20.01.2019 - 10:38 Uhr
FlossenbürgOberpfalz

Zoff am Gaisweiher

In die Freizeitanlage am Gaisweiher flossen die vergangenen Jahre 2,4 Millionen Euro. Dementsprechend schmuck präsentiert sich das Areal. Nur bei der Bewirtschaftung des Gasthauses werden Gemeinde und Pächter nicht glücklich.

Wer betreibt künftig die Gaststätte am Gaisweiher? Diese Frage wird wohl fürs Erste vor Gericht entschieden.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Nachdem Thorsten Hoschopf 2016 im Streit mit der Gemeinde das Handtuch geworfen hat, noch bevor er als Pächter das erste Bier gezapft hatte (wir berichteten), kracht es nun erneut mit seiner Nachfolgerin. Der Kommunalservice Flossenbürg, ein Tochterunternehmen der Gemeinde, hat Helene Huber zum 31. Dezember 2018 den Vertrag gekündigt. Der Grund: Huber ist dem Kommunalservice eine fünfstellige Summe schuldig.

Die Pächterin räumt das unumwunden ein, denkt aber nicht daran, zu zahlen oder aufzuhören. Nach wie vor sperrt sie das Gasthaus gemäß der ausgehängten Winteröffnungszeiten auf. "Ich bleibe, und wenn sie mich mit den Füßen voraus raustragen." Huber hat sich einen Anwalt genommen, ebenso wie die Gemeinde. Letzterer hat bei Gericht eine Räumungsklage beantragt, die noch nicht vorliegt.

Ein Vermittlungsgespräch Ende November ist gescheitert. Dabei hat die Kommune nach Aussage von Bürgermeister Thomas Meiler angeboten, Huber aus ihrem fünf Jahre laufenden Pachtvertrag sofort zu entlassen, wenn sie ihre 25 000 Euro Außenstände zahlt. Die summieren sich in der Klage auf 47 000 Euro, weil das Gericht davon ausgehe, dass in einem halben Jahr Bearbeitungszeit eine weitere Summe dazukomme.

Huber ficht das an und führt ein ganzes Bataillon an Geschützen gegen die Kommune auf. Die schießen alle in die gleiche Richtung: Die Kommune habe sie wissentlich über den Tisch gezogen und dann im Stich gelassen. Das beginne beim Pachtvertrag. Den habe sie am 5. Juli 2017 unterzeichnet. Drei Monate später habe man sie mit einem Förderantrag bei der Regierung der Oberpfalz konfrontiert, bei dem es um rund 60 000 Euro für die Ausstattung des Gasthauses geht, für die Huber persönlich hafte.

"Das entsprechende Blatt, wo das mit der Haftung steht, haben die mir wissentlich vorenthalten. Sonst hätte ich das nie unterschrieben, ich wollte mit so etwas wie Förderung und Haftung nichts zu tun haben." Für Flossenbürgs Kämmerin Margit Frauenreuther ist das eine "bodenlose Unterstellung". Den Förderantrag habe die Regierung persönlich an Huber adressiert.

Die Sache ist kompliziert: Es geht um einen Zuschuss über 81 000 Euro bei einer Gesamtinvestition in das Gasthaus von 313 300 Euro. Letztere besteht aus zwei Teilen. Einem über 60 000 Euro für Töpfe, Geschirr, Maschinen und ähnliches für die Pächterin sowie 252 800 Euro für den Kommunalservice, der damit das Gebäude inklusive Bestuhlung auf Vordermann bringt. Von diesen 81 000 Euro ist Huber abrechnungstechnisch verpflichtet, 64 000 an den Kommunalservice abzuführen, der ihr dafür im Gegenzug auf fünf Jahre die Pacht um die gleiche Summe reduziert. "Aber dann haben sie mich gezwungen, die Wohnung im Gasthaus auch noch dazu zu nehmen", ärgert sich Huber. Somit habe sie kaum etwas von der Ermäßigung. Und ab diesem Zeitpunkt, November 2017, habe sie beschlossen, nichts mehr zu zahlen.

Unsinn, kontert Bürgermeister Thomas Meiler: "Sie wollte doch die Wohnung als Sozialraum und Büro." Er und Frauenreuther halten auch andere Aussagen Hubers für hanebüchen: Die Gemeinde habe absichtlich keine Handwerker mehr geschickt, das Geschäftskonto der Pächterin sperren lassen und einen neuen Pächter bereits in petto.

In der Zwischenzeit beklagt Huber via Facebook "Rufschädigung" durch die Gemeinde. Manche kritische Stimmen stammen aber auch von Gästen. Um das Ansehen des Gaisweihers sorgt sich auch Bürgermeister Meiler: Die Anlage sei mit 1,5 Millionen Euro Förderung und fast 900 000 Euro in einen hervorragenden Zustand gebracht worden. Sie komme bei Campern und anderen Feriengästen sehr gut an. "Da ist viel Herzblut der Gemeinde Flossenbürg drin." Da sehe es nicht gut aus, wenn es zum zweiten Mal nicht mit einem Pächter der Gaststätte klappe, wenn auch aus anderen Gründen.

Helene Huber ist seit Juli 2017 Chefin im Wirtshaus am Gaisweiher. Schon seit langem zahlt sie weder Pacht noch Nebenkosten. Die Gemeinde hat ihr deswegen gekündigt. Doch sie denkt nicht daran, das Lokal aufzugeben.

Die Vorgeschichte:

 

 

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