01.06.2021 - 17:23 Uhr
EslarnOberpfalz

Eslarner Stiftung gründet erste Filiale in Tansania

Der Name Eslarn wird in Tansania nun wohl noch etwas bekannter. Ein Stipendiat der Eslarner Stiftung „Jugend fördern – Grenzen überspringen“ baut in Dar es Salaam mit zwei Frauen und zwei Männern eine Zweigstelle auf.

Der Koordinator der neuen Filiale Alphonce Leonard (re) mit einigen seiner Mitglieder.
von Karl ZieglerProfil

Im Namen der Vorstände, Pfarrer Martin Rupprecht, Waltraud Rupprecht und Gisela Hax von der Stiftung „Jugend fördern – Grenzen überspringen“, nahmen Leonard Alphonce und Joanitha E. Kichemu in Tansania die Ernennungsdekrete für eine Filiale in Empfang. Die Kommission versucht in Dar es Salaam bei einigen Firmen weitere finanzielle Hilfen zu bekommen, so dass der Stipendienfond sowohl durch Spenden aus der Stiftung als auch durch eigene Hilfen wachsen kann. "Der Filiale haben wir dieses Jahr 10.000 Euro zur Verfügung gestellt und der Verwaltungsaufwand wird von den Vorstandsmitgliedern getragen, so dass tatsächlich 100 Prozent der Spenden direkt ankommen" stellt Pfarrer Rupprecht fest.

Die Stiftung mit Sitz in Eslarn besteht seit 2002. Zum Gründungsstart befanden sich unter dem Gabentisch auch zwei Oldtimer der Marke Citroen, ein C 11 Traction Avant mit originaler Ausstattung und Baujahr 1946 und ein TS 23 mit Baujahr 1973. "Mit den Erlösen konnten die ersten Projekte verwirklicht werden" erinnert sich der aus Eslarn stammende und als Seelsorger in der Wiener Pfarrei "Hildegard Burjan" tätige Dechant Pfarrer Martin Rupprecht. Mit Spenden aus vielen Ländern, unter anderen aus Deutschland und Österreich, aber auch aus der Heimatgemeinde Eslarn und der Region konnte die Stiftung weltweit viele Projekte oder einzelne Personen finanziell unterstützen.

Junge Menschen sollen Potenzial ausschöpfen

Die jüngste Aktion des Stiftungsrates ist die Installierung einer Filiale im knapp 10.000 Kilometer entfernten Dar es Salaam in Tansania. In dem Land möchten viele junge Menschen Ingenieur, Lehrer, Arzt oder Krankenschwester werden, um das Land zu entwickeln und den Menschen zu helfen. In den meisten Fällen können diese motivierten Kinder und Jugendlichen diese Ziele nicht verwirklichen, da ihnen nach der Secondary School das notwendige Geld für eine weitere Ausbildung fehlt. Sowohl staatliche wie auch private Stipendienprogramme reichen nicht aus, um den jungen Menschen eine Chance auf Bildung zu ermöglichen.

Deshalb sieht Pfarrer Rupprecht in der Gründung einer Stiftung und einer Filiale stets eine Erfolgsgeschichte. Nach dem Grundgedanken von Rupprecht soll die Stiftung jungen Menschen zu einer Ausbildung verhelfen, damit sie sich entwickeln und auf eigenen Beinen stehen können. "Es ist kein Almosen für arme Menschen, sondern die Möglichkeit für eine Ausbildung, denn jedem jungen Menschen steht dieses Recht zu." Bereits 2014 kreuzten sich bei einem Besuch in der größten Stadt Tansanias die Wege von Pfarrer Martin Rupprecht und Alphonce Leonard. "Ich war in Dar es Salaam Gast in der Pfarre Manzese, dem ärmsten Viertel der sechs Millionen Einwohner Stadt."

Da man in der großen Metropole schnell den Überblick verlieren kann, bekam Pfarrer Martin den Oberministranten Alphonce an die Seite. Der Stadtführer wurde 1989 in Dar es Salaam geboren, wuchs mit drei Geschwistern in der Obhut seiner Mutter in einer 15 Quadratmeter kleinen Baracke in ärmlichen Verhältnissen auf. "Die Hütte hatte kein fließendes Wasser und der Vater hatte die Familie verlassen." Alphonce ist ein engagierter junger Mann voller Potential, der schon einiges allein erreichen konnte. Er hatte Glück und durfte im Gegenteil zu vielen anderen Kindern von 1998 bis 2008 die Volks- und Hauptschule besuchen.

"Jugend fördern – Grenzen überspringen": Projekt in Tansania

Eslarn

"Bei meinem Besuch im Jahr 2014 hatte Alphonce bei mir einen guten Eindruck hinterlassen und ich wollte diesem jungen Mann eine Chance geben, sein Potenzial weiter ausschöpfen und etwas aus seinem Leben machen zu können." Vertieft wurde die Freundschaft 2017 und 2019 bei einem erneuten Besuch im Rahmen von Führungen mit jungen Erwachsenen aus Tansania und Wien. "Bei einem Rundgang zeigte uns Alphonce mit Stolz seine Stadt, aber auch die ärmlichen Verhältnisse vor Ort und lehrte uns den eigenen Lebensstil richtig einzuordnen."

Gemeinsam mit dem Stiftungsvorstand beschloss Pfarrer Rupprecht den Auserwählten mit einem Stipendium zu helfen und so war es Alphonce möglich, das Diplom in „Mechanical Engineering“ (Maschinenbau) am National Institute of Transport zu erreichen. Darüber hinaus begann er ein Lehramtsstudium an der Hochschule, welches er 2020 abschloss und seither in einer 61-köpfigen Klasse das Fach Mathematik unterrichtet. "Damit leistet er in seinem Beruf als Lehrer einen wichtigen Beitrag zur Ausbildung von Kindern und Jugendlichen."

Inzwischen verlobte sich Alphonce mit Adela Didasi Kanje und ein Jahr später erblickte sein Sohn das Licht der Welt. "Heiraten konnten sie jedoch erst 2020, weil er sich erst das Geld für die Mitgift verdienen musste." Der Gottesdienst mit der Vermählung des Brautpaares fand am 21. November 2020 coronabedingt bereits um 6 Uhr morgens statt. "Alphonce zeigt uns, was möglich sein kann, wenn man die richtige Unterstützung gezielt erhält und damit für seine Familie ein Leben und für seinen Sohn eine Zukunft aufbauen kann."

Mit dem Stipendium aus der Eslarner Stiftung und der nachhaltigen Ausbildung kann die Familie auf eigenen Beinen stehen. Ein großer Schritt in Richtung weiterer Hilfen war die Gründungsidee der Filiale „Promoting Youth - Crossing Boundaries“ (Jugend fördern - Grenzen überspringen) durch Leonard Alphonce in Dar es Salaam. Damit hofft Pfarrer Rupprecht einen Stein ins Rollen zu bringen. "Zum Dank sollen die ehemaligen Stipendiaten einen eigenen monatlichen Beitrag für eine gerechteren Welt von rund 5 Dollar in den Fonds der Stiftung einzahlen und somit die Vision: Hilfe zur Selbsthilfe, umsetzen."

Die Installierung der Filiale wurde mit den übermittelten Ernennungsdekreten vollzogen und Koordinator Alphonce Leonard bildete mit den beiden Frauen Agness Bureta und Joanitha Kichemu und den beiden Männern Emmanuel Mgisha und Abel Msigwa eine Kommission, die transparent und mit Absprache der Eslarner Stiftung alle Entscheidungen fällt. Zudem macht sich der Stiftungsgeber über die Umsetzung neuer Projekte stets vor Ort ein Bild und bringt zudem persönliche Hilfen direkt zu den Menschen. Das ermögliche sozusagen einen Schutz für die Mitentscheider in Dar es Salaam, falls Verwandte oder Nachbarn bei der Vergabe nicht berücksichtigt werden konnten.

Werbung für Eslarn

"Besonders auffällig in den Dekreten ist der gefällige Hinweis auf das Headquartier (Hauptsitz) Eslarn", sagt Pfarrer Rupprecht. Die Niederlassung ist nicht nur die beste Werbung für die Stiftung, sondern auch für seine Eslarner Heimat. In der ersten Sitzung legte die Kommission die Kriterien für die Hilfen fest und machte sich auf die Suche nach Waisenkindern und ärmsten Familien, bei denen je nach Lage 40, 60 oder 80 Prozent des Schulgeldes übernommen werden soll. "Die Kinder werden dabei regelmäßig besucht und in Koordination mit den Schulen die nächsten Schritte überlegt."

Schwierig an der Gründung eines Stipendienprogramms ist das gesellschaftliche Umfeld, da in vielen Ländern alles sehr hierarchisch aufgebaut ist. "Ich wollte aber eine Initiative fördern, die von den Beteiligten, von deren Erfahrungen, ihren eigenen Gedanken selbst getragen wird, um die Menschen in die Freiheit und nicht wieder in ein System der Abhängigkeit zu führen." Es gibt eine jährliche Prüfung für den Fortbestand des Stipendiums und als vorbildliche Organisation bezeichnet Pfarrer Rupprecht das Bundesausbildungsförderungsgesetz, mit dem die staatliche Unterstützung für die Ausbildung von Schülern und Studenten in Deutschland bestens geregelt ist. Diese geregelten Kriterien wurden auch auf die Filiale übertragen.

"Ich selbst habe das ganze Studium hindurch ein Stipendium nach dem BAFÖG erhalten und so setzt sich das neue Stipendienprogramm in Tansania aus meiner eigenen Erfahrung als Stipendienempfänger, aus dem deutschen System des Rechts auf Bildung und aus der Liebe zu meiner Heimat Eslarn zusammen." Durch die fortschreitende Globalisierung wachse die Welt immer weiter zusammen und doch tut sich der Mensch schwer andere Kulturen, aber vor allem andere Glaubenseinstellungen zu verstehen. Als langjähriger Islambeauftragter und Berater in Fragen der christlich-muslimischen Verständigung der Erzdiözese Wien weiß Pfarrer Rupprecht bestens Bescheid über die auftauchenden Probleme.

Seit 2002 investiert die Stiftung in die schulische und berufliche Ausbildung von Kindern, Jugendlichen, jungen Frauen und Männern aus Palästina, Rumänien, Türkei, Afghanistan, Äthiopien, Kosovo, Bosnien, Tansania, Irak, Uganda und Pakistan die beachtliche Summe von insgesamt 255.105 Euro.

Mit der Übermittlung der Ernennungsdekrete an Koordinator Alphonce Leonard wurde die Filiale in Tansania installiert.
Info:

Stiftung „Jugend fördern – Grenzen überspringen“

  • Stiftung mit Sitz in Eslarn 2002 gegründet
  • Martin Rupprecht, geboren 1963, aufgewachsen in Eslarn, Priesterweihe 1992, seit 1994 in Wien
  • Stiftungsvorstände Pfarrer Martin Rupprecht, Waltraud Rupprecht und Gisela Hax
  • Finanziell unterstützt wurden Projekte für Schulen, Ausbildungen und ärztliche Versorgung in Europa, Asien und Afrika
  • Erste Filiale der Stiftung 2021 in Tansania eröffnet
  • Stiftungskonto Liga Bank Regensburg, IBAN: DE43750903000001342800, BIC: GENODEF1M05
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