13.09.2021 - 11:00 Uhr
FlossOberpfalz

Halbleiterkrise nimmt Autozulieferer im Landkreis Neustadt/WN in die Zange

Wegen fehlender Mikrochips können Automobilhersteller Tausende Fahrzeuge nicht produzieren. Doch in der langen Lieferkette leiden auch noch andere Firmen unter den Auswirkungen.

Nexans autoelectric beliefert die Autoindustrie mit Kabelsätzen. Die Halbleiterkrise macht auch dem Unternehmen mit Sitz in Floß zu schaffen.
von Thorsten Schreiber Kontakt Profil

Seit Monaten sind Mikrochips Mangelware. Ohne Halbleiter bewegt sich aber kein Auto mehr. Die Hersteller können weit weniger Fahrzeuge bauen als geplant. In weiterer Folge bedeutet das für Zulieferer ebenfalls weniger Produktion oder gut gefüllte Lager. Wir haben uns bei einigen Betrieben im Landkreis Neustadt umgehört.

  • Nexans autoelectric GmbH

In Floß stellen rund 500 Mitarbeiter der Nexans autoelectric GmbH Kabelsätze für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, Elektroautos, Bordnetze und Sicherheitskomponenten her. Das Unternehmen ist "zu 100 Prozent Automobilzulieferer", sagt eine Sprecherin. Obwohl die Produkte selbst keine Mikrochips enthielten, sei die Firma dennoch indirekt über die Autobauer betroffen. Bestellungen seien zurückgefahren worden, weil die Hersteller aktuell schauen müssten, für welche Modelle Material verfügbar sei. Weil sich die Situation nahezu wöchentlich ändere, müsse die Nexans autoelectric GmbH "sehr flexibel sein" und reagiere auch dementsprechend. Aktuell liege die Produktion 20 Prozent unter der normalen Kapazität, erklärt die Sprecherin. "Der Fertigwarenbestand steigt, wir halten aber auch Kapazitäten frei, damit wir wieder durchstarten können, wenn sich die Lage wieder ändert."

Wegen der Halbleiterkrise habe es keine Kurzarbeit gegeben und es sei auch keine geplant. Im ersten Halbjahr 2021 habe Nexans autoelectric sogar eine Umsatzsteigerung von elf Prozent gegenüber dem Vorkrisenhalbjahr 2019 eingefahren. Für das zweite Halbjahr sei eine Prognose schwierig, die Situation werde sich jedoch "wahrscheinlich negativ auf die Umsatzerwartung" auswirken. Wie lange das Mikrochip-Problem noch dauere, sei ebenfalls schwer zu sagen.

  • Schulte & Schmidt Leichtmetallgießerei GmbH

Die Schulte & Schmidt Leichtmetallgießerei GmbH ist mit der Fertigung von Aluminiumkomponenten zu "80 Prozent von der Automobilindustrie abhängig", informiert Werner Grau, Teamleiter im Kunden- und Auftragscenter. Im Werk in Flossenbürg sind 225 Mitarbeiter beschäftigt, in Vohenstrauß 70. Die Auftragsbücher seien voll, die Bestellungen würden aber derzeit immer wieder verschoben. "Die Welle wird immer höher", sagt Grau. Die Produktion müsse weiterlaufen, viele Teile könnten aber nicht verkauft werden, geplanter Umsatz komme nicht. Dies mache die Planung für die kommenden Wochen und Monate sehr schwierig.

Bis März habe das Geschäft noch angezogen, im April seien dann die Auswirkungen der Halbleiterkrise extrem zu spüren gewesen. Personelle Konsequenzen gebe es jedoch nicht, betont Grau. Im Gegenteil: Da die Zentrale in Nürnberg Ende des Jahres schließe, kämen Maschinen unter anderem nach Flossenbürg, wo das Personal dann gebraucht werde. Allerdings sei erneute Kurzarbeit nicht auszuschließen. Der Teamleiter vermutet, dass die Chipkrise kein kurzfristiges Phänomen sein werde, sondern mindestens bis Ende 2022 dauern könnte. "Aber so genau weiß es keiner."

  • BaS Kunststoffverarbeitung GmbH

Ludwig Bauriedl, Seniorchef der BaS Kunststoffverarbeitung GmbH in Eslarn, prognostiziert für Anfang 2022 keine rosigen Aussichten. "Im Frühjahr soll die Situation noch schärfer werden", meint er. Aber: "Schuld ist die Autoindustrie selber. Warum hat sie alles nach Fernost ausgelagert?" Dank einer breiten Kundenstreuung sei das Unternehmen von der Halbleiterkrise nicht ganz so stark betroffen, Kurzarbeit sei deswegen kein Thema. Die rund 150 BaS-Mitarbeiter fertigen unter anderem Kunststoffkomponenten für die Automobilindustrie. Dies mache rund 30 Prozent der Produktion aus, erklärt Bauriedl. Der Absatz in diesem Geschäftsbereich sei jedoch um 50 Prozent zurückgegangen.

Branchenexperten sehen wachsende Risiken für Zulieferer

Deutschland & Welt
Fehlende Elektronikchips und Halbleiter behindern die Autoproduktion nach wie vor. Das macht sich auch bei Zulieferbetrieben im Landkeis Neustadt bemerkbar.
Nexans autoelectric beliefert die Autoindustrie mit Kabelsätzen. Die Halbleiterkrise macht auch dem Unternehmen mit Sitz in Floß zu schaffen.
Hintergrund:

Autozulieferer in der Region

  • Nexans autoelectric GmbH: circa 500 Mitarbeiter in Floß, zu 100 Prozent Zulieferer der Autoindustrie
  • Schulte & Schmidt Leichtmetallgießerei GmbH: 225 Mitarbeiter in Flossenbürg und 70 in Vohenstrauß, zu 80 Prozent von Autoindustrie abhängig
  • BaS Kunststoffverarbeitung GmbH: circa 150 Mitarbeiter in Eslarn, zu 30 Prozent Zulieferer der Autoindustrie

"Schuld ist die Autoindustrie selber. Warum hat sie alles nach Fernost ausgelagert?"

Ludwig Bauriedl, Seniorchef der BaS Kunststoffverarbeitung GmbH in Eslarn

 

 

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