29.11.2020 - 10:11 Uhr
FlossOberpfalz

Floß: Burg oder nicht Burg, das ist hier die Frage

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Der Flosser Hausberg, der Haselstein, ist ein geschichtsträchtiger und geheimnisvoller Ort. Ein Förderverein hat viele Geheimnisse gelüftet und ist nun selbst Geschichte.

Dank der Nachforschungen des Fördervereins steht fest, dass es ab Ende des 16. Jahrhunderts auf dem Haselstein tatsächlich einmal eine Burg gab.
von Thorsten Schreiber Kontakt Profil

Ob auf dem Haselstein im Waldgebiet zwischen Floß, Flossenbürg und Plößberg tatsächlich eine Burg stand, war bei Heimatfreunden und -forschern in der Region seit Jahrzehnten sehr umstritten. Bei Recherchen über die Burg Flossenbürg stieß Stefan Krapf vor einigen Jahren "zwangsläufig auf den Haselstein". Mit Gleichgesinnten gründete er 2011 daher den Förderverein Haselstein, dessen Vorsitzender er war. Die Gemeinschaft hat sich jedoch vor einigen Wochen aufgelöst.

Vereinszweck erfüllt

Zweck der Gründung war damals, den letzten sichtbaren Mauerrest der Burgruine zu erhalten. Die Sanierung startete 2012 und war 2013 beendet. Die Maßnahme lief über den Förderverein, erklärt Krapf. Dafür gab es diverse Fördermittel, unter anderem vom Markt Floß. Mit Abschluss der Arbeiten und mit der 2019 veröffentlichten zweiten Auflage von Krapfs Buch "Die zwei Leben des Haselstein" hat sich der "Vereinszweck mehr als erfüllt", findet der Flossenbürger.

Es war eine schöne Zeit, aber jetzt ist alles geklärt.

Stefan Krapf über die Auflösung des Fördervereins Haselstein

Stefan Krapf und seine Mitstreiter erforschen den Haselstein

Floss

Zuletzt waren es 30 Mitglieder, davon ein "harter Kern von 8 bis 10". Alle waren mit Begeisterung dabei, die Geschichte des Haselsteins und einer möglichen Wehranlage zu erforschen. Dank der Recherchen ist nun bekannt, dass es tatsächlich eine Burg gegeben hat und wie groß sie ungefähr war. "Es war eine schöne Zeit, aber jetzt ist alles geklärt", sagt Krapf. Ein kleiner Kreis wird sich aber nach wie vor um Pflege- und Instandsetzungsmaßnahmen kümmern.

Jahrhunderte des Verfalls

In seinem Buch beschreibt Krapf die Sanierung: "Nach Jahrhunderten des Verfalls war der letzte sichtbare Burgmauerrest am östlichen Felsen vom Absturz bedroht. (...) Während der Arbeiten stellte sich heraus, dass sich hinter dem unscheinbaren Mauerrest ein mit Steinen und Mörtel ausgemauerter Turmsockel von ehemals circa sieben Metern Durchmesser verbarg. Das Bauwerk bestand jedoch nur noch teilweise und zeigte sich zudem durch Wurzeln einer großen Buche stark geschädigt. Während an der Nord- und Westseite die Außenkontur des Gebäudes noch vorhanden war, blieb ansonsten nur noch das Füllmauerwerk des Sockels übrig. Seiner massiven Bauweise ist es zu verdanken, dass überhaupt Reste die Zeit überdauert haben. Schwächeres Gemäuer, besonders wenn es sich auf Felsen befindet, geht oft verloren ohne Spuren zu hinterlassen."

Darüber hinaus beschäftigt sich das Buch detailliert mit Flora, Fauna und den geologischen Besonderheiten des Haselsteins. Und natürlich mit der Geschichte. Schon der bekannte Oberpfälzer Volkskundler Franz Xaver von Schönwerth hatte in seinem Werk „Aus der Oberpfalz – Sitten und Sagen“ (1857 bis 1859) eine Burg auf dem Haselstein erwähnt. Mittelalterliche Fundstücke, die Krapf ebenfalls akribisch aufführt, untermauern die These, dass es vermutlich ab Ende des 16. Jahrhunderts dort eine Burg gab.

"Wie bei jeder Burg ranken sich auch um das alte Gemäuer des Haselstein viele Sagen", denen Krapf ebenfalls Raum bietet. "Die Geschichten handeln von verwunschenen Geistern, Raubrittern, einer weißen Frau, verborgenen Schätzen und geheimen Gängen."

Legendäre Waldfeste

Ein weiteres Kapitel ist den legendären Haselstein-Waldfesten gewidmet, die um 1862 erstmals erwähnt sind. Damals kam die regionale Sängerbewegung zu ihrer „ersten vollen Blüte“, in der Zeit wurden auch der Liederkranz Floß und Gesangverein Plößberg gegründet.

Folgende Anekdote dazu hat der Flossenbürger ausgegraben: "Bei einem Sängerfest entstand einst ein heftiger Streit zwischen Gästen aus Floß und Plößberg, wessen Hausberg der Haselstein eigentlich sei und wer dort die ersten und größten Feste veranstaltet habe. Man einigte sich darauf, dass die Ruine dem Ort zugesprochen werden solle, welcher am folgenden Sonntag vom Jägerhäuschen aus am besten zu sehen sei. Für den Fall, dass keine der beiden Ortschaften zu erkennen wäre, werde die kürzeste Verbindung zum Haselstein als ausschlaggebend vereinbart. Da die Sicht nach Floß von Bäumen verdeckt war, glaubten sich die Plößberger schon sicher am Ziel. Die Flosser wollten sich jedoch mit der im betrunkenen Zustand getroffenen Vereinbarung nicht zufrieden geben und erbauten innerhalb von wenigen Tagen einen Aussichtsturm, welcher über die Wipfel der Bäume reichte und den Blick nach Floß ermöglichte. Da der 'Scheiterberg' die freie Sicht nach Norden stört, mussten sich die Plößberger schließlich geschlagen geben. Bereits im folgenden Jahr haben die beiden Orte wieder fröhlich miteinander gefeiert und das Panorama vom neuen Turm genossen."

Hoher Aufwand

Der Erste Weltkrieg beendete jedoch den Reigen der Veranstaltungen, erst Anfang der 1950er Jahre kam es zu einer Wiederbelebung, weiß Krapf. Der OWV Floß hielt zwischen 1952 und 1954 drei Haselsteinfeste, an denen bis zu 1000 Besucher teilnahmen. Der hohe organisatorische Aufwand wegen des mitten im Wald gelegenen Geländes bedeutete jedoch bald das endgültige Aus der Feierlichkeiten.

"Mit dem Ende der großen Festveranstaltungen schwand in den 1960er Jahren allmählich das Interesse am Haselstein, und auch den Sagen schenkte man kaum noch Beachtung. Zur Jahrtausendwende wurde dem historischen Ort schließlich jegliche Geschichte abgesprochen und in einer Werbebroschüre über den Markt Floß fand lediglich die 'Felsenformation Haselstein' Erwähnung", schreibt Krapf in seinem Buch.

Ein Mal gab es trotzdem noch ein Waldfest: Am 4. Oktober 2009 präsentierte Krapf die erste Auflage von „Die zwei Leben des Haselstein“. Auch eine Informationstafel wurde enthüllt. Die rund 150 Gäste kamen aus Floß, Flossenbürg, Plößberg, Weiden, Neustadt/WN und Tirschenreuth. "Ein Bus-Fahrdienst musste etliche Extratouren einlegen, um die Besucher über die Forststraße bis zur Abzweigung zum Haselstein zu bringen." Eine Chorgemeinschaft aus den Gesangvereinen Flossenbürg, Plößberg, Schönkirch und Plankenhammer begleitete die Feier.

"Die zwei Leben des Haselstein" als E-Book

Hintergrund:

Lohnendes Wanderziel

Für eine Wanderung auf den Haselstein gibt es verschiedene Routen:

  • ab Parkplatz beim kleinen Gaisweiher,
  • ab Parkplatz bei Konradsreuth,
  • ab Parkplatz Dreihöf,
  • ab Parkplatz St. Ötzen.

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