26.07.2021 - 21:24 Uhr
FensterbachOberpfalz

Zehnjähriger aus Fensterbach entdeckt Riesenfossil

Paul Jakob entdeckt die versteinerte Flosse eines seit 100 Millionen Jahren ausgestorbenen Riesenfisches. Der Fund wird von Wissenschaftlern diskutiert – auch, weil er darauf hindeutet, dass das Tier wohl doppelt so groß war wie vermutet.

Die rund 50 Zentimeter lange Brustflosse ist momentan im Jura-Museum in Eichstätt ausgestellt.
von Julian Seiferth Kontakt Profil

Solnhofen im Altmühltal ist ein kleines Mekka für Fossiliensammler. Berühmt wurden die Steinbrüche rund um das mittelfränkische Dorf vor allem für ihre Archaeopteryx-Funde, die mit dazu beigetragen haben, die evolutionäre Lücke zwischen Dinosauriern und Urvögeln zu schließen. Nun gibt es einen neuen Fund, dieser könnte das Verständnis einer längst ausgestorbenen Fischwelt verändern. Der Entdecker ist der elfjährige Paul Jakob aus Fensterbach.

Die Geschichte, deren Teil Paul Jakob eines Tages werden sollte, beginnt vor rund 150 Millionen Jahren, eine Zeit, als Bayern noch unter der Oberfläche eines Tropenmeeres lag. Teil dieser längst verlorenen Welt war Asthenocormus giganteus, ein Monster von einem Fisch. Seine Lebensweise ähnelte der eines heutigen Walhais, er trieb langsam auf der Suche nach Plankton durch das Wasser.

Buchstäblich gestolpert

Über seine Größe gibt es unterschiedliche Meinungen, erklärt die Paläontoligin Christina Ifrim: „In unseren Breiten haben wir bisher fast nur Fossilien gefunden, die auf eine Länge von rund zwei Metern hindeuten. Wir wissen aber, dass es in anderen Regionen deutlich größere Funde gab.“ Ifrims Erklärung: Im heute europäischen Teil des tropischen Meeres seien verstärkt Jungtiere und kaum ausgewachsene Fische unterwegs gewesen.

Im Sommer vergangenen Jahres ist es der damals zehnjährige Paul Jakob, dessen Entdeckung diese Annahme in Frage stellen sollte. Es ist eine Tour, wie Paul sie mit seinem Vater seit Jahren unternimmt. „Als ich sieben Jahre alt war habe ich zum ersten Mal Fossilien beim Spaziergang gefunden.“ Im Sommer 2020 schließlich stolpert Paul Jakob buchstäblich über Asthenocormus giganteus' rund 50 Zentimeter lange Brustflosse: "Ich bin über eine Steinplatte gelaufen, die komisch aussah. Weder mein Vater noch der Aufseher wussten, was es damit auf sich hat und so durfte ich das Fossil mitnehmen."

Fünf statt zwei Meter

Der damals Zehnjährige schreibt kurz darauf eine Mail an Martin Röper, der in der Gegend Fossilien erforscht. Röper ist der Erste, der die Bedeutung des Fundes und besonders der Größe der Flosse erkennt, erinnert sich Paul Jakob: "Er sagte mir sofort, dass das der erste Nachweis dafür ist, dass der Fisch diese Länge erreichen konnte."

Die Brustflosse, die Paul Jakob an diesem Nachmittag im Sommer 2019 findet, ist deutlich größer als bisher entdeckte Spuren des Knochenfisches. „Das Tier“, rechnet Ifrim vor, „muss rund fünf Meter lang gewesen sein.“ Christina Ifrim kennt die Knochenfische, sie leitet das Juramuseum in Eichstätt, wo das Fossil eines rund zwei Meter langen Jungtieres ausgestellt ist. Sollte die Flosse tatsächlich zu Asthenocormus giganteus gehören, wäre der dazugehörige Fisch rund doppelt so groß wie die bisher gefundenen Artgenossen. "Das ist schon ein Wahnsinns-Fund."

Auch die von Paul Jakob entdeckte Flosse steht in Eichstätt, sie ist Teil der Sonderausstellung „Hammerfunde! Fossiliensammler und ihre Schätze“, für die das Museum sowohl selbst Anfragen gestellt als auch Bewerbungen entgegengenommen hat. „Paul war der jüngste unter denen, die sich selbst beworben haben“, erinnert sich Ifrim.

Wird das Hobby zum Beruf?

Die Bewerbung ist ein Indiz für die Leidenschaft, die Paul Jakob für die Paläontoligie, also die Wissenschaft der Lebewesen aus der erdgeschichtlichen Vergangenheit, hegt. Der Steinbruch in Solnhofen fasziniert Paul Jakob dabei ebenso wie das Hobby an sich. „Du weißt nie, was du findest. Mal hast du Pech, mal findest du einen Flugsaurier.“ Oder eben die Überreste eines riesigen Fisches. „Die Artenvielfalt des Jura, aber besonders die Funde in Solnhofen sind unglaublich“, sagt der Elfjährige. „Mein Traum ist es, mein Hobby zum Beruf zu machen.“

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Neben dem Ausstellungsstück findet sich auch eine Kurzbiographie des Entdeckers, Paul Jakob,
Hintergrund:

Der Jura: Die Zeit des Asthenocormus giganteus

  • Der Jura bezeichnet eine erdgeschichtliche Periode die zwischen 201 und 145 Millionen Jahre alt ist.
  • Diese Zeitspanne ist weiterhin unterteilt in den Unterjura (die älteste Periode), den Mitteljura sowie den Oberjura (die jüngste Periode).
  • Wichtigste und häufigste Leitfossilien im Jura sind die Ammoniten. Diese entfernten Verwandten der heutigen Tintenfische zählen zu den häufigsten Wirbellosen dieser Zeit.
  • Man findet häufig in der Schwäbischen Alb, der Fränkischen Alb sowie in den Alpen.
  • Der Jura war die erste Blütezeit der Dinosaurier.
  • Auch der „Urvogel“ Archaeopteryx wurde in Gesteinsschichten des Jura gefunden, bislang ausschließlich auf der Fränkischen Alb, insbesondere bei Solnhofen und Eichstätt.
  • Aus dem Jura stammt der Fund eines Fossils in China, das als das älteste jemals entdeckte Säugetier-Fossil gilt. Hadrocodium wui war ein winziges, rund zwei Gramm schweres Lebewesen von der Größe einer Büroklammer.
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