04.09.2020 - 09:29 Uhr
FlossenbürgOberpfalz

Schäfer kämpft gegen Unverständnis

Es ist ein schwieriges Jahr für den Tännesberger Schäfer Thomas Müller, dieses Corona-Jahr 2020. Noch nie hatte er am Schlossberg so massive Probleme mit rücksichtslosen Besuchern des Naturschutzgebietes. Woran das liegt? Er weiß es nicht.

Schäfer Thomas Müller (Zweiter von rechts) weiß Naturpark und Politik hinter sich: Biologin Mathilde Müllner, Bürgermeister Thomas Meiler und der Naturpark-Ranger Heiko Hoffmann (von links). Zwischen Meiler und Müller sieht man einen einjährigen Ahorn, der erahnen lässt, wie schnell der Schlossberg zugewachsen wäre, würden die Schafe die Felslandschaft nicht offen halten.
von Gabi EichlProfil

Das Gebiet rund um den Schlossberg haben schon die Nazis als schützenswert erkannt. 1939 wurden die mehr als 16 Hektar als Maßnahme gegen den zunehmenden Granitabbau unter Schutz gestellt. Der Steinbruch wurde in den sechziger Jahren eingestellt, das Gelände unterhalb der Ruine gilt heute als ein Wahrzeichen des Naturparks Nördlicher Oberpfälzer Wald. Und dass hier seltene, vielfach unscheinbare Pflanzen kleinteilige Refugien finden, hat viel mit der Arbeit Thomas Müllers zu tun und dem Appetit seiner Schafe. Zwar soll natürlich auch der offene Blick auf die Ruine gewahrt bleiben, aber weit wichtiger sei das Offenhalten der Landschaft durch die Beweidung für Flora und Fauna, erläutert die Biologin Mathilde Müllner bei einem Ortstermin mit dem Schäfer, Bürgermeister Thomas Meiler und Naturpark-Ranger Heiko Hoffmann.

"Standorte von hohem Wert"

Müllner unterstreicht mehrmals die große Bedeutung des Naturschutzgebietes, dessen Wert auch die Gemeinde erkannt habe und entsprechend unterstütze. Die offenen Granitfelsen und großflächigen Magerrasen seien besondere Standorte von hohem Wert. Unter anderem seien hier noch viele Flechtenarten anzutreffen, die bereits auf der Roten Liste stünden. Ohne Beweidung sei hier oben zwingend eine äußerst schwierige Mahd und ein jährliches Rückschneiden der aufkommenden Gehölze notwendig, um eine Verbuschung zu vermeiden, die sofort Flora und Fauna verändern würde. Mahd und Rückschneiden haben in den vergangenen Jahren Gemeinde und Naturpark übernommen, nachdem 2007 der damalige Schäfer aufgegeben hatte, weil die Beweidung nicht mehr gefördert worden war. Seit 2018 kümmern sich Müllers Schafe um die Steilhänge, gefördert vom Freistaat, getragen vom Naturparkverein Nördlicher Oberpfälzer Wald.

Unverständnis und Aggression

Heuer allerdings kämpft der Tännesberger Schäfer nicht nur mit dem schwierigen Gelände, sondern auch mit Besuchern der Ruine und Wanderern, die ihm eigenen Worten zufolge derart viele Schwierigkeiten machen, dass er bisweilen um Fassung ringt. Der jüngste Vorfall: Besucher hangeln sich am Weidezaun nach oben, fernab vom regulären Weg, reißen den Zaun über ein ganzes Stück aus der Verankerung mit dem Ergebnis, dass die Schafe aus der Umzäunung ausbrechen. Müller muss seine Schafe dann am ganzen Schlossberg suchen. Ein großes Problem sind Müllers Worten zufolge auch nicht angeleinte Hunde. Ein Schaf hat ein Hund so erschreckt, dass es abgestürzt ist; als Müller es mit gebrochenem Rückgrat fand, konnte er es nur noch erlösen. Spreche er Besucher auf die Probleme an, stoße er heuer nur auf Unverständnis und Aggression. In den vergangenen Jahren sei das vollkommen anders gewesen. „Keine Ahnung, was da heuer los ist, die letzten Jahre waren die Menschen ganz anders“, sagt Müller.

Leinenzwang rechtlich unmöglich

Wie der Bürgermeister erklärt, könne die Gemeinde außerorts am Schlossberg nicht anordnen, dass Hunde angeleint werden müssten. Das sei rechtlich nicht möglich. „Wir können nur appellieren“, sagt Meiler. Gleichzeitig wolle man verstärkt versuchen, den Besuchern die Bedeutung des Lebensraums am Schlossberg und Sinn und Zweck der Beweidung zu erklären. An einer entsprechenden Besucherlenkung und -information durchs Naturschutzgebiet arbeitet der Naturpark.

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