01.07.2021 - 14:01 Uhr
EslarnOberpfalz

Heimatverein droht Auflösung

Wie soll es weitergehen mit dem Eslarner Heimatverein? Wegen ausbleibender Anmeldungen muss das Heimattreffen erneut ausfallen. Die Vorstandschaft steht vor einer schweren Entscheidung

Ein Waldkapellenfest mit über 100 Teilnehmern dürfte der Vergangenheit angehören. Bei dieser Feier ist der eiserne Turm mit der Glocke noch an Ort und Stelle.
von Karl ZieglerProfil

Nach dem das Kapellenfest des Heimatvereins "Die Eisendorfer und Umgebung" 2020 aufgrund des Corona-Lockdowns ausfallen musste, sind es 2021 die ausbleibenden Anmeldungen der immer älter werdenden Mitglieder, die zur Absage des Heimattreffens führten. Der Vorsitzende Waldemar Hansl und der Ehrenvorsitzende Josef Hoffmann bekamen nach einem schriftlichen Aufruf lediglich fünf Rückmeldungen.

"In den zurückliegenden Jahren hatte ich über 30 Zusagen", stellte Hoffmann fest und zog eine mögliche Auflösung des Vereins in Erwägung. Auch der 86-jährige Hoffmann aus Baden Württemberg hatte aus gesundheitlichen Gründen das Wiedersehen in Eslarn bereits absagen müssen. Da sich noch ein finanzieller Grundstock in der Vereinskasse befindet, möchte Hansl die Waldkapelle am Goldberg vor der eventuellen Auflösung noch renovieren lassen.

Die Mitglieder des Heimatvereins "Eisendorfer und Umgebung" stammen aus dem Kirchensprengel Eisendorf, zu dem auch Eisendorferhütte, Franzlhütte, Waldorf, Ruhstein, Karlbachhütte und Schmolau gehörten. Die böhmische Bevölkerung musste 1946 mit wenig Hab und Gut ihren Heimatort verlassen und fand entlang der bayerischen Grenze und in der Ferne eine zweite Heimat. Der langjährige Vorsitzende und heutige Ehrenvorsitzender Josef Hoffmann baute im knapp 350 Kilometer entfernten Niefern-Öschelbronn in Baden-Württemberg eine Existenz auf.

Waldkapelle mit Erinnerungssäulen

Große Sorgen bereitete allen Heimatvertriebenen die totale Grenzschließung durch die Tschechoslowakei und große Trauer verbreitete sich beim Einebnen der Häuser von halb Eisendorf. Der "Eiserne Vorhang" machte auch die Idee zunichte, nach der Vertreibung an der tschechischen Waldkapelle bei Smolov (Schmolau) alle Jahre ein Treffen auszurichten. Den Wunsch auf bayerischer Seite, eine eigene Kapelle zu bauen, erfüllte Karl Hackl aus Regensburg und weitere Landsleuten. Am Goldberg nahe der Grenze entstand 1975 die baugleiche Waldkapelle "Maria Heimsuchung" und zur Erinnerung an das "Original" wurden vor Ort zwei Eingangssäulen der ehemaligen tschechischen Kapelle aufgestellt.

Seither trafen sich vor Ort jeden ersten Julisonntag die Mitglieder des Heimatvereins mit ihren Angehörigen, mit Eslarnern und Gästen zu einer Messfeier und im Anschluss bei Christa und Hans Kaiser in der Waldgaststätte "Zur Tillyschanz" zu einem Wiedersehen. Den Gottesdienste zelebrierten in den ersten Jahren Pfarrer Hugo Wagner, später Pfarrer Erwin Bauer und seit den letzten Jahren Heimatpfarrer Monsignore Gerhard Hettler aus Passau. Einen Tag zuvor fand alljährlich beim "Boderbeck" im Cafe Karl eine Vereinssitzung statt.

Ein erfreulicher Höhepunkt für die ehemalige Dorfgemeinschaft war 1990 die Grenzöffnung. An der Spitze der Gemeinschaft standen bisher die Ortsvorsteher Emil Reimer, Karl Hoffmann, Rudolf Forster und Toni Ziegler. Nach der Gründung des Heimatvereins 1993 stieg die Mitgliederzahl bis auf 200 und der neue Ortsvorsteher Josef Hoffmann schnitzte als Schreinermeister für das Kirchlein einen Altar und Betstuhl. Zudem erstellte Hoffmann eine Schautafel, die der langjährige Kapellenpfleger Hans Kaiser mit einer Eiseneinfassung verzierte und in der Wilhelm Kleber die Bilder aller Gefallenen und Vermissten des zweiten Weltkrieges aus dem Kirchensprengel verewigte.

Seit dem letzten Jahr war alles anders. "Das Kapellenfest musste im letzten Jahr durch die Corona-Pandemie und in diesem Jahr erstmals aufgrund weniger Anmeldungen ausfallen" erläuterte Josef Hoffmann am Telefon. "Nachdem letztes und dieses Jahr viele örtliche Vereine ihre Feste absagen mussten und auch der Markt Eslarn auf das Heimatfest verzichten musste, sehe ich keine Möglichkeit, unser Fest im bisherigen Umfang zu gestalten", wies Vorsitzender Waldemar Hansl später auch in Briefen an die rund 30 Mitglieder und Freunde des Heimatvereins auf die aktuelle Lage hin.

Vorsitzender: Kaum Resonanz

Grundsätzlich wollte Hansl ein Treffen in Eslarn nicht ausschließen und schlug den 3. Juli um 14 Uhr vor. Als Programmpunkte waren eine kurze Andacht an der Waldkapelle, ein gemeinsamer Spaziergang zum Steinock und zum Ehrenmal in Zelezna (Eisendorf) angedacht. "Leider war die Resonanz hierauf eher dürftig und bis zum vereinbarten Zeitpunkt trafen beim Ehrenvorsitzenden Hoffmann und bei mir nur wenige Anmeldungen ein." In einem Telefonat schlossen beide eine Auflösung nicht gänzlich aus. "Ein offizielles Treffen wird es in diesem Jahr nicht geben und ich befürchte, dass unser Fest vor 2 Jahren das letzte mit mehreren Zeitzeugen war."

Auch das Vorhaben für einen neuen Glockenturm auf der Waldkapelle wird ein Wunsch bleiben. Die in einen separaten Turm installierte ehemalige Glocke und auch die später durch Freunde aus Vohenstrauß zur Verfügung gestellte zweite Glocke verschwanden in den Vorjahren wie auch der eiserne Glockenturm, zwei Sitzbänke und der Weihnachtsschmuck spurlos. Dagegen schließ Hansl eine Sanierung der Kapelle am Dach und Außenputz nicht aus und möchte dafür Kostenvoranschläge einholen. "Spätestens im kommenden Frühjahr soll die Renovierung erfolgt sein." Inwieweit nächstes Jahr noch einmal ein Versuch für ein Heimattreffen gestartet oder die Auflösung zur Diskussion gestellt wird, bleibt laut Hansl abzuwarten.

Eslarn
Ein Pflichtprogramm bei der Wiedersehensfeier war für Vorsitzenden Waldemar Hansl, Heimatpfarrer Monsignore Gerhard Hettler aus Passau und Ehrenvorsitzenden Josef Hoffmann (v.l.) aus Niefern-Öschelbronn der Besuch des Kriegerehrenmals in Zelezna, ehemals Eisendorf.

 

 

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