16.07.2021 - 15:55 Uhr
FichtelbergOberpfalz

Ausstellung über Steinsägebetriebe: Vor dem Vergessen gerettet

Der Museumsverein Fichtelberg erarbeitete während der Corona-Zwangspause eine neue Ausstellung. In einer rekonstruierten Werkstatt lassen sie den Steinsägebetrieb neu aufleben.

altes Werk - jetzt Museo Foto: vor der Werkstatt, nachgebaut, wie sie früher war Das Gebäude, aus dem das „Museo“ entstand Das Gelände - Aufnahme aus dem Jahr 1956
von Gisela KuhbandnerProfil

Steinreich wurden sie nicht, aber steinig war der Berufsweg der Arbeiter am Steinsägebetrieb, ihr Handwerk schweißtreibend, geprägt von harter Arbeit. Die tonnenschweren Steine wurden im Steinbruch unterhalb des Ochsenkopfes von Hand herausgebrochen, mittels einer Holzkarre und einem Vierspänner abtransportiert und durch Flaschenzüge, die mit Handkurbeln betrieben wurden, in das Gebäude geschleppt. Das ländliche Fichtelgebirge hat viele Hundert Jahre vom Eisenerzabbau und den Steinsägebetrieben gelebt.

Damit die bewegende Geschichte mit ihrem Wissen, den Mühen, dem Talent und der alten bewundernswerten Technik nicht in Vergessenheit gerät, hat der Museumsverein Fichtelberg den Lockdown und die damit verbundene Schließung der Hallen des Deutschen Fahrzeugmuseums Fichtelberg genutzt und in der Halle II einen neuen Ausstellungsbereich zum Thema "fränkische Technik-Steinsägebetriebe" für Besucher geschaffen, der den Mitgliedern unermüdlichen Einsatz, und erstaunliche Kreativität abforderte.

Historische Dampfmaschine

Dabei wurde eine historische Werkstatt nachempfunden, die die Arbeit innerhalb des letzten Jahrhunderts zeigt. Die historische Werkstatt wurde darüber hinaus mit Infotafeln ergänzt, die maßgeblich auf die historische Steinsäge und Dampfmaschine eingehen, die sich im Gelände befindet und die die letzte Steinsäge dieser Art in der ganzen Region darstellt. Nun wurde die historische Dampfmaschine renoviert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Innerhalb des Förderprogramms "Soforthilfe Heimatmuseen" wurde zudem ein barrierefreier Zugang zu der Ausstellungshalle geschaffen und somit das Angebot für Gehbehinderte erweitert.

Constantin Eckert, zuständig für die Jugendarbeit im Museumsverein, hat einige Fakten aus der Werkstatt-Geschichte zusammengestellt: 1847 gegründet als Granit- und Syenit-Werk für die Grün-Porphyr-Steinbruchbetriebe des Unternehmers Wilhelm Scharf, diente die mit bis zu einem Meter dicken Granitquadern erbaute Halle der Unterbringung der Steinsägen-Anlage sowie der dazugehörigen Dampfmaschine mit ihren Transmissionen. Die Firma war darauf spezialisiert, grünen Fichtelgebirgs-Porphyr zu verarbeiten. Dieses Gesteinsvorkommen ist weltweit einzigartig und kommt nur im Fichtelgebirge vor. Die meist mehrere Tonnen schweren Gesteinsblöcke wurden dann durch Handkurbel betriebene Flaschenzüge in das Gebäude geschleppt. Danach wurde der Stein in tagelanger Sägearbeit, durch ein Holzbleuel angetriebenes Sägemesser und Schleifsand, unaufhörlich kreischend, langsam durchtrennt.

Halle für Sonderausstellungen

1975 wurde der Betrieb der Steinsäge eingestellt und das Gebäude als Depot für Kaolin genutzt. Später diente es als Außenlager für den Bauhof der Gemeinde Fichtelberg. Mitte der 1980er Jahre verfiel die Halle zusehends. Der gesamte Dachstuhl war durch Wind, Wetter und starke Schneelast fast gänzlich zerstört. 1994 übernahm die Familie Eckert den Besitz samt Gebäuden und strukturierte die ebenfalls auf dem Grundstück befindliche Ziegelhalle aus dem Jahre 1920 in eine weitere Museums-Halle um: Die jetzige Halle II, die hauptsächlich für Sonderausstellungen dient. 1998 wurde damit begonnen, nach und nach die Granitsteinhalle mit den Steinsägen zu restaurieren. Alle Baracken und baufälligen Hütten wurden abgerissen. Die ganze Aufmerksamkeit wurde den beiden, noch voll funktionsfähigen und jetzt restaurierten Steinsägen aus der Jahrhundertwende gewidmet. Sie sind einmalig in ganz Deutschland.

Über Jahre hinweg wurde die alte Steinhalle mit viel persönlichem Engagement und Liebe renoviert. 2007 entschloss sich die Familie Eckert dazu, das Gebäude einem völlig neuen Zweck zuzuführen. Entstanden ist das mehrräumige Restaurant "Museo" mit Café-Terrassen und Biergarten, ein Ausflugsziel, das, zusammen mit dem Deutschen Fahrzeugmuseum Fichtelberg, einen großartigen Einblick in die Vergangenheit und die Industriegeschichte der Region ermöglicht. Mit der Ausstellung werde die regionale Bedeutung und Geschichte der hiesigen Steinsägebetriebe dauerhaft für das Publikum erhalten, freut sich Perry Eckert, Vorsitzender des Museumsvereins. Für Bürgermeister Sebastian Voit ist die Ausstellung eine enorme Bereicherung für die Fichtelgebirgsgemeinde.

Erinnerungen an die "Krautsabl-Gmoi" in Kemnath

Kemnath
Bereicherung für die Region Von links: Bürgermeister Sebastian Voit, Mitglied des Museumsvereins e. V. Andreas Korentzke, Constantin Eckert und Perry Eckert
Service:

Museum Fichtelberg

  • Öffnungszeiten: Dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr, während der Ferienzeiten zusätzlich montags geöffnet.
  • Kontakt: Bei Fragen zu Führungen: Telefon 09272/9710 oder E-Mail an info[at]amf-museum[dot]de .
  • Infos auf der Homepage
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.