22.01.2021 - 10:26 Uhr
Frankenreuth bei KulmainOberpfalz

Requisitenlager der Goldbachtaler Theatergruppe: Schatzkammer voller Erinnerungen

In einer Scheune lagert die Theatergruppe des Goldbachtaler Trachtenvereins ihre Kostüme und Bühnenausstattung. Regisseurin Christine Stich kennt die Geschichte hinter jedem Gegenstand.

Gegenstände mit Geschichte halten Elisabeth Prechtl, Christine Stich, Bernhard Stich und Reinhard Prechtl (von links) in den Händen.
von Katrin Pasieka-Zapf Kontakt Profil

Auf ihren Kleider- und Requisitenfundus ist die Theatergruppe des Goldbachtaler Trachtenvereins besonders stolz. In den vergangenen 28 Jahren standen sie 26 Mal auf der Bühne – 1998 sogar zwei Mal. Nicht verwunderlich, dass sich in dieser Zeit ein großer Bestand an Kleidern und Gegenständen angesammelt hat. Das Requisitenlager der Goldbachtaler ist wie eine Schatzkiste – voller Erinnerungen und Geschichten.

"Bei unseren Theaterstücken muss jedes Detail stimmen", sagt Christine Stich. Seit der ersten Aufführung 1992 agiert sie als Regisseurin. Perfektion beginnt für sie beim Bühnenbild, geht über die Wanddekoration und endet bei den richtigen Kostümen. Hat sich Christine Stich für ein Theaterstück entschieden, macht sie sich mit Elisabeth Prechtl auf Kostümsuche. "Die Kleidung muss zu der Zeit passen, in der das Theaterstück spielt", erzählt Stich. Auf ein stimmiges Gesamtbild legt sie besonders Wert. Sollten sie nicht fündig werden, leihen sie sich Kostüme beim Theaterverleih aus. "Diese vielen kleinen Details machen unser Theater einzigartig", erklärt sie. So konnten die Besucher bereits eine Spinne am Fenster oder einen täuschend echt aussehenden Misthaufen auf der Bühne entdecken.

Gut geschützt

Auf ihren Einsatz warten die Requisiten in der Scheune von Reinhard und Elisabeth Prechtl. Reinhard Prechtl hat dafür extra einen separaten Raum aus OSB-Platten gezimmert. "Die Kleider sind so sicher vor Mäusen und anderem Ungeziefer", sagt er. Zusammen mit Stichs Ehemann Bernhard ist er für das Bühnenbild und die Technik verantwortlich.

Die Kleider hängen in zwei offenen Regalen, die gut drei Meter lang sind. In einem weiteren Regal befinden sich Küchenutensilien, Bücher, Aktenordner und ein Nachttopf. Alte Vorhänge und eine Pistole liegen ein paar Meter weiter. Elisabeth Prechtl hat die Kleiderstücke nach Hemden, Röcken, Jankern, Kleidern oder Trachten sortiert.

Christine Stich und Elisabeth Prechtl greifen zielsicher nach bestimmten Kleidungsstücken, die für sie eine besondere Bedeutung haben. "Bei fast jedem Teil weiß ich, bei welchem Stück es im Einsatz war", sagt Stich. Seit 1992 wurden die Requisiten zusammengetragen, einige waren zunächst eine Leihgabe, gingen aber dann in den Fundus über. "So wurde es immer mehr", sagt Stich und lacht. Ein rot-braunes Kleid liegt der Regisseurin besonders am Herzen. "Das ist das Kleid meiner bereits verstorbenen Mutter", erzählt sie. Irmgard Schinner stand mit über 80 Jahren noch in Ebnath auf der Bühne. "Von meiner Familie stammt die Leidenschaft fürs Theater", sagt sie.

"Mühllechner" und "Woidboyz"

In einer Ecke des Raumes steht ein Gemälde von einem alten Mann, der eine Pfeife raucht. "Das ist unser Mühllechner", erklärt Christine Stich. Das Bild ist inzwischen bei jedem Theaterstück auf der Bühne zu finden. "Ohne dieses Bild geht es nicht." Ein besonderes Erlebnis verbinden die Theaterspieler mit einem lila-pinken Mantel. "Das war der Umhang, den sich die 'Woidboyz' ausgeliehen haben", sagt Reinhard Prechtl stolz. Bastian Kellermeier, Ulrich Nutz und Andreas Weindl vom Bayerischen Rundfunk waren für ein Ritteressen auf der Suche nach passenden Gewändern. Durch Zufall stießen sie auf Bernhard Stich, der als Erster Vorsitzender des Trachtenvereins natürlich gleich an den großen Kleiderfundus dachte.

Spezialanfertigungen sind auf den Kleiderständern ebenfalls zu finden. Elisabeth Prechtl nimmt einen besonderen Herrenanzug aus dem Regal. "Er wurde von einem Vereinsmitglied für das Stück 'Umdraht' aus zwei Anzügen angefertigt", sagt sie. Sakko und Hose bestehen zur einen Hälfte aus einem schwarzen, zur anderen Hälfte aus einem grauen Stoff.

Unverzichtbar ist für Christine Stich eine Kuhglocke, die mit dem Logo der Goldbachtaler bemalt ist. "Sie ist seit der ersten Aufführung dabei und darf nur von mir benutzt werden", sagt sie. Geklingelt wird zu Beginn des Stücks und vor den einzelnen Akten.

Neue Mitspieler gesucht

Zwar schreibt Christine Stich den Requisiten eine große Bedeutung zu, entscheidend sind aber die Schauspieler: "Sie hauchen dem Theater Leben ein. Wir sind sehr dankbar für unsere begnadeten, lustigsten und tiefgründigsten Schauspieler", schwärmt die Regisseurin. Sobald sie auf der Bühne stehen, sei das Publikum begeistert. Manche spielen bereits seit Beginn mit – gesprochen wird im Dialekt.

Trotzdem war es in den vergangenen fünf Jahren schwer, Mitwirkende fürs Theater zu finden. Zwei bis drei Monate proben die Goldbachtaler fast täglich – ein Zeitaufwand, der sich bei der Aufführung auszahlt. "Schichtarbeit oder eine eigene Familie lassen oft wenig Zeit für eine Theaterrolle", sagt Elisabeth Prechtl. Ältere Vereinsmitglieder haben ihre aktive Theaterkarriere beendet und auch hinter den Kulissen wäre Nachwuchs nicht schlecht.

Eigener Kleiderverleih

Aufgeführt werden die Theaterstücke seit 1992 immer im Haus des Gastes in Kulmain. Da das Gebäude seit 2019 saniert wird, brachten die Goldbachtaler zuletzt 2018 das Stück "Fix, Teife und Halleluja" auf die Bühne. "Auf der neuen Bühne zu spielen, wird auch interessant", sagt Stich. Stillstand erlebte das Vereinsleben auch durch die Corona-Pandemie im vergangenen Jahr.

Für die Zukunft wünscht sich Christine Stich, dass das Vereinsleben langsam wieder ins Rollen kommt. Zudem freut sie sich über "neue, willige Schauspieler, die sich einbringen", auch Nicht-Mitglieder sind willkommen. Gerne verleihen die Goldbachtaler ihre Kostüme auch an Privatpersonen, die einen Sketch aufführen möchten. Ein Traum von Christine Stich wäre deshalb auch ein eigener Theaterfundusverleih mit einem großen Schaufenster. "Vielleicht findet sich ja in diesem Jahr die richtige Location."

Die Woidboyz fanden bei den Goldbachtalern das richtige Kostüm

Kaibitz bei Kemnath
Hintergrund:

Trachtenverein Goldbachtaler Ölbrunn

  • Der Verein wurde 1989 von Alfons Veigl, Norbert Horn, Reinhold Albersdörfer, Willi Rauch, Bernhard Stich und Josef Scherm gegründet.
  • Ziel des Vereins ist der Brauch-Erhalt, wozu auch das Theaterspielen gehört.
  • Seit 1992 wurden 26 Drei-Akter und zahlreiche Ein-Akter auf die Bühne gebracht.
  • Aufgeführt wurden unter anderem "Der Stier ist los" (1992), "Da Wolpertinger" (1997), "Die Gwandlaus" (2007), "Die Bayerische Prohibition" (2013) und "Fix, Teife und Halleluja" (2018).
  • Zum Verein gehört auch eine Tanz- und Jugendgruppe
  • Den Vorstand bilden: Bernhard Stich (Erster Vorsitzender), Max Alberdörfer (Stellvertreter), Katharina Prechtl (Schriftführer), Josef Scherm (Kassier), Lydia Kukla (Dirndlvertreterin) und Reinhold Albersdörfer (Beisitzer). Die Theaterleitung hat Christine Stich inne. Kassenprüfer sind Wolfgang Lorenz und Gustav Scherm.
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