10.07.2020 - 12:28 Uhr
EtzenrichtOberpfalz

750 Jahre Etzenricht: Virus zerstört zwei Jahre Vorarbeit

Manche Gelegenheiten bieten sich nur alle 50 Jahre. Wenn man sie dann nicht nutzen kann, ist das bitter. So wie im Fall der Gemeinde Etzenricht, die gerne ein Jubiläum mit Pauken und Trompeten gefeiert hätte.

Das Plakat bleibt, aber dahinter verbergen sich keine Feste, Konzerte, Theateraufführungen und Kommersabende. Bürgermeister Martin Schregelmann tut es leid, dass nahezu alle geplanten Veranstaltungen zum Gemeindejubiläum der Coronagefahr zum Opfer fallen.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Ein Jahr lang wollte Etzenricht auf einen halbrunden Geburtstag anstoßen. Vor 750 Jahren wurde "Aechswinreuth" erstmals erwähnt. Dass dies ein Grund ist, jeden Monat des Kalenders so voll wie noch nie mit Festen, Kulturveranstaltungen oder Brauchtum zu spicken, sollte eine Broschüre verkünden. 12 000 Exemplare hat die Gemeinde drucken lassen. Die Heftchen hätten im ganzen Landkreis und in Weidener Geschäften verteilt werden sollen. "Das kann man jetzt alles einstampfen", seufzt Bürgermeister Martin Schregelmann.

Neue Dorfchronik

Dabei hatte das Jubiläumsjahr gut angefangen - mit einem großen Feuerwerk und dem Neujahrsanblasen des Posaunenchors, gefolgt vom bekannten Schwarz-Rot-Gold-Ball, den die drei Parteien des Gemeinderats gemeinsam ausrichten. Zudem liegt eine neue Dorfchronik vor, die alle Aspekte des Ortslebens in Vergangenheit und Gegenwart auf 315 Seiten beleuchtet. Sieben Autoren und Gestalter haben daran Monate mit dem Material Dutzender Helfer gearbeitet.

Die Investition hätte durch den Verkauf des Buchs finanziert werden sollen. Doch die öffentlichkeitswirksame Präsentation des Schmökers mit Heimatminister Albert Füracker beim Kommersabend am 21. März fällt aus.

Arbeit von zwei Jahren dahin

Gleiches gilt für das dreitägige Dorffest im Juni, die Serenade mit den "Dolci Signori", das Fischerfest, den Hobbykunstmarkt der Frauen-Union, den Algunder Abend, den Auftritt der "Südtiroler Spitzbuam" und die zum Jubiläum geschriebene Theateraufführung, bei der die Laienspieler aus Etzenricht und der Patengemeinde Algund gemeinsam auf der Bühne gestanden wären. Daneben wären alle Traditionsveranstaltungen zum Jubiläum etwas prächtiger, aufwendiger, ungewöhnlicher ausgefallen.

Und nun Corona. "Das hat zwei Jahre Vorplanungen zerstört", erklärt Schregelmann. "Eins zu eins kann man das nächstes Jahr nicht nachholen." Aber wie dann? "Die Überlegungen laufen", sagt der Bürgermeister. Regulär wäre das alle zwei Jahre stattfindende Dorffest 2022 wieder angesetzt. Möglicherweise hänge sich die Gemeinde aber 2021 an das Jubiläum "Fünf Jahre Edeka-Markt" mit dran. Dort spielen im Zelt auf dem Parkplatz am 5. Juni die "Rotzlöffl". Schregelmann würde dazu auch gern die "Südtiroler Spitzbuam" holen.Wenn man nur wüsste, ob, wann und in welcher Form nächstes Jahr gefeiert werden kann. Ins Blaue wollen die Gemeinderäte nicht planen. "Für Prospekte, Banner usw. haben wir bereits über 5000 Euro ausgegeben", sagt der Rathauschef. "Zum Glück hat unser Vereinskartell Rücklagen aus dem letzten Dorffest, da ist nicht alles ausgezahlt worden." Eines aber will Schregelmann auf jeden Fall nachholen: Bei einem ökumenischen Gottesdienst hätte eine neue Bürgermeister-Amtskette gesegnet werden sollen. Etzenricht hatte so eine Insignie bislang noch nicht. "Da finden wir einen Termin, das gute Stück wird ja nicht kaputt." Bis zur 800-Jahr-Feier soll es aber nicht dauern.

Die neue Etzenrichter Ortschronik

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Vergebliche Werbung für die 750-Jahr-Feier

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Mehr zur bekannten Hobbykunstausstellung

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Die Geschichte des Beutner-Hoffests

Hintergrund:

Immer am letzten September-Sonntag steigt in Etzenricht eines der bekanntesten Feste im Ort, wenngleich es eine Privatveranstaltung der Familie Beutner ist. Die feiert an diesem Tag rund um den markanten Hof in der Kurve zur Hauptstraße nicht nur, wie aus regionalem Gemüseanbau kulinarische Köstlichkeiten werden, sondern auch das Dorfleben mit Musik, Zoigl und Wein aus dem Burgenland. "Spätestens als das Oktoberfest in München abgesagt wurde, war mir klar, dass wir heuer nichts machen können", sagt Hans Beutner. An der Tradition will er aber weiter festhalten: auf ein Neues im Jahr 2021. (phs)

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