10.02.2021 - 12:36 Uhr
EslarnOberpfalz

Kinderspielplatz am Atzmannsee in Eslarn noch nicht ausdiskutiert

Mit einer Spiele- und Badelandschaft soll das Gelände rund um den See aufgewertet werden. Bei der Standortfrage favorisieren die Fraktionen im Eslarner Marktrat unterschiedliche Lösungen. Die Fronten scheinen verhärtet.

Die SPD-Fraktion favorisiert für einen neuen Kinderspielplatz den Standort direkt neben den Tennisplätzen (vorne rechts) und die CSU- und FWG-Fraktion den Nichtschwimmerbereich (hinten links).
von Karl ZieglerProfil

Über den Bedarf einer familienfreundlichen Spielelandschaft sind sich die drei Marktratsfraktionen grundsätzlich einig. Nur der Standort führt zu unterschiedlichen Meinungen. Die SPD-Fraktion favorisiert an der Freizeitanlage Atzmannsee eine Spiel- und Badelandschaft im vorderen nördlichen Bereich, direkt neben den Tennisplätzen. CSU und FWG möchten den Nichtschwimmerbereich im nordwestlichen Seebereich mit Attraktionen ausbauen. Gleichzeitig wünschen sie sich im Kurparkbereich eine Aufwertung des Kinderspielplatzes und des Kneippbeckens für alle Generationen.

Im Dezember 2020 stimmte die Mehrheit im Marktrat aufgrund gestiegener Mehrkosten um rund 100.000 Euro gegen die geplante Spiel- und Badelandschaft und seither schlägt dieses Thema politisch hohe Wellen. Die Fraktionen begründen ihre Ablehnung mit Alternativen und ihre Zusage mit verschiedenen Standorten.

Fördergelder in Aussicht

"Ich kann die ablehnende Haltung im Marktgemeinderat nicht nachvollziehen, zumal keine realistischen Alternativen für ein gleichwertiges Angebot vorhanden sind", stellte Bürgermeister Reiner Gäbl fest. Die Spiel- und Badelandschaft an der Freizeitanlage Atzmannsee sei laut Gäbl der Lieblingsort der Eslarner und wurde zur Leader-Förderung vorgestellt. Sowohl Standort als auch Konzept fanden im Beisein einer hochkarätig besetzten Kommission einhellige Zustimmung. Im qualifizierten Auswahlverfahren zur Leader-Projektförderung wurde ein Zuschuss von 200.000 Euro in Aussicht gestellt.

Auch Eltern und Kinder im Kindergarten und in der Grundschule wurden in die Planungen mit eingebunden. "Der Marktgemeinderat hat 2019 mit großer Mehrheit zugestimmt", erinnerte Gäbl. In der geplanten Badelandschaft könnten kleinere und größere Kinder in ihren jeweiligen Badebecken plantschen, sich am neuen Kinderspielplatz mit Klettergerüst und Röhrenrutsche austoben und am Fitness-Parcours die Gesundheit stärken. Vorgesehen sind ein Leuchtturm, ein Adlerhorst, ein Ruhefelsen und eine Vogelnestschaukel. Zudem seien vor Ort bestehende Strukturen wie Duschen, Toiletten, Kiosk, sowie weitere umliegende Freizeitmöglichkeiten bereits vorhanden. Die Anlage kann vom Kiosk aus eingesehen werden und biete für alle Generationen ein Angebot.

Der Betrieb sei so nachhaltig ausgelegt, dass er neben den üblichen Unterhaltungskosten zu keinen weiteren finanziellen Risiken führt. Die Kosten seien überschaubar, sagte Gäbl. Und im Vergleich zu den Anlagen in den Nachbargemeinden sogar noch wesentlich geringer.

Jeder andere Standort würde bei vergleichbarem Angebot weit über eine Million Euro an Investition erfordern, weil die gesamte Infrastruktur erneut errichtet werden müsste. Die Erhöhung der Baukosten, die derzeit überall durch die Decke gehen - um 26 Prozent-, bezeichnete der Bürgermeister als ganz normalen Vorgang. Deshalb steht die SPD-Fraktion trotz Kostensteigerung weiter hinter dem Projekt. Nach der Ablehnung der Badelandschaft durch die Mehrheit des neuen Marktrates 2020 erhoffen sich die SPD-Fraktion und Jusos mit einer durchgeführten Unterschriftenaktion an alle Haushalte die Rückendeckung aus der Bevölkerung und die Umsetzung der Spiel- und Badelandschaft.

Eine Kostenfrage

Mit einem anderen Standort am Atzmannsee erhofft sich die CSU-Fraktion eine gemeinsame alternative Lösung zu erreichen. Die Ablehung des Projekts sei laut zweiten Bürgermeister Thomas Kleber und CSU-Fraktionssprecher Wolfgang Voit entgegen der Ausführungen der SPD nicht darin zu suchen, dass das Projekt ursprünglich in dieser Form von der SPD initiiert wurde. "Richtig ist vielmehr, dass entgegen der ursprünglichen Kostenberechnung von rund 377.000 Euro, sich bei realistischer Betrachtung eine Steigerung auf rund 476.000 Euro ergeben habe", begründete Kleber. Da die Förderung auf 200.000 Euro gedeckelt ist, wären diese Mehrkosten laut Voit komplett an der Gemeinde hängengeblieben. "Das ist aus Sicht der CSU-Fraktion, die der Projektverwirklichung an dieser Stelle schon immer kritisch entgegengestanden ist, faktisch auch im Hinblick auf die zu erwartende Haushaltsentwicklung zu viel", fügte Voit an.

Für die CSU-Fraktion gab es nur die Möglichkeit, die Notbremse zu ziehen. Zudem erinnerte Fraktionssprecher Wolfgang Voit an ein entgegenkommendes Gesprächsangebot mit Bürgermeister Gäbl, zu dem es aufgrund fehlender Bereitschaft nicht kam. "Ich hätte eine Lösung im Konsens aller Fraktion angestrebt, wobei aus unserer Sicht eine Lösung im breit angelegten Nichtschwimmerbereich zu suchen ist." Vorgeschlagen wurden Spielgeräte direkt im Wasser und an Land und eine Rutsche in den See. Durch den leichter einsehbaren Bereich wäre auch, entgegen der in einer Mulde liegenden Badelandschaft, eine Aufsicht durch Eltern leichter zu gewährleisten.

"Wir sollten gemeinsam im Marktrat Lösungen finden und wir sind gerne bereit, mit allen Fraktionen zu reden." Geichzeitig habe die CSU bereits in der Dezembersitzung klar gemacht, dass es der allgemeine Wunsch sei, auch im Kurpark eine wesentliche, vor allem familienfreundliche Aufwertung zu erreichen. Die dort geplante Ertüchtigung des Kneippbeckens dürfre der Auftakt für eine weitere Belebung der Anlage sein. Im Allgemeinen wünsche sich die CSU eine bessere Zusammenarbeit und Beteiligung bei Projekten, auch mit den Bürgern.

FWG: Nicht gegen das Projekt

"Ich möchte nochmal explizit herausstellen, dass wir nicht gegen ein Projekt für Kinder sind. Wir möchten am Atzmannsee ein Projekt im Nichtschwimmerbereich für alle Altersgruppen." In der vorgestellten Badelandschaft sieht dritter Bürgermeister Bernd Reil (FWG) aufgrund der Wassertiefe von 20 bis 80 Zentimeter nur die Grundlage für kleinere Kinder. Auch den Vorwurf, die FWG habe aus politischen Gründen dagegen gestimmt, will Reil nicht so stehen lassen und begründet die Ablehnung mit den Mehrkosten von rund 100.000 Euro. "Uns ist die Aufwertung des Atzmannseegeländes in keinster Weise egal, deswegen ist die FWG-Fraktion einhellig davon überzeugt, dass eine Aufwertung im Nichtschwimmerbereich idealer wäre." Auf dem breit angelegten Gelände und großen Planschbereich für Nichtschwimmer könnten sich Eltern und Kinder gemeinsam aufhalten. Als Attraktion wäre aufgrund der idealen Hanglage auch eine Rutsche bis in den Atzmannsee möglich. Der dritte Bürgermeister denkt zudem an weitere Attraktionen wie Paddeln mit Surfbrett und ein Beachvolleyballfeld. "Am Kiosk könnten auch Liegestühle und Schirme für Badende bereit gehalten werden." Einer Aufwertung bedürfte laut Reil auch das Kneippbecken im Kurpark und der dortige Kinderspielplatz.

Atzmannsee als Freizeitgelände aufwerten

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