an dieser Stelle eine zusätzliche Straßen- oder Radwegbezeichnung angebracht werden könnte. Bürgermeister Oskar Schuster möchte dies nun prüfen, will aber nochmals mit dem Besitzer sprechen.

Lehrerwohnhaus

Zur geplanten Sanierung und zum Umbau des Lehrerwohnhauses als Rathaus wollte Johannes Stich wissen, ob alternative Nutzungsmöglichkeiten geprüft wurden. Zu dem von Johannes Stich dabei vorgeschlagenen „Betreuten Wohnen“ berichtete Bürgermeister Oskar Schuster: „Diese Überlegungen gab es im Vorfeld des Öfteren. Doch der Gebäudekomplex wäre für dieses Vorhaben zu klein. Ein Neubau ist deshalb ein angestrebtes künftiges Ziel.“

Ortseingänge verschönern

Ein neues Erscheinungsbild an den Ortsein- und ausgängen mit den Grußtafeln für die Feriengäste und Besucher des Erholungsortes brachte Peter Wildenauer ins Gespräch. Die derzeitigen Holzkonstruktionen nannte der Redner nicht mehr zeitgemäß. Oskar Schuster sicherte hier eine Überprüfung zu und zeigte sich für Vorschläge aus der Bevölkerung offen.

Der Rückbau der alten Shell-Tankstelle mit Entsorgung der Tanks sorgte bei der Bürgerversammlung für Diskussionen und Wortmeldungen. Denn auf die Gemeinde kommen enorme Kosten zu.
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