17.02.2021 - 15:39 Uhr
EslarnOberpfalz

Eslarner Unternehmer kritisieren massiv neue Einreisekontrollen

Die seit Montag angeordneten Bestimmungen für Einreisende aus Tschechien haben weitreichende Konsequenzen. Vor allem Betriebe stehen vor einem riesigen Problem und sehen ihre Produktion gefährdet.

Die Einreise gestattet die Bundespolizei am Eslarner Grenzübergang nur Betriebsangehörigen mit systemrelevanten Tätigkeiten und einem negativen Corona-Test.
von Karl ZieglerProfil

In Eslarn suchten Unternehmer wegen der neuen Einreisebestimmungen das Gespräch mit Bürgermeister Reiner Gäbl. Wie er erfuhr, sorgen die Kontrollen der tschechischen Arbeitnehmer an den Grenzen für Staus, Verspätungen, ungeordnete Arbeitsabläufe und gefährden die Produktion. Das schilderten übereinstimmend Josef Gleixner von Inotech/UWG und Ludwig und Fabian Bauriedl von BAS. Sie kritisierten die kurzfristige, staatliche Entscheidung zu Grenzkontrollen und die weitreichenden negativen Folgen für die Betriebe.

Inotech und BAS beschäftigen jeweils 150 Arbeiternehmer, von denen bei Inotech 20 und bei der BAS 48 aus Tschechien kommen. Nachdem die Tschechische Republik als Hochrisikogebiet eingestuft wurde, fanden in der Nacht zum Montag auch an den Grenzen in Waidhaus und Eslarn Kontrollen statt. Die Firmen wurde angewiesen, sich als systemrelevante Betriebe erfassen und eine Bescheinigung ausstellen zu lassen. Diese Anordnung wurde nach einer zweitägigen Übergangsfrist am Mittwoch vehement umgesetzt. Nicht verstehen konnte Bauriedl von BAS, dass einige Arbeiter trotz Glaubhaftmachung der Systemrelevanz und negativer Testergebnisse an der Grenze zurückgewiesen wurden.

Bürgermeister Reiner Gäbl lud die Firmeninhaber Josef Gleixner von Inotech/UWG und Ludwig und Fabian Bauriedl (v.r.) von der BAS zu einem Gedankenaustausch ins Rathaus ein.

Die ersten Auswirkungen hatte UWG zu tragen. "Aufgrund der ausbleibenden Arbeiter aus Tschechien mussten wir die Produktion, in dem überwiegend tschechische Arbeiter beschäftigt sind, einstweilen einstellen", erzählte Gleixner. Auch das Dreischichtsystem von BAS ist laut Ludwig und Fabien Bauriedl gefährdet. "Von der sehr schnellen und voreiligen Entscheidung, die Grenzen für Pendler zu schließen, wurden wir von heute auf morgen überrascht, und wir hatten als grenznahes Unternehmen keinerlei Möglichkeiten, auf die Beschlüsse zu reagieren."

Auf Rückfrage bei Beamten der Bundespolizei am Grenzübergang Eslarn, an dem rund um die Uhr eine Kontrollstelle aufgebaut ist, werden tschechische Staatangehörige nur ohne erforderliche Nachweise zurückgewiesen. "Die ersten Bescheinigungen von systemrelevanten Betrieben zeigten Pendler bereits am Dienstag online vor." Da BAS als auch Inotech/UWG Teile für die Medizin herstellen, traf am Dienstagnachmittag auch in den Firmen die Anerkennung als systemrelevanter Betrieb ein. Ab Mittwoch forderten die Bundespolizisten am Autobahnübergang und an der Tillyschanz in Eslarn sowie die Grenzpolizei an der B14 in Waidhaus neben dem Arbeitsvertrag und einem negativen Coronatest zudem eine Bestätigung der Systemrelevanz. Aufgrund der Kontrollen mussten die Grenzpendler teilweise lange Wartezeiten in Kauf nehmen, kamen, wenn überhaupt, mit Verspätung in die Betriebe. Es mussten Schichtpläne geändert werden und manche Maschinen standen still.

Die Firma Inotech hat fünf Werke in Deutschland und zwei Werke in Tachov und lebt zwischen den Werken vom täglichen grenzüberschreitenden Austausch der Güter und Dienstleistungen. Die Standorte der Kunden befinden sich in West- und Osteuropa und der Warenaustausch ist vertraglich vereinbart. "Wer trägt im Extremfall den vertraglichen Verzug, falls Waren nicht transportiert werden können?" fragt sich Gleixner. Auch Ludwig und Fabian Bauriedl sprachen von einer Mehrbelastung in der Firma und bei den Arbeitern aus Tschechien, die wegen der Tests anstatt eine bis zu vier Stunden bis zum Betrieb bräuchten und physisch wie auch finanziell weiteren Belastungen ausgesetzt seien. Falls Arbeiter nicht kommen könnten, stünden Maschinen still, Arbeitsabläufe müssten umgeplant und der Kunde vertröstet werden, was nicht leicht sei, da auch dort weiterproduziert werden soll.

Die größte Gefahr für die Betriebe ist laut Firmeninhaber, nicht mehr liefern zu können, wobei sich dann die Frage stellt, wer den Ausfall, der in sechsstelligen Bereichen liegen könnte, für den Betrieb zahlen wird. Die kurzfristig beschlossenen und unausgereiften Beschlüsse machen nach Ansicht der Firmenvertreter eine unternehmerische Planung unmöglich. "Die Firmen werden gezwungen, Kundenaufträge aufzukündigen und dies in einer Phase, in der die Unternehmen bereits mit Umsatzverlusten durch den deutschen Lockdown zu kämpfen haben", fügte Unternehmer Gleixner an. Auch die Grenzpendler und deren Familien würden regelrecht im Regen stehengelassen, da letztlich durch angeordnete Grenzschließungen keine Löhne mangels Leistung beglichen würden und Monate vergingen, bis Ausgleichszahlungen bei den Betroffenen ankämen.

Ein Beispiel nannte der Geschäftsführer Harald Kausler von Inotech. "Für das Werk in Eslarn und Tachov ist ein Geschäftsführer aus Tschechien verantwortlich, der seit Wochen ständig mit negativem Test von Werk zu Werk pendelte. Sollte die Grenze für ihn nur passierbar sein, indem er sich anschließend in Quarantäne begeben muss, sind beide Werke nur bedingt handlungs- und beschlussfähig." So ein kurzfristiges Denken und unüberlegtes Handeln könnten sich die Betriebe laut Bürgermeister Gäbl aufgrund der Verantwortlichkeit für Betrieb und Arbeiter nicht leisten. Durch die Schließung der Grenzen wurde laut Gäbl vielen bewusst, was Freizügigkeit ohne Grenzen in Europa bedeutet. "Die EU lebt von offenen Grenzen" fügte Gäbl an.

Waidhaus
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