09.09.2021 - 12:08 Uhr
FalkenbergOberpfalz

Trockene Sommer bringen Genossenschaft Tirschenreuth in rote Zahlen

Nach 25 Jahren nahm Anette Kraus Abschied von der Trocknungsgenossenschaft Tirschenreuth. Für die Treue bedankten sich Vorstandsvorsitzender Alois Riedl (links) und Aufsichtsratsvorsitzender Rudolf Schmid (rechts).
von Werner RoblProfil

Es klingt zwar paradox, ist aber Fakt: Die vor über 50 Jahren gegründete Trocknungsgenossenschaft Tirschenreuth ächzt unter der Trockenheit. Der zahlenmäßige Beweis für 2019 und 2020 in Form roter Zahlen wurde bei der Generalversammlung geliefert.

„Die Vorjahre waren schlecht“, verwies Aufsichtsratsvorsitzender Rudolf Schmid aus Naab bei Bärnau im Kramerstodl Falkenberg auf das "wenig gute" Ergebnis in den von Niederschlagsmangel geprägten Jahren. Den Verlust im Geschäftsjahr 2019 bezifferte Schmid auf 47.773 Euro. Ein Minus in Höhe von 15.341 Euro weist die Gewinn- und Verlustrechnung für das Jahr 2020 aus. Einstimmig wurden die Abschlüsse genehmigt.

„Die Niederschläge reichten nicht aus, um die Defizite in der Natur und beim Grundwasser auszugleichen“, verdeutlichte der Vorsitzende der Genossenschaft, Alois Riedl aus Netzstahl. Die durch die Dürre geringe Ausbeute an Material führte zu einem Rückgang beim Trockengut: 2019 lag das Jahresergebnis bei nur 6474 Dezitonnen, 999 weniger als im Vorjahr. 2020 steigerte sich die Menge nur wenig auf 8410 Dezitonnen.

Für das regenreiche Jahr 2021 zeichnet sich jedoch Besserung ab: „Es schaut gut aus“, sagte der Vorsitzende. Zahlen untermauern die Tendenz: Allein von Mai bis Ende August 2021 produzierte die Genossenschaft in der Anlage in Tirschenreuth rund 10.400 Dezitonnen Trockengut. Für ein Zurücklehnen reiche das aber noch nicht, vertrat Aufsichtsratssprecher Rudolf Schmid die Auffassung, dass es Probleme gebe, über die man offen sprechen müsse. Hier nannte er besonders die höheren Ausgaben für Gas und Strom. Die in diesem Jahr bereits erhöhten Trocknungsgebühren würden wohl nicht reichen, machte er auf die Belastung durch die Kohlendioxid-Steuer aufmerksam. Zu schaffen machen der 322 Mitglieder starken Genossenschaft auch die laufenden Instandhaltungskosten für die Produktionsanlage. „Alles wird teurer. Das wird auch uns belasten.“

Schmid ließ keinen Zweifel darüber aufkommen, dass die Erzeugerpreise auf den genossenschaftlichen Prüfstand kommen werden. „Ich möchte nichts unter den Tisch kehren. Wir stehen sonst mit dem Rücken zur Wand“, beleuchtete er den Kostenanstieg und die dadurch erforderlichen Preisangleichungen. Wichtig wären eine deutliche Ertragserhöhung auf den Feldern und eine bessere Produktionsauslastung.

Mit Blick auf den Mehrpreis für die hergestellten Futtermittel-Cobs sprach Vorstandsvorsitzender Alois Riedl von einer unumgänglichen Entscheidung. Die Betriebsauslastung sei zwar derzeit positiv. „Aber wir müssen die Einbußen ausgleichen. Es wäre schön, wenn wir dazwischen einen Gewinn erwirtschaften könnten.“ Kostensenkend würde sich eine derzeit noch nicht vorhandene Bio-Gasanlage auswirken. Genossenschaftsmitglied Josef Schmidt aus Erbendorf-Grenzmühle sprach von einer „Win-Win-Situation“, falls man von dort Wärme beziehen könnte.

„Der Selbsthilfeeinrichtung wünsche ich gutes Wetter, landwirtschaftliche Kraft und eine glückliche Hand“, sagte der Zweite Bürgermeister der Stadt Tirschenreuth, Peter Gold, in einem Grußwort. Erfolgreiche Jahre wünschte auch der Zweite Vorsitzende des Maschinenrings Stiftland, Matthias Wittmann.

Nachgeholt wurden die Ergänzungswahlen für den Aufsichtsrat und das Vorstandsgremium für die Jahre 2019 und 2020. Heike Lehner aus Bach bei Windischeschenbach wurde einstimmig in das Vorstandsgremium berufen. Für das Amt kandidierten auch Bernhard Härtl aus Gumpen und Marco Frank aus Schwarzenbach. Fabian Medick aus Kothingenbibersbach und Hermann Schuller aus Zirkenreuth übernahmen ebenfalls Ämter im Vorstand. Den Vorsitz im Aufsichtsrat behielt Rudolf Schmid.

Verabschieden musste sich die Genossenschaft von der langjährigen Assistentin des Vorstandes, Anette Kraus, die sich beruflich verändert. „Sie hielt uns 25 Jahre lang die Treue und immer den Rücken frei“, sagte Alois Riedl.

2018 feierte die Genossenschaft 50-jähriges Bestehen

Falkenberg
Nach den Ergänzungswahlen sind Vorstand und Aufsichtsrat wieder komplett. Das Bild zeigt die in der Versammlung anwesenden Nominierten (von links) Hermann Schuller, Marco Frank, Fabian Medick, Rudolf Schmid und Heike Lehner. Zur Wahl gratulierte Vorstandsvorsitzender Alois Riedl.

 

 

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