04.08.2020 - 16:45 Uhr
FlossenbürgOberpfalz

Hunde bei Hitze im Wohnmobil: Zögert Polizei Neustadt mit Rettung?

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Vergangene Woche sorgte die Meldung zur Rettung von Hunden aus einem Wohnmobil in Flossenbürg für Aufregung. Nun meldet sich die Retterin zu Wort – und kritisiert das Vorgehen der Polizei Neustadt stark. Doch die weist die Vorwürfe zurück.

Nach ihrer Rettung aus dem Wohnmobil durften die beiden Hunde wieder frische Luft schnappen.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

Es ist ein sonniger Dienstag am 21. Juli, das Thermometer klettert langsam Richtung 26 Grad. Barbara Hartung und eine Bekannte gehen etwas im Museumscafé in Flossenbürg trinken. Als sie auf den Parkplatz zurückkehren, bemerkt Hartung ein Wohnmobil. Trotz der steigenden Temperaturen befinden sich darin zwei Hunde. Bei der Tierliebhaberin schrillen die Alarmglocken, sie ruft die Polizei.

Aus Sicht der Retterin

Bereits am darauffolgenden Tag sorgt die Polizeimeldung zum Vorfall in den Medien für Schlagzeilen. Nun meldet sich die Retterin erneut zu Wort und meint: "Es kann nicht sein, dass sich die Polizei fast vier Stunden Zeit nimmt, um zu helfen." Nun schilderte Barbara Hartung ihre Sicht der Ereignisse in einem Brief an die Redaktion.

Hier gehts zur Polizeimeldung zur Rettung der Hunde aus dem Wohnmobil

Flossenbürg

Nach einer erfolglosen Suche im Museum nach dem Besitzer, rief Hartung gegen 12 Uhr die Polizei zur Hilfe. Über eine Stunde später trafen Beamte der Polizei Neustadt ein. Als die 60-Jährige, die selbst einen Hund hat und im Tierschutz aktiv ist, damit droht die Scheibe einzuschlagen, gaben die Polizisten nach Angaben von Hartung zu bedenken, dass es sich um eine Straftat handeln würde.

Kein Handlungsbedarf für Veterinäramt

Die Beamten kontaktierten das Veterinäramt in Neustadt. Doch das sieht keinen Handlungsbedarf. Ein Hund sei in der Zwischenzeit unter den Tisch gekrochen und war nicht mehr zu sehen. "Sein Gesundheitszustand war damit nicht mehr beurteilbar", sorgte sich Barbara Hartung. Trotzdem blieben die Beamten nach Rücksprache mit dem Amt tatenlos. Für Hartung unvorstellbar: "Das Veterinäramt kann doch keine Ferndiagnosen stellen."

Auf Anfrage von Oberpfalz-Medien ist sich das Veterinäramt keiner Schuld bewusst. Landratsamt Pressesprecherin Claudia Prößl teilt mit: "Das Wohnmobil stand nach Aussage des Polizisten seit einer Stunde dort, die Fenster waren im oberen Bereich geöffnet, ein Hund schlief entspannt, der andere Hund blickte aufmerksam nach draußen. Kein Hund hechelte. Zum Zeitpunkt des Anrufs war der Aufenthalt der Hunde im Fahrzeug demnach rechtskonform." Sollte sich der Zustand der Hunde verschlechtern, hätte erneut Kontakt aufgenommen werden sollen. Dies geschah nicht.

3 Stunden und 45 Minuten bis zur Rettung

Das Wohnmobil stand nach Angaben von Hartung weiter in der prallen Sonne. Kurz vor 14 Uhr – rund zweieinhalb Stunden nach Auffinden der Hunde – hinterließen die Beamten einen Zettel an der Scheibe, dass sich der Besitzer bei der Dienststelle melden solle.

Auf Drängen von Barbara Hartung öffneten die Beamten schließlich ein Fenster des Fahrzeugs, weigerten sich jedoch die Tiere herauszuholen, schreibt sie. Dies übernahm Hartung selbst, welche die Tiere anschließend ins Tierheim Weiden brachte.

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Schwandorf

Auch hierbei konnte sie nicht auf die Hilfe der Beamten zählen, die die Hunde laut Hartungs Aussage nicht im Streifenwagen transportieren wollten. Bis die Tiere wieder frische Luft schnuppern konnten, wären insgesamt etwa 3 Stunden 45 Minuten vergangen. Für Tierliebhaberin Barbara Hartung ist das zögerliche Vorgehen der Polizei absolut unverständlich: "Das ist echt eine Sauerei von der Polizei und vom Veterinäramt".

Polizei weist Vorwürfe zurück

Georg Fritsch, stellvertretender Dienststellenleiter der Polizei Neustadt, kann die Vorwürfe von Barbara Hartung nicht nachvollziehen. "Die Kollegen haben vorbildlich und zügig gehandelt und haben sich nichts vorzuwerfen." Alle Einsätze würden schließlich protokolliert. "Demnach dauerte der Einsatz rund 1,5 Stunden und keine vier. Wir haben da eine ganz andere Sicht." Wie das Vorgehen bei solchen Fällen grundsätzlich ist, könne er nicht sagen, da jede Situation als Einzelfall zu beurteilen sei.

Tierschutzverein eingeschaltet

Claudia Prößl vom Landratsamt Neustadt weist außerdem daraufhin, dass es auch im Sommer nicht automatisch verboten sei, Hunde für eine begrenzte Zeit im Auto zu belassen, wenn die Temperaturen im Fahrzeug es zulassen und dem Hund dabei keine Leiden entstehen würden.

Barbara Hartung hat den Vorfall beim Tierschutzverband Noris aus Nürnberg gemeldet. Auch dieser hat nun genau wie sie selbst Anzeige gegen den Hundehalter wegen einem Verstoß gegen das Tierschutzgesetz erstattet. Außerdem erwägt Hartung eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen das Veterinäramt.

So verharrten die beiden Hunde im Wohnmobil.
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