20.10.2020 - 12:33 Uhr
EschenbachOberpfalz

Zwei Minister, zwei Konfessionen in Eschenbach

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Der Blick richtet sich über 400 Jahre zurück: Um 1580 lebten nicht nur zwei Landtagsabgeordnete in Eschenbach, sondern auch zwei Minister – Caspar Köferl und Johannes Albrecht.

Als Ersatz für das erste Burggut in Eschenbach entstand Ende des 16. Jahrhunderts für Johannes Albrecht ein neues Haus, das bis zum Abriss 1957 das Stadtbild prägte.
von Externer BeitragProfil

Von Johann Ott

Die Eschenbacher Burghüter waren normalerweise Landsassen und als solche Mitglieder des Oberpfälzer Landtags. Dass beide gleichzeitig Minister in den Landesregierungen von Amberg und Neumarkt waren, macht die Sache noch interessanter.

Der eine war Caspar Köferl, ab 1579 Minister – Titel damals "Regierungsrat" – in der Regierung in Amberg und Landpfleger in Eschenbach, der andere war ab 1582 Dr. Johannes Albrecht, Chef der Regierung in Neumarkt. Sein Titel lautete damals „Kanzler“. Köferl war überzeugter Lutheraner, Albrecht überzeugter Calvinist.

Neben vielen weiteren Unterschieden, die uns heute als eher zweitrangig erscheinen, vertreten die Reformierten – so nennen sich die Calviner – ein etwas anderes Gottesbild und unterscheiden sich wesentlich in der Lehre des Abendmahls. Während Martin Luther daran festhielt, dass Wein und Brot wirklich gewandelt werden, ist es für Calviner eher ein Gedächtnismahl.

Sie lehnten auch alle Heiligenbilder ab, weshalb in Oberpfälzer Kitchen fast keine mittelalterlichen Bilder oder Figuren zu finden sind: Nach 1600 wurden die Kirchen leer geräumt.

Johannes Albrecht, der aus Schmalkalden stammte, bewohnte seit 1575 das erste Burggut in Eschenbach, das ihm als Mannlehen verliehen wurde. Das Haus war aber so marode, dass nur ein Neubau in Frage kam. 2000 Gulden kostete das damals, umgerechnet etwa 100 000 Euro.

Das Haus sollte bis zum Anschluss der Oberpfalz an Oberbayern im Jahr 1628 immer von Calvinern bewohnt werden. Nachfolger Albrechts war Johann Wilhelm Greul, Klosterverwalter im aufgelösten Kloster Michelfeld. 1957 wurde das Haus schließlich abgerissen, fast 400 Jahre hatte es mit dem dazugehörigen Stadel das Stadtbild geprägt.

Albrecht studierte in Wittenberg, ging dann zur Regierung nach Heidelberg und von da mit dem Verwalter des Kurfürstentums nach Neunburg vorm Wald, wo er ihn bei seinem Putsch 1580 unterstützte.

Kurfürstin Dorothea, eine überzeugte Lutheranerin, lebte damals noch. Für ihren Sohn war aber als Vormund Johann Kasimir eingesetzt, der sich schließlich kurzerhand selbst zum Regenten ernannte. Sofort versuchte er, den Calvinismus in der Oberpfalz durchzusetzen.

In Amberg und Neumarkt kam es in der Folge zu Unruhen, denn beide Städte wollten sich nicht unterwerfen. Albrecht war 1582 Verhandler in Neumarkt für die calvinische Sache.

Das zweite Burggut in Eschenbach war ab 1575 im Besitz von Caspar Köferl. 1929 brannte das Gebäude ab.

Ebenfalls im Jahr 1575 kaufte Caspar Köferl das zweite Burggut in Eschenbach. Auch er ließ umbauen, die Baurechnung ist jedoch nicht erhalten. Das Haus brannte 1929 ab.

Caspar Köferl stammte aus Kemnath und war katholischer Priester in Eschenbach. 1550 ging er zum Studium an die Universität Wien und wurde evangelisch-lutherisch. Er wechselte in die kaiserliche Verwaltung am Wiener Hof und zog mit Kaiser Rudolf II. nach Prag, wo er es an dessen Hof bis zum Verwalter der Hofküche brachte, die täglich etwa 600 Essen ausgab.

Köferl starb im Dezember 1585 in Regensburg. Da der damalige Eschenbacher Pfarrer um 1580 ebenfalls dem Calvinismus zugeneigt war, ging Köferl nicht mehr zum Abendmahl. Seine Witwe ließ ihn in der Stadtpfarrkirche St. Laurentius begraben und bestellte dafür in Amberg ein Epitaph, das heute noch im Chorraum des Gotteshauses zu finden ist. Der zugehörige Abschluss des Grabes befindet sich in der Außenwand.

Köferl war kinderlos, so dass das Burggut zuerst an die lutherischen Glasers ging und schließlich bis 1628 in Händen des Neffen Hans Köferl blieb. Dieser starb, kurz bevor er mit Gewalt aus der Oberpfalz vertrieben worden wäre: Er wollte nicht katholisch werden.

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Thurndorf bei Kirchenthumbach

1593 setzten dann andere Fürsten Deutschlands durch, dass beide protestantischen Konfessionen geduldet wurden. Sofortige Entlassungen lutherischer Beamter und Pfarrer waren nicht mehr üblich.

Interessant ist das Schicksal beider Witwen. Die Frau von Caspar Köferls starb reich und hinterließ auch den Eschenbacher Armen viel Geld. Sie war eine geborene Widmannstetter: Ihr Vater war einer der führenden Gelehrten Europas, der es bis zum Sekretär des Papstes brachte. Eine ihrer Schwestern liegt deshalb auch auf dem Campo Santo Teutonico im Vatikan begraben.

Der Witwe von Johannes Albrecht dagegen ging es schlecht. Als zweite Frau hatte sie die sechs Kinder des Neumarkter Kanzlers groß gezogen. Die drei Töchter überlebten sie. Eine heiratete den Richter von Reichenbach, eine den Richter aus Kirchenthumbach und eine Hans Köferl. Die drei Söhne starben, einer von ihnen in Italien.

Das Burggut konnte aber nur ein männlicher Erbe verliehen bekommen. Die Witwe musste folglich ausziehen und bekam von dem Geld – es war weitgehend ihr Heiratsgut –, das sie in den Umbau gesteckt hatte, sehr wenig zurück. Pensionsberechtigung für Beamtenwitwen gab es eigentlich auch nicht. Der Streit ging über viele Jahre, was dazu führte, dass ein dicker Akt darüber im Staatsarchiv Amberg zu finden ist.

Der Heimatverein Eschenbach plant für 2021 eine Ausstellung zu den Eschenbacher Burghuten. Dann werden Geschichtsinteressierte noch viel mehr darüber erfahren.

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