03.11.2020 - 13:19 Uhr
EslarnOberpfalz

Nach Feuer in „Chipsihalle“ in Eslarn: Das Aufräumen beginnt

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Die „Kartoffelpfalz“ ist schwer getroffen und mit ihr die Kartoffelgenossenschaft Eslarn. Der Brand der „Chipsihalle“ wirkt auch am Tag danach bei allen Betroffenen nach.

Eine riesige Kartoffelhalde. Massen von verkohlten Knollen müssen nun entsorgt werden.
von Elisabeth DobmayerProfil

24 Stunden nach dem Großbrand in der „Chipsihalle“ am Ortseingang der Marktgemeinde, an der Staatsstraße 2155 zwischen Putzenrieth und Eslarn steigen noch immer weiße Rauchschwaden auf. Der Brandgeruch legt sich schwer über die Region. Eslarner Feuerwehrleute mit Zweitem Kommandant Georg Rauch sind unentwegt in Aktion, denn die Glutnester zwischen den Kartoffelkistenreihen gehen nicht aus.

Feuer in der "Chipsihalle" in Eslarn

„Für die eingesetzten Kräfte ist es immens schwierig an die glimmenden Bereiche heranzukommen“, so Rauch. „Wir haben einen 24-Stunden-Schichbetrieb aufrecht erhalten, um die Brandwache sicherzustellen.“ Unterstützung erhielten sie von ihren Feuerwehrkameraden aus Pfrentsch. Kreisbrandmeister Thomas Kleber weicht ebenfalls nicht von der Seite der Floriansjünger, um im Notfall sofort zupackend einzugreifen.

Großbrand einer Kartoffellagerhalle in Eslarn

Eslarn

Markus Stahl, Vorsitzender der Kartoffelerzeugergenossenschaft Eslarn, ist fassungslos. Der Brand trifft die 1969 gegründete Erzeugergenossenschaft sehr schwer. Die Lager waren mit den frischgeernteten Knollen bis obenhin voll. Erst vor wenigen Wochen wurden die beliebten Erdäpfel von den Landwirten der Region in schweißtreibender Arbeit geerntet und angeliefert. Übrig bleiben jetzt vom Feuer und Rauch geschwärzte und verkohlte Knollen, die nicht mehr zu gebrauchen sind. Die komplette Arbeit eines Jahres der Kartoffelbauern ist gänzlich zerstört worden.

5000 Tonnen Kartoffeln vernichtet

Nach Aussage von Stahl sind rund 5000 Tonnen vernichtet, was zwei Drittel der Lagerhaltung entspricht. Das Loselager ist genauso betroffen wie das Kistenlager. Stahl ist derzeit auf der Suche nach einer Spezialfirma, die die hohen Kistenstapel auseinandernehmen und aus der Halle transportieren kann. Erst wenn diese logistische Abwicklung gemeistert ist, kann die Feuerwehr abziehen. Außerdem stellt sich für ihn die Frage, wo diese riesige Menge an kaputten Kartoffeln entsorgt werden kann. Fragen über Fragen tauchen auf, mit dem die Erzeugergenossenschaft nun von einer Stunde zur anderen konfrontiert wird. „So einen Vorfall hatten wir noch nie“, führt Stahl aus.

Vor Ort ist am Dienstag auch wieder Bürgermeister Reiner Gäbl, der sich vom Schadensausmaß persönlich überzeugt und den Leuten Mut zuspricht: „Wir haben in der Vergangenheit immer gut zusammengearbeitet und wir werden auch jetzt den Kartoffelbauern zur Seite stehen.“ Nicht unerheblich ist auch der Schaden an der völlig zerstörten 100-Kilowatt-Peak- Photovoltaikanlage, die auf der Dachfläche der zusammengebauten Lagerhallen aufgeständert war. Kathrin Urbach, Pressesprecherin der Lorenz Snack-World teilt auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien mit, dass durch den Brand in Eslarn keinerlei Lieferengpässe oder Produktionsprobleme im Unternehmen auftreten werden. „Wenngleich es dramatisch ist, was dort passiert ist.“ Nachdem das Geschehen noch ganz frisch ist, müsse man in naher Zukunft mit der Erzeugergenossenschaft Gespräche führen. Allerdings arbeite man seit Jahrzehnten so gut zusammen, dass man auch für diesen Fall eine Lösung finden werde, verspricht die Firmensprecherin.

Der Vorsitzende der Erzeugergenossenschaft Eslarn, Markus Stahl, Bürgermeister Reiner Gäbl und stellvertretender Feuerwehrkommandant Georg Rauch (von links nach rechts) am Eingang der vom Feuer zerstörten "Chipsihalle".
Die gestapelten Kartoffelkisten müssen nun aus der Halle geschafft werden, da sich dazwischen noch immer Glutnester verbergen.
In der Loselagerhalle sind alle Kartoffeln unbrauchbar. Daraus hätten leckere Knabbereien werden sollen. Daraus wird nun nichts.
Hintergrund:

Beliebter Rohstoff Kartoffel

Die in Eslarn gelagerten Kartoffeln wären eigentlich in Neunburg vorm Wald zu Chips und Co. verarbeitet worden und hätten den Liebhabern dieser Snacks so manchen Knabberspaß versprochen. Die kleinen, braunen Knollen aus der Region haben ihre Qualitäten, die bei Lorenz-Snack-World überaus geschätzt werden. Das Unternehmen aus Neu-Isenburg produziert zum Beispiel Crunchips, Chipsletten oder Erdnuss-Locken. Den wichtigsten Rohstoff dafür holt sich die Firma seit Jahrzehnten aus der nördlichen Oberpfalz. Die Transportwege sind kurz. Die Kartoffeln stammen hauptsächlich von den drei Genossenschaften in der Region. Dazu gehören die Qualitätskartoffel Waldau eG, die Anbaugenossenschaft für Qualitätskartoffel Floß und Umgebung sowie die Eslarner Erzeugergenossenschaft. In den „Chipsihallen“ werden die Knollen gelagert bis sie bei Lorenz Snack-World gebraucht und zur Weiterverarbeitung ins Werk nach Neunburg vorm Wald transportiert werden. Die genossenschaftlich organisierten Landwirte sind mit der Firma eine Partnerschaft eingegangen und haben Abnahmeverträge geschlossen. Die kann jetzt zumindest die vom Brand geschädigte Erzeugergenossenschaft in Eslarn nicht mehr einhalten.

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