26.08.2021 - 11:23 Uhr
Fahrenberg bei WaldthurnOberpfalz

Protest der Waldbesitzer: Kommt der Trailpark am Fahrenberg erneut unter die Räder?

Eine Mountainbike-Region wünschen sich die elf Bürgermeister von "Naturparkland Oberpfälzer Wald e.V.". Das Projekt soll mit einer Machbarkeitsstudie vorangebracht werden. Der Weg gestaltet sich aber steinig: Kritik wird laut.

Mountainbiken auf Trails ist zur Trendsportart geworden. Auch im Landkreis Neustadt/WN sollen nun attraktive Routen entstehen.
von Christine Walbert Kontakt Profil

Mit einer "Mountainbike-Region Naturparkland mit Schwerpunkt Trailpark Fahrenberg" wollen die Bürgermeister der elf Kommunen im "Naturparkland Oberpfälzer Wald e.V." einen Mehrwert für die Gegend schaffen. Eine Machbarkeitsstudie der Firma RideTime GmbH soll klären, welche Wertschöpfung sich daraus ergeben könnte. Die Ergebnisse wurden im Juli bei einer Versammlung mit den Bürgermeistern der elf Kommunen bekanntgegeben. Die Gemeindechefs zeigten sich sehr zufrieden und wollen das Projekt weiter vorantreiben. Die Pläne stoßen jedoch nicht überall auf Zustimmung – wie bei der Jahreshauptversammlung der Waldbesitzervereinigung (WBV) Eslarn-Vohenstrauß kürzlich deutlich wurde. WBV-Vorsitzender Hans-Peter Lang bringt es auf den Punkt: "Es rumort ganz schön." Schon allein die Kosten für Beratung und Planung in Höhe von 40 000 Euro sorgen für Gesprächsstoff.

Wie Lang auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien erklärt, habe er in der Versammlung in Vohenstrauß bei seinen Mitgliedern ein Meinungsbild einfangen wollen: "Diese Studie kursiert mittlerweile überall. Es herrscht Unruhe unter den Jägern und Waldbesitzern." Hauptkritikpunkt sei, dass die Ersteller der Machbarkeitsstudie entscheidende Personengruppen und Verbände offensichtlich nicht schon im Vorfeld mit ins Boot geholt hätten. Die "emotionale, aber vernünftig geführte Diskussion" habe ein eindeutiges Stimmungsbild ergeben: "Die Mitglieder sehen das sehr kritisch. Es gibt eigentlich keinen, der dafür ist."

Das sagt der WBV-Chef

Der Chef der Waldbesitzer (und Ehemann der stellvertretenden Bürgermeisterin Pleysteins, Andrea Lang) gibt zu, dass das Projekt bestimmt auch positiv zu bewerten sei, vor allem im Hinblick auf den Tourismus. "Aber ich bin Waldbauer, der das kritisch sieht. Vor allem wenn mit den Betroffenen nicht geredet wird", so Lang. Man hätte die Planer darauf hinweisen müssen, dass ein ähnliches Vorhaben am Fahrenberg vor rund zehn Jahren schon einmal gescheitert ist. Sein Hauptargument: Die Waldbesitzer seien angehalten, den Wald auch beim geforderten Umbau soweit es geht "in Ruhe zu lassen". In dieses Konzept passe keine Mountainbike-Region: "Die Radfahrer dürften dann aber schon kreuz und quer durch den Wald fahren."

Das sagt der betroffene Landwirt

Die Hauptakteure, die Bayerischen Staatsforsten, die Grundstücksbesitzer am Fahrenberg und auch die Jägerschaft, werden in der Studie mehrfach erwähnt. Allerdings sei die Initiative zum Gespräch laut den Betroffenen von ihnen selbst ausgegangen. Wolfgang Riedl, einer der drei direkt betroffenen Landwirte aus Bibershof und gleichzeitig Jagdvorsteher in dem Gebiet, betont im Gespräch mit Oberpfalz-Medien: "Mit uns ist nicht geredet worden. Wir Landwirte sind im Vorfeld nicht mit einbezogen worden und haben dann gefragt, was denn eigentlich geplant ist." Sein Hof werde in der zehnten Generation bewirtschaftet. Seit er denken könne, bestehe das Wegerecht am Fahrenberg, das er nutzen müsse, um seine Felder und Wiesen am Lift entlang erreichen zu können. "In der Erntezeit fahren wir drei Landwirte da täglich oft zehn bis 15 Mal hin und her", erklärt Riedl.

Er könne und werde keinesfalls auf dieses Wegerecht verzichten. Die in der Studie vorgeschlagene "Ampel-Lösung" sei nicht praktikabel. Die Idee der Planer: Der Landwirt nimmt vor jeder der Querung der Trail-Strecke am Fahrenberg per Smartphone Kontakt mit dem Liftpersonal auf. Durch ein Ampelsystem wird die Überquerung geregelt. Die Biker müssen so lange warten. Der junge Landwirt merkt dazu an: "Mein Vater hat nicht mal ein Handy." Er befürchtet, dass sich die Mountainbiker nach drei bis vier Abfahrten auf den verschiedenen Trails am Fahrenberg alternative Strecken suchen werden. Das Thema Verkehrssicherheit und die Haftungsproblematik machen ihm schwer zu schaffen: "Auch wenn der Lift nicht läuft, sind wir doch bei einem Unfall dann die Schuldigen."

Der geplante Single-Trail Richtung Pleystein verläuft laut Riedl auf einem Wanderweg, der von Fahrenberg-Pilgern gern genutzt werde. Hier seien Schwierigkeiten vorprogrammiert. Eine weitere Sorge des Landwirts: "Heuer war im Winter durch die vielen Schlittenfahrer sehr viel los auf dem Fahrenberg. Wir mussten danach extrem viel Müll auf den Wiesen wegräumen." Das Problem werde sich durch den Trail-Park verschärfen. Auch auf die Gefahr hin, dass die "bösen Landwirte wieder einmal als Buhmänner" dastehen würden, durch die das Projekt nach 2010 vermutlich ein zweites Mal "sterben" werde, könne er mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg halten: "Das werden wir dann aushalten müssen."

Das sagt der Forstrevierleiter

Die Waldflächen am Fahrenberg befinden sich unter der Obhut der Bayerischen Staatsforsten. Stefan Bösl, Forstrevierleiter in Flossenbürg, meint auf Anfrage von Oberpfalz-Medien: "Wir werden uns dem Gesamtprojekt nicht ganz verschließen können, aber der Umfang ist uns in diesem Entwurf zu groß." Alle drei geplanten Trail-Zentren Nord (Silberhütte), Mitte (Fahrenberg) und Süd (Stückberg) werde man von Seiten der Bayerischen Staatsforsten nicht unterstützen. Der Forstexperte gibt zu bedenken, dass sich am Stückberg in Eslarn ein Naturreservat befindet: "Hier hat der Naturschutz Vorrang." Bösl sei für eine gezielte Planung mit Maß und Ziel, die die Holzwirtschaft und die Waldentwicklung berücksichtigt.

Das sagen die Jäger

Christian Ertl, Vorsitzender der Kreisgruppe Vohenstrauß im Bayerischen Jagdverband, hat eine klare Meinung: "Selbstverständlich steht jedem Erholungssuchenden – unter Berücksichtigung des Tier- und Naturschutzes – das Recht auf Natur zu. Hauptleidtragende sind wie immer unsere Wildtiere, die aufgrund unserer gesteigerten Freizeitaktivitäten immer mehr zur Nachtaktivität gezwungen werden und somit für Waldbesucher nicht mehr erlebbar und für Jäger nur noch schwer bejagbar sind."

Zurückgedrängt in immer kleiner werdende Ruhezonen würden zwangsweise Verbiss-Schäden an Forstkulturen durch Reh- und Rotwild steigen. "Im Hinblick auf die Afrikanische Schweinepest und steigende Schwarzwildschäden in der Feldflur, wird auch die Bejagung des Schwarzwildes durch steigende Beunruhigung immer schwieriger und erforderliche Drück- und Treibjagden sind in traildurchzogenen Revieren schon alleine aus Sicherheitsgründen kaum noch durchführbar. Ob derart stark betroffene Reviere zukünftig dann in der bisherigen Form noch bejagbar beziehungsweise verpachtbar sind, wird sich zeigen."

Das sagen die Planer

Oberpfalz-Medien hat die Verantwortlichen der Machbarkeitsstudie mit den Aussagen der Kritiker konfrontiert. Robert Rieger und Lukas Spießl von RideTime GmbH aus Treuchtlingen reagieren mit einem schriftlichen Appell: "Nach der erfolgreichen Präsentation des aktuellen Standes der Machbarkeitsstudie Mitte Juli befindet sich diese in finaler Prüfung durch das Koordinationsbüro UMS Stadtstrategien sowie der Bürgermeister der 11 Freunde. Inhalt der Studie ist eine grundsätzliche Prüfung der lokalen Gegebenheiten. Wo würde es sich lohnen, etwas umzusetzen und in welcher Ausprägung wäre dies grundsätzlich möglich. Somit sind die Inhalte der Machbarkeitsstudie reine Vorschläge und stellen eine informative Diskussionsgrundlage für zukünftige Planungen da. Genaue Absprachen mit allen Grundstückseigentümern und Stakeholdern sind nicht Teil der Studie und unseres Auftrages. Ein konstruktiver, intensiver Austausch über das Vorgeschlagene ist in weiteren Schritten zwingend notwendig, um das Mountainbiken in lokale Strukturen zu integrieren."

Weiter heißt es in dem Schreiben: "Deswegen: Liebe Jäger, OWV, Grundstücksbesitzer sowie Interessierte an der Weiterentwicklung Ihrer wunderschönen Region, es gibt keinen Grund zur Beunruhigung. Nichts ist in Stein gemeißelt. und keine Strecken und Touren, die Inhalt der Machbarkeitsstudie sind, befinden sich in der Umsetzung. Wir haben jetzt die Chance, gemeinsam an der Umsetzung zu arbeiten. Diese gemeinsame Arbeit ist unser absoluter Wunsch und Teil unseres Selbstverständnis als Infrastruktur-Planer. Genau durch diesen kooperativen Prozess lassen sich jetzt bereits im Vorfeld Ihre Wünsche, Bedenken berücksichtigen und einarbeiten."

"Wir entschuldigen uns hiermit für sämtliche Verwirrungen und wünschen uns einen Diskurs miteinander anstatt übereinander." Gemeinsam könne zukunftsorientiert und auch nachhaltig an der Attraktivität der Region gearbeitet werden. "Meinungsverschiedenheiten gehören hier dazu, jedoch sind Sie, liebe Bewohner des Naturparklandes die, die am meisten von dem Projekt profitieren sollen. Denn dieses Projekt ist wie es von den Bürgermeistern, UMS Stadtstrategien sowie der RideTime GmbH erdacht wurde, ein Projekt von Menschen für Menschen."

Mountainbike-Region im Naturparkland Oberpfälzer Wald

Vohenstrauß

Machbarkeitsstudie für MTB-Trail auf dem Fahrenberg

Fahrenberg bei Waldthurn

In Erbendorf ist der Trail beschlossene Sache

Erbendorf
Info:

Mountainbike-Region Naturparkland Oberpfälzer Wald

  • Machbarkeitsstudie „Mountainbike-Region Naturparkland mit dem Schwerpunkt Trailpark Fahrenberg“. Auftraggeber: Naturparkland Oberpfälzer Wald e.V.. Koordinierungs- und Planungsbüro: UMS Stadtstrategien (Leipzig), Bearbeitung: RideTime GmbH (Treuchtlingen)
  • Zone Nord (Floß, Flossenbürg, Silberhütte, Georgenberg): Fokus auf Gaisweiher, Lösung Schellenberg und Kooperation Silberhütte.
  • Zone Mitte (Leuchtenberg, Pleystein, Vohenstrauß, Waidhaus): Zentral der Trailpark Fahrenberg mit zwei Übungsparcours, Uphill-Strecke für E-Biker, Flowtrail und leichte Endurostrecke für Anfänger und Familien, Jumpline für Könner und langjährige Biker, Trailabfahrten nach Pleystein und Vohenstrauß, Erweiterungen über "Shared Trails" in angrenzende Gemeinden.
  • Zone Süd (Eslarn, Moosbach, Tännesberg): Tourennetz rund um die Pfreimd. In Eslarn ist eine Runde über das Wildgehege sowie Stückberg in Kombination mit dem Atzmannsee geplant. Am Atzmannsee soll ein Übungsgelände entstehen.
  • Investitionsvolumen (mit Personalkosten) insgesamt rund 960 000 Euro.
  • Die Bestandsaufnahme startete im Januar. Gespräche mit lokalen Kennern und Multiplikatoren der Mountainbike-Szene, Sportlern und kommunalen Ansprechpartner sollten Teil der Recherchen sein. Zusätzlich wurde eine Online-Umfrage vorgenommen. Workshops mit Vertretern der Region sollten das künftige Profil abrunden.
Diesen Weg mitten durch die Abfahrt am Fahrenberg müssen im Sommer drei Landwirte aus Bibershof befahren, um zu ihren Wiesen und Feldern zu gelangen. Das Wegerecht besteht seit vielen Jahrzehnten.

 

 

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