14.04.2020 - 10:39 Uhr
Deutschland und die WeltOberpfalz

Fragen zum Alltag mit dem Coronavirus

Das Coronavirus stellt den Alltag vieler Menschen auf den Kopf. Aber was bedeutet das für die Menschen konkret? Leser schicken uns ihre Fragen. Wir beantworten sie mit Hilfe von Experten.

Fragen und Antworten zum Alltag mit Corona
von Alexander Unger Kontakt Profil
Hinweis:

Liebe Leser und Leserinnen,

diese Frage/Antwort-Texte werden nicht mehr aktualisiert, da nahezu täglich Änderungen bekanntgegeben werden. Über den aktuellen Stand informiert das Staatministeriums des Inneren, für Sport und Integration: https://www.corona-katastrophenschutz.bayern.de/faq/index.php

Weltweit breitet sich ein ein neuartiges Coronavirus aus. Seine Name: „COVID-19“. Es gehört zu der gleichen Gruppe Coronaviren wie das SARS- und MERS-Virus (ß-Coronaviren). Inzwischen erhielt das neuartige Coronavirus den offiziellen Namen „SARS-CoV-2“, die Atemwegs­erkrankung, die es auslöst, wird als „COVID-19“ bezeichnet. Was ist über das Virus bekannt?

Wie und wann wird getestet?

Wird man getestet, wenn man Kontakt zu einem Coronainfizierten hatte?

Ja. Wer Kontakt zu einem bestätigen Covid-19-Fall hatte wird getestet, genau wie Menschen, die Symptome aufweisen und sich vorher in einem Risikogebiet aufgehalten haben.Wie wird das Coronavirus überhaupt getestet?"Das Robert-Koch-Institut empfiehlt eine Probenentnahme aus den oberen und unteren Atemwegen“, heißt es aus Gesundheitsämtern. Es werden Abstriche aus dem Nasen-Rachen-Raum und Proben des Hustenauswurfs entnommen. Die Proben werden dann in Laboren auf das Coronavirus untersucht. Sars-CoV-2 nachzuweisen, dauert ungefähr fünf Stunden, ein Testergebnis kann also innerhalb eines Tages vorliegen. Manche Labore testen allerdings in Chargen, um den Materialverbrauch zu senken. In solchen Fällen kann es auch länger dauern. Der Test gilt als sehr zuverlässig.

Wie wird das Coronavirus behandelt?

Die Behandlung der Infektion richtet sich laut Bundesgesundheitsministerium nach der Schwere des Krankheitsbildes (zum Beispiel Sauerstoffgabe, Ausgleich des Flüssigkeitshaushalts, gegebenenfalls Antibiotikagabe zur Behandlung von bakteriellen Begleitinfektionen) und umfasst auch die Behandlung von relevanten Grunderkrankungen. Eine spezifische - sprich: gegen das neuartige Coronavirus selbst gerichtete Therapie - steht derzeit noch nicht zur Verfügung. Eine Schutzimpfung gibt es ebenfalls noch nicht. Es wird aber an der Entwicklung eines Impfstoffes gearbeitet.

Wann werde ich getestet?

Nur im begründeten Verdacht – also wenn man Symptome aufweist. Diese Regelung hat das Robert Koch-Institut (RKI) angesichts der Pandemie angepasst. Das bisherige Kriterium, dass ein Patient in einem Gebiet mit Covid-19-Fällen gewesen sein muss, entfalle, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler am Mittwoch in Berlin. Angesichts der immer weiteren Ausbreitung des Erregers mache es "irgendwann keinen Sinn mehr, nach einzelnen Gebieten zu unterscheiden". Prinzipiell sollen nur Menschen mit Symptomen getestet werden, bekräftigte Wieler. Die Entscheidung anhand weiterer Kriterien, wie Kontakt zu einem bestätigten Sars-CoV-2-Fall, treffe der behandelnde Arzt. Ziel sei es, die Testressourcen gezielter einzusetzen, betonte Wieler. Wer mild erkrankt sei und mangels Testkapazitäten derzeit nicht getestet werden könne, solle zu Hause bleiben und Abstand zu anderen halten, appellierte der RKI-Chef.

An wen wende ich mich, wenn ich Symptome aufweise?

Weiterhin telefonisch an den Hausarzt oder die kassenärztlichen Vereinigung unter der 116117, erklärt das LGL.

Warum dauert es so lange, bis ich getestet werde, obwohl ich als Verdachtsfall gelte?

Weil in Bayern derzeit mehrere Tausend Proben täglich untersucht werden, so das LGL. Zudem sind die Telefonleitungen der Hausärzte, Gesundheitsämter oder die 116117 überlastet, die Mitarbeiter arbeiten am Limit.

Ich bin vorigen Sonntag auf den Coronavirus getestet worden und habe bis heute keine Antwort erhalten. An wen kann man sich wenden, um sein Ergebnis zu erfragen?

Grundsätzlich werden alle positiven Tests den Gesundheitsämtern gemeldet werden. Die Ämter informieren auch die betroffenen Personen. Es gab bis zuletzt allerdings Probleme, weil die Labore nur positive Testergebnisse weitergegeben haben. Wenn keine Infektion vorliegt, wurde bisher niemand informiert. Am besten man meldet sich deshalb bei der Stelle, bei der man den Test durchgeführt hat.

Mein Chef verlangt einen Test: Geht das?

Nein. Ob ein Test nötig ist, entscheidet der Arzt.

Wo wird getestet?

In der Oberpfalz gibt es vier Testzentren, teilt das LGL mit. Dazu gibt es einen Hausbesuchsdienst für die Abstrichentnahme. Dieser wird seit Anfang der Woche durch mobile Stationen, sogenannte „Drive-Through“-Lösungen, ergänzt, teilte die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) mit. Die mobilen Stationen werden in zahlreichen bayerischen Städten Halt machen, so aktuell beispielsweise in Nürnberg, Passau und Deggendorf. Der Test erfolge aber ausschließlich bei Patienten mit entsprechender Symptomatik, die vorher entweder über die Rufnummer 116117 oder über das jeweilige Gesundheitsamt einen Termin erhalten haben.

Krankenhäuser und Corona

Was wenn sich Krankenhaus-Mitarbeiter anstecken?

Das ist ein schwieriger Fall. In Deutschland stellt das Coronavirus einen Stresstest für die Krankenhäuser dar - inklusive Personal. Auf die bange Frage, ob das deutsche Gesundheitssystem dem Druck standhalten könne, wiederholen Experten gebetsmühlenartig, dass dies besonders von der Geschwindigkeit der Ausbreitung abhängt. Das RKI empfiehlt häusliche Quarantäne für medizinisches Personal, das engen ungeschützten Kontakt zu einem bestätigten Fall im Rahmen der Pflege oder medizinischen Untersuchung hatte und dabei keine Schutzausrüstung trug. Uwe Janssens, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin, hält das für „schlichtweg nicht praktikabel“, wenn man das Gesundheitssystem nicht zum Einsturz bringen wolle. In Eschweiler etwa sei eine Krankenschwester erkrankt. Wäre man der Empfehlung des RKI gefolgt, hätten knapp 70 Mitarbeiter in Quarantäne gemusst. Janssens: „Dann hätten wir die Notfallversorgung abschalten müssen.“ Überhaupt seien im Gangelter Raum fast alle Mitarbeiter in den Kliniken kontaminiert. In Eschweiler lässt sich das betroffene Personal darum regelmäßig testen.

Wie ist die Lage in den Intensivstationen und den Frühgeborenen-Stationen?

Stabil, erklärt Michael Reindl, Pressesprecher der Kliniken Nordoberpfalz AG. Mehr könne er dazu nicht sagen.

Kann man sich zweimal anstecken?

Wahrscheinlich nicht. Experten bezweifeln das, auch wenn Berichte aus Japan und China solche Sorgen schüren. Immunologen haben gute Gründe für die Annahmen, dass man sich nur einmal mit dem Erreger infizieren kann und man danach immun ist.

Risiken und Folgeschäden

Können Folgeschäden der Erkrankung auftreten?

Ja. Ärzte aus Hongkong haben berichtet, dass manche Betroffene trotz eines scheinbar milden Krankheitsverlaufs langfristig schwere, dauerhafte Lungenschäden, sogenannte Lungenfibrosen, erlitten. Ob es sich dabei um Einzelfälle handelt, müssen weitere Untersuchungen zeigen, schreibt der NDR.

Was ist der Unterschied zwischen dem Covid-19-Virus und der Grippewelle in Deutschland 2017/2018 , bei der etwa 20.000 Tode zu beklagen waren?

Beim Coronavirus handelt es sich um ein völlig neuartiges Virus, teilt Christine Hollederer, Pressesprecherin des Landratsamts Amberg-Sulzbach, mit. "Influenzaviren verändern sich, daher erkranken auch viele Menschen, aber der Verlauf ist meist milde, weil wir Menschen teilweise immun sind. Beim Coronavirus kennt unser Immunsystem die Viren (noch) nicht und das macht es gefährlicher. Das Coronavirus ist auch ansteckender als die Grippeviren."

Ist das Coronavirus ein erhöhtes Risiko für Schwangere?

Wahrscheinlich nicht. Schwangere scheinen laut Weltgesundheitsorganisation WHO kein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf zu haben. „Es gibt bislang keine Hinweise darauf, dass Covid-19 auf das Kind im Mutterleib übertragbar ist“, teilt das Robert-Koch-Institut (RKI) mit. Eine Übertragung auf das neugeborene Kind sei über den engen Kontakt und eine Tröpfcheninfektion möglich, bisher gebe es jedoch keine Nachweise von Sars-Cov-2 in der Muttermilch.

Darf ich meinen Partner küssen und mit ihm Sex haben?

Ja, wenn beide nicht infiziert sind, keine Symptome aufweisen und sonstige soziale Kontakte so gut wie möglich vermeiden. Wenn einer der Partner Symptome aufweist oder gar infiziert ist, sollte man Kontakt unbedingt vermeiden, Abstand halten.

Ansteckungsgefahr über Oberflächen

Nachdem ich die Zeitung aus dem Briefkasten geholt habe: Wie soll ich mich verhalten? Hände waschen, die Zeitung desinfizieren?

Das scheint nicht nötig. Experten halten es für extrem unwahrscheinlich, dass ein Virus über Papier übertragen wird. Virologin Ulrike Protzer von der Technischen Universität München sagt: „Die saugfähige Oberfläche eines Pakets oder eines Briefes und der Transport an der Luft würden das Virus sicher austrocknen und damit seine Hülle kaputt machen.“ Das bayerische Landesamt für Gesundheit erklärt, dass das Coronavirus hauptsächlich per Tröpfen-Infektion, also über direkten Mensch-zu-Mensch-Kontakt weitergegeben wird.

Welche Ansteckungs-Gefahr geht von Briefen aus?

Professorin Ulrike Protzer, Virologin vom Helmholtz-Zentrum an der Technischen Universität München, sagte am 27. Februar auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks, dass es extrem unwahrscheinlich ist, dass ein Virus über einen Brief oder ein Paket übertragen wird: "Die saugfähige Oberfläche eines Pakets oder eines Briefes und der Transport an der Luft würden das Virus sicher austrocknen und damit seine Hülle kaputt machen. Zudem geht das Virusgenom (das Erbgut, Anm. d. Red.) kaputt, wenn man es der Sonne oder UV-Licht aussetzt."

Kann man sich durch Obst oder Gemüse anstecken?

Das ist unwahrscheinlich. Bundesministerin Julia Klöckner betont: „Nach derzeitigem Wissensstand ist es unwahrscheinlich, dass importierte Waren wie Lebensmittel die Quelle einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus sein könnten. Hauptgrund dafür ist die relativ geringe Umweltstabilität der Viren.“ Das gilt laut Bundesinstitut für Risikobewertung auch für aus Risikogebieten importierte Früchte.

Wie verhält es sich mit Obst und Gemüse beispielsweise aus Italien oder Spanien? Können auf den Oberflächen Viren haften?

Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine Übertragung des Virus über kontaminierte Lebensmittel oder importierte Produkte unwahrscheinlich. Dem BfR sind bisher keine Infektionen mit SARS-CoV-2 über frisches Obst bekannt. Grundsätzlich könnten Coronaviren durch direktes Niesen oder Husten einer infizierten Person auf Backwaren, Obst oder Gemüse gelangen. Gelangt das Virus kurz danach auf die Schleimhäute des Mund- und Rachenraumes oder die Augen, "erscheint eine Schmierinfektion möglich", so BfR. Bei der Zubereitung von Obst und Gemüse sollen laut BfR die allgemeinen Hygieneregeln beachtet werden: Gründliches Abwaschen der Lebensmittel, häufiges Händewaschen während der Verarbeitung.

Kann ich einen Kuchen (oder eine Torte), den mir meine Nachbarin gebacken hat, ohne Bedenken vor Corona verzehren?

Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat Ende März in einer Veröffentlichung erklärt, dass es keine bekannten Fälle gibt, bei denen Menschen sich "über den Verzehr kontaminierter Lebensmittel" infiziert haben. "Auch für andere Coronaviren sind keine Berichte über Infektionen durch Lebensmittel oder den Kontakt mit trockenen Oberflächen bekannt." Theoretisch wäre es möglich, sich über Oberflächen zu infizieren, die kurz zuvor mit Viren kontaminiert wurden. Es wäre also denkbar, dass eine infizierte Person auf Besteck oder ein Kuchenblech genießt hat und man sich die Viren von dort mit der Hand auf die Schleimhaut befördert. "Aufgrund der relativ geringen Stabilität von Coronaviren in der Umwelt ist dies aber nur in einem kurzen Zeitraum nach der Kontamination wahrscheinlich", merkt das Bundesinstitut dazu weiter an.

Wie funktioniert richtiges Husten und Niesen?

Wegdrehen und mindestens ein Meter Abstand zu anderen halten, erläutert die Website "Infektionsschutz.de". Idealerweise schnaubt oder hustet man in ein Papiertaschentuch, das man danach wegschmeißt. Ist keines zur Hand, hält man die Armbeuge eng vor Nase und Mund. Danach, wenn möglich: Hände waschen.

Besteht eine Infektionsgefahr über das Trinkwasser?

Laut Gesundheitsministerium kann die Übertragung des Virus über die öffentliche Trinkwasserversorgung nach derzeitigem Kenntnisstand ausgeschlossen werden.

Wie lange können die Viren auf einer Oberfläche überleben?

US-Forscher haben für eine neue Studie nachgewiesen, dass das neuartige Corona-Virus mehrere Tage auf Oberflächen überdauern kann. Das lebensfähige Virus sei in Luftpartikeln bis zu drei Stunden nachweisbar gewesen, auf Kupferoberflächen bis zu vier Stunden und auf Pappe etwa einen Tag, schrieben die Forscher mehrerer Institute in der Studie, die im "New England Journal of Medicine" publiziert wurde. Auf Kunststoff und Edelstahl seien lebensfähige Coronaviren noch nach zwei bis drei Tagen nachweisbar gewesen.

Ist auch Spülmittel zur Flächendesinfektion geeignet?

Das Bayerische Gesundheitsministerium verweist auf den Bund für Angewandte Hygiene. Der schreibt auf seiner Internetseite: "Für die Desinfektion sind Desinfektionsmittel mit nachgewiesener Wirksamkeit gegen behüllte Viren anzuwenden. Dieser Wirkbereich wird als ,begrenzt viruzid' bezeichnet. Produkte mit der Bezeichnung ,begrenzt viruzid PLUS' oder ,viruzid' sind ebenfalls wirksam."

Was bringen Schutzmasken?

Immer öfter liest man im Internet von selbstgemachten Schutzmasken. Ist das ein Schmarrn oder sinnvoll?

Aus Expertensicht sind solche selbstgenähten Masken nicht völlig abwegig. Wenn jemand beim Tragen eines solchen Mundschutzes ein gutes Gefühl habe, könne man das ruhig machen, sagte etwa Christian Drosten, Virologe an der Berliner Charité, dem NDR. Der niedersächsische Hausärzteverband verschickte sogar eine Nähanleitung für einen Behelf-Nasen-Mund-Schutz. Dieser sei allerdings weder geprüft noch zertifiziert und stelle lediglich ein Hilfsmittel dar, hieß es in einem Brief des Landeschefs des Hausärzteverbandes, Matthias Berndt, an die Mitglieder.

Was ist vor und nach der Benutzung von selbstgenähten Mundschutzmasken zu beachten? Sollten diese gewaschen/desinfiziert werden?

Grundsätzlich gilt: Gewöhnliche Masken aus dem Handel sind Einweg-Ware. Laut der Pressesprecherin des Landratsamtes Amberg-Sulzbach seien diese nach einem Tag in der Benutzung zu entsorgen. Selbstgenähte Masken jedoch können bei 60 bis 90 Grad Celsius gewaschen und mehrfach verwendet werden. Eine gesonderte Desinfektion ist dann nicht mehr nötig. Dabei gelte zu beachten: Masken aus Eigenproduktion filtern die Luft nicht effektiv. Sie schützen deshalb kaum vor ein Infektion. Der Träger reduziert lediglich das Risiko, Mitmenschen selbst anzustecken.

Wie lange darf man Gesichtsmasken tragen, bevor sie gereinigt oder entsorgt werden müssen?

In einem Interview mit RTL gibt der Direktor des Hygienezentrums Bioscientia, Dr. Georg-Christian Zinn, Tipps zum Tragen einfacher Gesichtsmasken. Dabei stellt er klar, dass auch Einwegmasken im Alltag mehrfach und über mehrere Tage getragen werden können. Bedingung: Sie werden regelmäßig getrocknet und nie völlig durchfeuchtet. Das lässt sich sicherstellen, indem die Masken nicht schon auf dem Weg, sondern erst im Supermarkt aufsetzt. Anschließend wieder abnehmen und gut trocknen. Selbst gemachte Stoffmasken sollte man regelmäßig waschen, dabei möglichst abkochen. Hochwertiger FFP-Masken sind derzeit so knapp, dass man sie Personal in Kliniken und Arztpraxen sowie besonders gefährdeten Personen überlassen sollte.

Ich habe ungenutzte Mundschutzmasken übrig und dafür keine Verwendung. Kann ich diese spenden?

Ja. Die Landratsämter der Oberpfalz nehmen Mundschutzmasken dankend entgegen. "Die Menschen sind sogar aufgerufen, nicht benötigte Schutzausrüstung abzugeben, denn die Not ist überall gleich groß", informiert Christine Hollederer, Pressesprecherin am Landratsamt in Amberg. Bürger, die Schutzmasken oder sonstige medizinische Ausrüstung spenden wollen, sollen sich aber zuvor telefonisch oder per E-Mail bei der Behörde melden. Reguläre Besuche zu den Bürozeiten seien wegen der Kontaktsperre am Landratsamt momentan nicht möglich.

Helfen Hausmittel?

Ich habe gehört, dass das Covid-19-Virus von Sonnenlicht und UV-Strahlung abgetötet wird. Wäre es da nicht sinnvoll vorbeugend ein Solarium zu benutzen?

Tatsächlich wird UV-Strahlung zur Desinfektion von Flächen und teilweise auch zur medizinischen Behandlung eingesetzt. Dort gibt es allerdings sehr strenge Auflagen für den Einsatz. Bei prophylaktischer Verwendung ohne ärztliche Aufsicht ist die Gefahr groß, mehr Schaden als Nutzen anzurichten. Immer wieder liest man deshalb auch, dass gute Hygiene viel wichtiger und wirksamer ist.

Hilft Ingwer gegen Corona?

Nein. Gegen Corona gibt es derzeit keine Heilmittel und keine Medikamente. Es gibt aber Lebensmittel, die das Immunsystem grundsätzlich stärken können. Allgemeinarzt Dr. Florian Hage aus Kemnath berichtet, dass aus der Erfahrungsmedizin heraus, Ingwer in Kombination mit Zitrone, Honig und Curcuma die Virenabwehr des Körpers unterstützen können.

Hilft viel trinken gegen Corona?

Nein. Das hört man zwar immer wieder, stimmt aber nicht. Denn sobald das Virus auf die Schleimhaut gelangt ist, breitet es sich aus, erklärte Dr. Jörg Schelling aus München auf Bayern 3. „Da bringt es auch nichts, mit einer Kanne Wasser nachzugießen.“ Zwar begünstige ein trockener Hals das Eindringen von Keimen. Aber deswegen müsse man jetzt nicht alle 15 Minuten literweise Wasser trinken. „Denn viel bringt nicht unbedingt viel.“ Mit drei bis vier Litern am Tag könne man den Körper sogar Überwässern. Das könne Krankheiten unter Umständen sogar begünstigen. Auch Mundwasser schütze nicht.

Was bringt die Desinfektion von Straßen,wie es in China und anderswo im TV zu sehen gibt?

"Totaler Unsinn", kommentiert die Virologin Melanie Brinkmann vom Helmholz-Zentrum in einem "Zeit"-Interview solche Aktionen, die es zum Beispiel auch in Teheran gab. Solche Maßnahmen seien vor allem öffentlichkeitswirksam, sollen beruhigen. Flächendeckend sei der Aufwand aber absurd hoch und nicht zielführend. Der Virus werde von Menschen übertragen, nicht von Parks, Gehwegen oder Straßen.

Coronavirus und Grippe

Kann man sich mit der normalen Grippe und zusätzlich mit dem neuartigen Coronavirus infizieren?

Ja, Doppelinfektionen sind möglich, erklärt das Robert-Koch-Institut (RKI) auf Nachfrage.

Kann sich daraus ein noch aggressiverer Virus entwickeln?

Nein. Es sind laut RKI unterschiedliche Viren. „Da vermischt sich nichts.“ Mutationen gebe es zwar immer, bei allen Viren. „Aber derzeit gibt es keine Hinweise, dass diese kleinen Mutationen die Eigenschaften verändern.“

Statistiken

Beinhaltet die Zahl der Infizierten auch die, die bereits wieder genesen sind?

Ja, laut des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) haben sich in Bayern bislang mindestens tausende Menschen mit dem neuen Coronavirus angesteckt. Darin eingerechnet sind unter anderem die ersten Infizierten, die bereits wieder genesen sind. Laut der Johns-Hopkins-Universität sind (Stand Donnerstag, 19. März, 15.20 Uhr) weltweit bisher rund 222.000 Menschen an Covid-19 erkrankt. Davon sind etwa 84.000 Menschen wieder gesund, knapp 9000 Menschen sind gestorben. In Deutschland haben sich bisher etwa 13.000 Menschen infiziert, davon sind 113 wieder gesund, 31 sind gestorben.

Die Sterberate in Verbindung mit Covid-19 liegt im Bundesdurchschnitt bei ca. 1,5 Prozent. Im Landkreis Tirschenreuth liegt sie bei ca. 5,4 Prozent. Warum ist diese hier überproportional hoch?

Der Ärztliche Direktor der Kliniken Nordoberpfalz AG, Christian Paetzel, hat im Interview mit Oberpfalz-Medien darauf hingewiesen, dass die Zahlen in Tirschenreuth für eine rein statistische Betrachtung - Gott sei Dank - zu gering sind. Bei weniger als 1000 Infizierten und unter 100 Todesfällen haben Sondereffekte einen großen Einfluss auf solche Quoten. Laut Paetzel ist es zudem so, dass der Landkreis Tirschenreuth der Entwicklung in Deutschland um ein bis zwei Wochen voraus ist. Tatsächlich stieg zuletzt auch die Todesrate in Gesamtdeutschland. Ein weiteres Argument für eine höhere Quote in der Nordoberpfalz: Die Bevölkerung ist hier im Schnitt älter als in anderen Teilen des Landes. Das Coronavirus setzt besonders älteren Menschen sehr zu.

Wenn 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung für eine Durchimmunisierung infiziert sein müssten, dauert dieser Prozess ziemlich lange. Wenn nach dem 19. April oder auch später die Beschränkungen aufgehoben werden, kommt es dann erneut zu einer sprunghaften Ausbreitung des Virus?

"Man muss sich immer vergegenwärtigen, dass wir derzeit weder eine Impfung noch ein Medikament gegen das Virus haben", erklärt Katrin Grimmer vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Durch alle Einschränkungen soll derzeit vor allem Zeit gewonnen werden. Grimmer geht deshalb auch davon aus, dass auch nach Sonntag, 19. April, nicht sofort zum Normalzustand zurückgekehrt werden kann. Es werde wohl weiter Beschränkungen geben, um einen neuen, großen Ausbruch des Coronavirus zu verhindern.

Gibt es eine Informationspflicht der Gesundheitsämter zur Nennung der Corona-Infizierten (nur Anzahl) auf Städte- und Gemeindeebene?

"Die Gesundheitsämter bzw. die Landratsämter sind nicht verpflichtet, die Anzahl der Infizierten auf Gemeindeebene zu veröffentlichen", erklärt die Pressestelle des Landratsamts Neustadt a. d. Waldnaab. Ausnahmen würden nur gemacht, wenn sich Brennpunkte, wie zum Beispiel in Mitterteich, entwickeln. Im Landkreis Neustadt a. d. Waldnaab verteilen sich die Zahlen relativ gleichmäßig, so dass es keinen Unterschied mache, wo man wohnt oder einkauft.

Quarantäne für Heimkehrer?

Müssen die zurückgeholten Urlauber aus aller Welt nach Ankunft in Deutschland in Quarantäne?

"Nach der Verordnung über Quarantänemaßnahmen für Einreisende zur Bekämpfung des Coronavirus vom 9. April 2020 sind Personen, die auf dem Land-, See-, oder Luftweg aus einem Staat außerhalb der Bundesrepublik Deutschland in den Freistaat Bayern einreisen, verpflichtet, sich unverzüglich nach der Einreise auf direktem Weg in die eigene Wohnung oder eine andere geeignete Unterkunft zu begeben und sich für einen Zeitraum von 14 Tagen nach ihrer Einreise ständig dort abzusondern", heißt es auf der Seite des bayerischen Staatsministeriums des Inneren, für Sport und Integration.

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