31.05.2021 - 17:55 Uhr
EslarnOberpfalz

Maiprozessionen: Gänge durch Land und Flur

Auch wenn in diesem Maimonat alle Flurumgänge abgesagt werden mussten, lohnt es sich an die traditionellen Prozessionen zu erinnern. Denn sie stehen für alte Bräuche und sind auch mit Kulturdenkmälern verknüpft.

Im Jahr 2002 führten die Prozession durch die Fluren noch zu den außerhalb vom Ort liegenden Kapellen.
von Karl ZieglerProfil

Die Gläubigen in den katholisch geprägten Gemeinde machten sich traditionell alle Jahre im Mai zu sogenannten Bittgängen auf den Weg, verweilten zum Gebet an örtlichen Kapellen und beteten um eine gute Ernte, besseres Wetter und allgemein um die Früchte der Erde. Doch seit dem Vorjahr ist alles ganz anders, die Pandemieauflagen machten traditionelle Umzüge regelrecht unmöglich und das schlechte Wetter schlägt vielen Menschen zusätzlich aufs Gemüt. So musste auch die Flurprozession am Pfingstmontag abgesagt werden.

Bitten um gute Ernte und Wetter

Seit 511 beten die Gläubigen bei Flurumgängen in Fürbitten um eine gute Ernte und besseres Wetter. Das Brauchtum der Bittgänge ist in der katholischen Kirche wie die Maiandachten gerade in den ländlichen Regionen erhalten geblieben. Gleichzeitig wird bei den Bittgängen nicht nur an die religiöse und bodenständige Tradition, sondern auch an die zahlreich in Eslarn befindlichen Kapellen erinnert.

Die Sakralbauten entstanden aus dem tiefen Glauben heraus, zum Dank für ein gesundes Leben oder zur Erinnerung an Angehörige oder Geschehnisse in der Vergangenheit. Nach dem Weltkrieg ließ Pfarrer Johann Wagner mit den Franziskaner Schwestern vom damaligen Kloster "Elisabethenheim" die Flurprozessionen wieder aufleben und lud dazu die Bevölkerung ein. Die sehr gut besuchten Flurumgänge führten früher auf nicht befestigten Wegen, unter anderen durch sogenannte Hohlwege, die sich aufgrund der jahrhundertlangen Nutzung mit Fuhrwerken und Vieh, sowie durch abfließendem Regenwasser gebildet hatten.

Nach den Prozessionen versammelten sich die Bittgänger zum Wettersegen in der Pfarrkirche. Die Tradition der Bittgänge bewahrte auch Pfarrer Erwin Bauer. Gemeinsam mit Kindern und Erwachsenen führte die Prozession zur Andachtskapelle "Maria-Hilf" am Bühl, die 1900 von der Familie Kleber "Döinsn" erbaut wurde, und auf dem Rückweg zur Pfarrkirche durch einen erhaltenen Hohlweg. Weitere Ziele waren die 1935 von der Familie Schwindler (Regerwertl) am Büchelberg und die 1988 von der Familie Forster (Stummerl) am Steinboß erbauten Kapellen.

Viele Kapellen verschwunden

Zu den ältesten Sakralbauten gehört die Friedhofs- und Gedächtniskapelle, die bereits 1612 existierte, durch Brände in Mitleidenschaft gezogen, später abgerissen und 1922 wieder aufgebaut wurde. Zudem bereichern die 1866 erbaute und 1983 neu errichtete Dorfkapelle in Bruckhof, die 1903 erbaute und 1983 erneuerte Dorfkapelle in Thomasgschieß und die 1975 durch den Heimatverein "Eisendorf und Umgebung" am Goldberg erbauten Kapellen die Gemeinde. Die Antoniuskapelle wurde 2006 durch die Familie Lang am Atzmanngelände und eine Holzkapelle 2004 durch Lorenz Dostler in Kreuth erbaut. Da im Mittelalter den Glaubenskämpfern weitere Kapellen zum Opfer gefallen sind, erinnern nur Flurnamen wie "Kapellenacker und "Kapellenwiese" an verschwundene weitere kleine Gotteshäuser.

Info:

Maiandachten in Eslarn

- Nach dem Krieg wurden die Flurprozession von Pfarrer Johann Wagner, der von 1934 bis 1966 Pfarrer in Eslarn wirkte, wieder eingeführt

- Die Prozessionen wurden von Pfarrer Hugo Wagner fortgeführt (1966 bis 2003) und ab 2003 bis heute von Pfarrer Erwin Bauer

- Abwechselnd fanden an und zu allen privat unterhaltenen Kapellen in Eslarn Maiandachten oder Flurprozessionen statt.

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