23.12.2020 - 17:17 Uhr
EtzelwangOberpfalz

Schloss Neidstein und Corona-konforme Krippe

Nirgends kann Konrad Gebert aus Etzelwang besser abschalten, für viele Stunden Sorgen ausblenden als in seiner Werkstatt. Seit rund 30 Jahren baut er Weihnachtskrippen. Heuer sogar Corona-taugliche.

von Leonhard EhrasProfil

Der gelernte Schlosser ist inzwischen in Rente und hat so mehr Zeit für sein Hobby. Ein unerschütterlicher Ehrgeiz spornt ihn an, auch schwierige Details zu meistern. So realisiert er neben den Weihnachtskrippen profane Modelle in maßstabsgetreuer Nachbildung: Schloss Neidstein, den Goglhof oder das alte Fachwerkgehöft in Ermhof.

1990 hatte Konrad Gebert einen Kurs bei den Krippenfreunden Vilseck und Umgebung belegt. Dort sammelt er auch heute noch im Kreise Gleichgesinnter Erfahrungen, gewinnt und bringt neue Erkenntnisse ein. Sein Wissen gibt er selbst bei Krippenbaukursen weiter. Bei diversen Ausstellungen, unter anderem im Landratsamt in Amberg, wurden seine Exemplare ob der erstaunlichen Präzision und Detailtreue stets bewundert. Große Mühe wendet er bei Auswahl und Verwendung des Materials auf. Das Mauerwerk formt er mit Styrodur. Wobei es ihm gelingt, wenn es das Original vorgibt, das unebene und unterschiedlich gebrochene Natursteinmauerwerk frappierend exakt nachzubilden. Fachwerk, Fenster bestehen aus Holz, oft aus altem wurmstichigen Gebälk, um auch möglichst naturgetreu zu wirken. Gitter, Tore oder Geländer gestaltet er mit Blechen oder Eisenteilen, Dachrinnen aus Kupfer. Die Wetterfahnen sind beweglich.

Eigene Technik

Für die Dächer hat er seine eigene Technik entwickelt. Mit einer speziellen Schere formt er die eine Seite der Styrodurstreifen in Wellenlinien, so dass die Nachbildung des ziegelgedeckten Daches wie echt wirkt. Seine Gebäude beleben selbstverständlich Figuren und Tiere. Werkzeuge en miniature dürfen nicht fehlen. Leiterwagen, Schubkarren mit Holzrädern und viele andere Details bereichern die Bauten. Selbstverständlich sind die Modelle beleuchtet. Seine Figuren, von denen er viele selbst schnitzt, kleidet er mit Stoffen und Leder.

Rund 50 Weihnachtskrippen in allen Größen hat Konrad Gebert bislang erschaffen.

Neben den beliebten Herbergen im alpenländischen Stil schuf er vereinzelt orientalische Modelle. Eine Leidenschaft hat er auch für Miniaturen: die Heilige Familie in einem Baumschwamm oder unter einer durchsichtigen Käseglocke. Der 69-Jährige hat Geduld und eine ruhige Hand. Stundenlang tüftelt er oft an einem Projekt. In Krippen in der üblichen Größe investiert Gebert rund 200 Stunden, für größere Exemplare die doppelte Zeit oder auch mehr.

Heilige Familie in der Kirche

Sein Nachbau eines Gotteshauses besticht durch technische Raffinessen. Gebert lässt in dieser Kirche die heilige Familie erscheinen. Durch einen kleinen Motor öffnet sich die Pforte und Maria, das Jesuskind im Arm, und Josef treten aus dem Kirchenraum heraus und drehen sich zum Betrachter um. Eine Spieluhr lässt dazu „Stille Nacht, heilige Nacht“ erklingen. Obendrein zieht noch eine Mesnerin an einem Seil, welches die Glocke oben zum Schwingen bringt. Dreht sich die heilige Familie wieder um und verschwindet in der Kirche, schließt sich das zweiflügelige Tor. Der Auftritt von Maria, Josef und dem Jesuskind wiederholt sich viermal, ehe die Musik verstummt.

Passionsgeschichte als Projekt

Gebert, der als nächstes Projekt ein großes Panorama über die gesamte Passionsgeschichte plant, hat inzwischen ein Problem: Er hat kaum noch Platz für seine vielen Krippen. Ideal wäre es, wenn er einen leerstehenden ehemaligen Verkaufsraum in Etzelwang oder in der Nähe für eine ständige Ausstellung nutzen könnte.

So würden seine verschiedenen Krippen gebührende Beachtung finden: das Modell von Schloss Neidstein mit einer Grundfläche von drei mal zwei Metern, aber auch die große Kirche mit den beweglichen Figuren.

Mehr über das Hobby von Konrad Gebert

Etzelwang
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.