03.05.2020 - 12:53 Uhr
EtzenrichtOberpfalz

Posaunenchor wird 70 Jahre alt

Für den Posaunenchor Etzenricht-Rothenstadt sollte es ein Festjahr werden. Das 70. Jubiläum fällt nun zunächst stiller aus als geplant. Ein Rückblick zeigt, wie schwer sich die Gründer einst taten.

Der Posaunenchor Etzenricht stellt sich etwa 1952 zu einer raren Aufnahme zusammen: Albert Bäumler, (stehend von links), Karl Weidner, Albert Weidner, Hauptlehrer Georg Röder, Fritz Bruckner, Hans Schätzler und Hans Riebel, (kniend von links) Otmar Ordner und Theo Schätzler.
von Autor WLRProfil

Vor 70 Jahren wurde der Posaunenchor urkundlich gegründet. Dieses Jubiläum wollten die Bläser heuer im Zuge der 750-Jahr-Feier der Gemeinde Etzenricht begehen. Seit vielen Monaten verbringt Sieglinde Weidner ihre Zeit damit, die Geschichte des Posaunenchores Etzenricht-Rothenstadt zu Papier zu bringen. Chorleiter Reinhold Spitzkopf, Chorobmann Gerhard Spitzkopf und die Chormitglieder beschäftigten sich damit, besondere Akzente während des Jubiläumsjahres zu organisieren.

Das Geburtsjahr begonnen haben der Posaunenchor und die Gemeinde gemeinsam zu Silvester am Kirchberg. Im Januar fand zudem das Abschlusskonzert der Teilnehmer der Bläserfreizeit in der katholischen Nikolauskirche in Etzenricht statt, bei dem über 80 Mitwirkende die Kirche zum Klingen brachten.

Zu dieser Zeit hieß es noch, dass sich der Posaunenchor schon sehr auf die verschiedenen Veranstaltungen und Festgottesdienste im Jubiläumsjahr freue. Ganz besonders glücklich machte die Chormitglieder die Zusage, im Juli bei einem Festgottesdienst in der Frauenkirche in Dresden spielen zu dürfen. In der derzeitigen Lage mit Covid-19, steht aber das Vorhaben in den Sternen - wie auch die weiteren Feiern in diesem Jahr. Sieglinde Weidner gibt einen Einblick in die zusammengetragenen Daten zur Geschichte der Bläser.

Erster Anlauf vor dem Krieg

Die Wurzeln des Posaunenchores reichen in die 1930er Jahre zurück, als der Rothenstädter Organist, Oberlehrer Joseph Reisinger anfing, einen Posaunenchor zu bilden. Jedoch verhinderte dies der Krieg, und es dauerte bis zum Sommer 1950, bis unter der Leitung des Etzenrichter Hauptlehrers Georg Röder die ersten Übungsstunden des jungen Posaunenchors in Etzenricht begannen. Als Chorobmann stellte sich damals Pfarrer Helmut Hückmann zur Verfügung.

Die Anfänger probten im ersten Stock des alten Schulhauses so fleißig, dass sie bereits beim Gottesdienst zum Erntedank 1950 in Etzenricht das erste Mal „Nun danket alle Gott“ spielen konnten.

Wie schwierig die Beschaffung von Instrumenten und auch Noten war, zeigen die vielen Briefe, die Pfarrer Hückmann damals an verschiedenste Institutionen schrieb, mit der Bitte, den jungen Chor zu unterstützen. Hans Schätzler, Zeitzeuge der ersten Stunde, erinnert sich, dass einige von den Chormitgliedern schon früh mit den Noten vertraut waren, denn sie hatten bei Pfarrer Hückmann das Flötenspiel gelernt.

Der Pfarrer übernimmt

Nach drei Jahren Chorobmann des Posaunenchors übernahm Pfarrer Hückmann im Jahr 1953 den Dirigentenstab. Schon 1955 schaffte er es, auch in Rothenstadt eine Bläsergruppe aufzubauen. Die ersten Chormitglieder waren Dieter Bock, Hermann Bock, Winfrid Kranz, Heinz Lehner, Harry Sczepurek und Otto Strobel. Sie probten im Pfarrhaus, sehr zum Leidwesen der Kinder von Pfarrer Hückmann, denn die hatten ihr Schlafzimmer nebenan und sollten eigentlich schlafen.

Fusion mit Rothenstadt

Die „Rothenstädter“ spielten anfangs einige Jahre alleine. Als Dieter und Hermann Bock zum Studium und auch Heinz Lehner später weggingen, nahm Pfarrer Hückmann die restlichen Bläser mit nach Etzenricht zum Proben. Der Posaunenchor Etzenricht-Rothenstadt war geboren. Zu den Proben traf man sich immer Montags in Etzenricht und das hat sich bis heute nicht geändert.

Ein Glücksfall war die Patenschaft durch den Posaunenchor aus Lauf a.d. Pegnitz. Die Laufer, 1904 gegründet und zweitältester Posaunenchor Bayerns, halfen über so manche bürokratische Hürde und versorgten den jungen Chor mit Noten für die ersten Märsche. Diese liebevoll gepflegte Patenschaft führte zu vielen Freundschaften zwischen Familien.

Kinder der Gründer steigen ein

Der Chor zählte bald über 30 Mitglieder. Zu den Etzenrichter und Rothenstädter Bläsern gesellten sich Mitspieler aus Maierhof und Ullersricht und in den 60er Jahren wurde aus dem reinen Männerchor ein gemischter Chor. In den 1970er Jahren begannen die ersten Kinder der Gründungsmitglieder ihre „Posaunenchor-Karriere“. Im Jahr 1975 übergab Pfarrer Hückmann den Dirigentenstab an Fritz Heiß, der ab 1979 den Chor ganz unter seine Leitung nahm.

Das Wirken des Posaunenchors ist nach wie vor fest mit dem Kirchenjahr verbunden. Tradition hat dabei für den Posaunenchor Etzenricht-Rothenstadt immer noch das Konzert-Spielen am Nachmittag des 4. Advent vor dem Rathaus in Etzenricht, zusammen mit der Blaskapelle und dem Gesangverein. Am gleichen Tag abends folgt dann vor, oder in der katholischen Kirche in Rothenstadt, nochmals ein mehr oder weniger großes Konzert.

2007, also nach 30 Jahren, übergab Fritz Heiß, der für seine langjährige Tätigkeit besondere Ehre erfuhr und im Jahr 2008 zum Ehrenchorleiter ernannt wurde, den Dirigentenstab an Fritz Wieder, der als Kirchen- und Kapellenmusiker ein perfekter Nachfolger war. Im Jahr 2017 wurde der Dirigentenstab von Fritz Wieder an Reinhold Spitzkopf weitergegeben, der bis heute das hohe Niveau seiner Vorgänger hält.

Der Bezirksposaunenchor spielt in Etzenricht

Etzenricht
1970 treffen sich die Musiker auf dem Kirchberg in Etzenricht: Reinhold Spitzkopf (von links), Albert Weidner, Fritz Heiß, Helmut Spitzkopf, Helmut Bruckner, Karl Prechtl, Theo Schätzler, Hans Schätzler, Pfarrer Helmut Hückmann, Otto Strobel, Wilhelm Häupl, Hans Beutner, Oswald Jakob, Albert Bäumler, Ingeborg Jakop, Hans Zahner, Fritz Bruckner, Fritz Wieder.
Gemeinsames Musizieren, um Gott zu preisen und die Menschen mit den Klängen zu erfreuen: Der Posaunenchor im Jahr 2008 beim Weihnachtssingen in der katholischen Kirche in Rothenstadt.
Zahlreiches Publikum findet sich auch alljährlich bei der Serenade in Etzenricht, die im Jahr 2019 auf dem neuen Dorfplatz stattfand und bei der auch die Bläser und Bläserinnen des Posaunenchors wieder mit viel Beifall belohnt wurden.
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