29.03.2021 - 13:40 Uhr
FlossenbürgOberpfalz

Ab in den Urwald - wenn schon nicht in den Urlaub

Die Bayerischen Staatsforsten laden ein, die neu ausgewiesenen Naturwälder zu besuchen. Der Freistaat überlässt zehn Prozent seines Waldes sich selbst. Das Ergebnis: tote Bäume – mit viel Leben drin.

Naturwald "Drei Felsen" bei Tännesberg.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Willlkommen im Oberpfälzer Urwald. In zehn Prozent der staatlichen Wälder Bayerns wird der Natur ihr freier Lauf gelassen. Im Bereich des Forstbetriebs Flossenbürg entspricht das 367 Fußballfeldern. Sie werden "Naturwälder".

Über den Köpfen der vier Forstleute schwebt ein Waldvogel durch die Wipfel. Große Schwingen. Rotmilan? Kauz? Eule? Uhu? Alles möglich. Die Besonderheit eines "Naturwalds" liegt in der Vielfalt. Forstbetriebsleiter Stefan Bösl, seine Referendare Kilian Müller und Matthias Weig (alle Bayerische Staatsforsten Flossenbürg) und Franz Eichenseer (Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten in Amberg) zeigen, wie ein "Naturwald" aussehen kann. Die Abteilung "Drei Felsen" bei Tännesberg ist ein gut gewähltes Beispiel. Der Bestand an den markanten Gneisfelsen ist über 100 Jahre alt. Vor zehn Jahren wurden die dreieinhalb Hektar komplett aus der Nutzung genommen. Totholz bleibt drin. Nur dringend notwendige Maßnahmen zur Verkehrssicherung und zum Waldschutz sind erlaubt, natürlich auch zur Borkenkäferbekämpfung.

Das Ergebnis ist beeindruckend ursprünglich, wild. In Spalten einer abgestorbenen Buche leben Fledermäuse. Am Holz klebt ein Zunderschwamm, mit Löchern, in denen Käfer hausen. Diese wiederum sind Nahrung für Vögel. Schwarzspechte klopfen sich hier Höhlen, in die - nach deren Auszug - die seltene Hohltaube einzieht. "Pilze, Flechten, Käfer, Insekten, Vögel: Ein Drittel der Arten ist auf Totholz angewiesen", sagt Eichenseer. "Hier sieht man, wie alles miteinander verbunden ist."

Manchen ist's zu wenig "aufgeräumt"

Es hat nicht jedem gefallen, dass ausgerechnet die Bayerische Staatsforsten ihren Wald nicht mehr "aufräumt". "Der Deutsche mag's einfach gern ordentlich", sagt Forstbetriebsleiter Bösl. Das Konzept der "Naturwälder" müsse erklärt werden und soll daher "erlebbar" sein. Sprich: Besucher sind ausdrücklich willkommen. Anders als bei Nationalparks, wo Wegegebot gilt, sind die "Naturwälder" zugänglich.

"Im Bayernatlas kann jeder schauen: Ist bei mir ein Naturwald in der Nähe? Kann ich den besuchen?", erklärt Forstreferendar Kilian Müller. In Bayern gibt es sechs große Naturwaldflächen und daneben eine Vielzahl an "Trittsteinflächen", wie etwa die Abteilung "Drei Felsen" bei Tännesberg.

262 Hektar - das entspricht der Fläche von 367 Fußballfeldern - werden vom Forstbetrieb Flossenbürg der natürlichen Waldentwicklung überlassen. Hierzu zählen inbesondere die Naturwaldreservate Schlosshänge bei Waidhaus und Stückberg im Revier Schönsee. 2023 ist die "Deadline", in Flossenbürg hat man das Soll schon fast erfüllt.

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Hintergrund:

Die "Naturwälder"

Im Dezember 2020 trat die Bekanntmachung "Naturwälder in Bayern" in Kraft. Der Freistaat weist bis 2023 auf zehn Prozent seiner Waldflächen "Naturwälder" aus. Das Vorhaben hat seinen Ursprung im Versöhnungsgesetz zum Volksbegehren "Rettet die Bienen". 80 Prozent der 790 Quadratkilometer sind schon ausgewiesen, die größten sechs "Naturwälder" sind:

  • in der Rhön
  • im Steigerwald
  • an den Auen entlang der Donau
  • an den Isarauen
  • an der Weltenburger Enge
  • bei der Basilika Vierzehnheiligen bei Lichtenfels

 

 

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