23.10.2019 - 15:11 Uhr
EslarnOberpfalz

Alte Tillyschanz neu herausgeputzt

Der Bayerische Staatsforstbetrieb sorgte am Ortsteil Tillyschanz mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten für eine Aufwertung der Bodenschanzen aus dem 17. Jahrhundert. Jetzt gibt es eine neuen Weg.

Die Gemeinde und der Kreisheimatpfleger danken den Vertretern vom Forstbetrieb und Forstamt für die gelungene Aufwertung des Bodendenkmals.
von Karl ZieglerProfil

Die Verbindung führt zum Bodendenkmal. Neue Tafeln erklären zweisprachig das geschichtliche Relikt am Eslarner Ortsteil „Tillyschanz“. Bei der offiziellen Übergabe bezeichneten die Vertreter vom Forst, der Gemeinde und der Kreisheimatpflege das Projekt als sehr gut gelungen. Ein besonderer Dank ging an die drei Auszubildende vom Staatsforstbetrieb Flossenbürg, die im Rahmen eines Projektes gemeinsam mit ihren Ausbildungsleiter die Info-Tafeln hergestellt und das Denkmal von Totholz und Anwuchs befreit hatten.

Das Treffen der Forst- und Gemeindevertreter mit dem Kreisheimatpfleger am Ortsteil Tillyschanz sollte nach Abschluss der Arbeiten gleichzeitig die offizielle Übergabe des aufgewerteten Bodendenkmals an die Öffentlichkeit sein. Servicestellenleiter Thomas Parton vom Forstbetrieb Flossenbürg erläuterte die Maßnahmen. „Die nach der Grenzöffnung aufgestellten Info-Tafeln waren zum Teil morsch, umgefallen und nicht mehr lesbar. Der Zugang war nicht eindeutig erkennbar und total verschmutzt.“

Die Idee zu einer Generalsanierung kam von Kreisheimatpfleger Peter Staniczek, der den Forstbetrieb um Unterstützung bat. Der in Vohenstrauß wohnhafte Kreisheimatpfleger war es auch, der die umfangreichen Reste der „Sternschanze“ kurz nach der Grenzöffnung im Frühjahr 1991 als Bodendenkmal in die Denkmalliste aufnehmen ließ. Laut Staniczek sollte die historische Stätte für Besucher wieder anschaulicher gestaltet werden.

Die Arbeiten mit einem Gesamtvolumen von 5000 Euro wurden von der Forstverwaltung mit Mitteln aus dem Programms „besondere Gemeinwohlleistungen“ gefördert und vom Forstbetrieb Flossenbürg umgesetzt. Forstdirektor Gerhard Hösl betonte, dass das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Weiden insgesamt 90 Prozent der Kosten übernommen hatte. „Die Unterstützung im Rahmen der Gemeinwohlleistung war für uns selbstverständlich“ fügte Forstdirektor Hösl an.

Die Arbeiten und den finanziellen Rest von 10 Prozent übernahm laut Parton der Forstbetrieb Flossenbürg, der in seinem Bereich insgesamt 30 Hektar landschaftsgeschützte Einzelflächen unterhält. Aufgrund des schlechten direkten Zugangs vom Parkplatz in Richtung Bodendenkmal wurde ein neuer geschotterter und ausgeschilderter Weg angelegt. „Damit soll der Besucher auf einen bestehenden und sauberen Wanderweg zum Bodendenkmal gelenkt werden“ erläuterte Parton.

Durch die in Tillyschanz kreuzenden Rad- und Wanderwege, der „Wallenstein-Tilly-Weg“ und der Jakobsweg sei das Denkmal von Touristen gut frequentiert. Zudem fertigten die Auszubildenden Johannes Wittmann, Jonas Kalb und Franz Reitinger unter Anleitung von Forstwirtschaftsmeister Anton Plödt aus heimischem Douglasien-Holz Info-Tafeln. Der Forstbetrieb hat insgesamt neun Ausbildungsplätze, fügte Parton an.

„Das aus dem Staatswald stammende Holz ist widerstandsfähig und lange haltbar“, erläuterte Revierleiter Rudolf Stadler. Die Arbeiten wurden in der Werkstatt des Lehrlingzentrums im Betriebsgebäude der Staatsforsten nahe dem Bodendenkmals erledigt Damit die Infos auf der Tafel nicht nur in deutscher Sprache, sondern auch in Tschechisch zu lesen sind, baten die Verantwortlichen das Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) in Schönsees erfolgreich um Hilfe. „Dafür möchten wir uns sehr herzlich bedanken.“

Der junge Arbeitstrupp vom Forst befreite das Areal von Totholz und angeflogenen Jungpflanzen. „Dadurch sind die Konturen der Schanzen wieder besser erkennbar“ fügte Revierleiter Stadler an. Leider war ein weiterer Wunsch von Servicestellenleiter Parton, eine zusätzliche Reliefkarte anzufertigen, nicht umsetzbar. Der Forstbetrieb wird versuchen mit den Auszubildenden alle zwei Jahre wilde Gewächse am Bodendenkmal zu beseitigen.

Eslarns zweiter Bürgermeister Georg Zierer dankte allen Beteiligten für die Umsetzung des Projektes, das für den Tourismus eine schöne Attraktion darstelle. „Der Ort war nicht mehr ansehnlich und mit der Aktion sorgte der Forstbetrieb für eine Aufwertung der Tillyschanzen, die als Sehenswürdigkeit für Eslarn werben.“

Mit der gelungenen Umsetzung seines Anliegens, das Bodendenkmal anschaulicher zu gestalten, war Kreisheimatpfleger Peter Staniczek sehr zufrieden. „Die Anlage wurde 1611 auf Befehl der Amberger Regierung bei Eslarn angelegt“, informierte Staniczek. In Eslarn sollen 48 Männer aus den Ämtern Eslarn, Waidhaus, Moosbach und Burgtreswitz elf Arbeitswochen bis 1. Juni 1611 mit der Anlage der Schanze beschäftigt gewesen sein.

Der Heimatforscher wies auf die damalige Sicherung der Grenze gegen den Einfall aus Böhmen im Zuge der Religionswirren unter Kaiser Rudolf II hin. So soll Johann Tserclaes Graf Tilly im August 1621 mit seinen Soldaten durch den Pass bei Eslarn vorgestoßen sein, worauf Peter Ernst Graf zu Mansfeld noch in der Nacht diesen Pass besetzen ließ. „Heute sind nur noch Reste der Befestigungen nördlich der Straße vorhanden, der größte Teil der Anlage wurde beim späteren Straßen- und Häuserbau zerstört“, bedauerte Staniczek.

Die noch bestehende und deutlich sichtbare Schanzanlage sei weit und breit eine der am besten erhaltene Anlage. Sie hat eine Ausdehnung von etwa 90 Metern in West-Ost-Richtung und etwa 170 Meter von Nord nach Süd.

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