24.05.2020 - 11:06 Uhr
EschenbachOberpfalz

Stadtverband: Primiz als Geburtsstunde

Vor 40 Jahren feierte Jungpriester Ludwig Gradl in seiner Heimatstadt Eschenbach feierliche Primiz. Während der Vorbereitungen darauf fassten die Vorstände der Vereine einen Gründungsbeschluss. Es war die Geburtsstunde des Stadtverbandes.

Rudolf Morgenstern (rechts) war der "Spiritus Rector" des Stadtverbandes.
von Walther HermannProfil

Aus heutiger Betrachtungsweise war die Besprechung der anstehenden Feierlichkeiten die erste Vollversammlung des Stadtverbandes. Am 20. Mai 1980 ging es um den Ablauf des öffentlichen Teils der Primiz am 6. Juli 1980 und die Einigung auf ein gemeinsames Geschenk an den Primizianten, das dann ein Messgewand war.

Als Vertreter der Waldjugend machte Rudolf Morgenstern nach Beendigung der „Primizgespräche“ den Vorschlag, die Zusammenarbeit der örtlichen Vereine in einem Stadtverband zu institutionalisieren, wie es ihm von Grafenwöhr her bekannt war. Morgenstern wurde 1951 im ehemaligen Reicharbeitsdienstlager in der Pressather Straße geboren, in dem seine Eltern nach der Vertreibung aus dem Sudetenland eine erste Unterkunft gefunden hatten. Im Zuge der Auflösung des Lagers verzog die Familie nach Grafenwöhr, wo Rudolf seine Jugendjahre verbrachte.

Nach dem Studium für das höhere Lehramt begann er im September 1979 seine Lehrtätigkeit am Eschenbacher Gymnasium. Im Sommer des gleichen Jahres war er beim Landeslager der Deutschen Waldjugend zum Landesjugendleiter gewählt und daher zu diesem Primiztermin der Vereine geladen worden.

Sein Vorschlag zur Gründung eines Stadtverbandes fand Zustimmung, da die Vereine die Abstimmung der Veranstaltungstermine und die Möglichkeit der Veröffentlichung von Vereinsnachrichten in den „Stadtverbandsnachrichten“ als Beilage zum kurz vorher aufgelegten „Stadtboten“ als sinnvoll erachtete. Die Versammlung ernannte Bürgermeister Walter Ficker, Josef Bartl, Heinrich Karpf, Klaus Lehl und Rudolf Morgenstern zu Mitgliedern des Gründungsvorstandes. Eine Arbeitsgruppe bereitete die Satzung vor.

Bei der Gründungsversammlung am 21. Oktober 1980 wurde Rudolf Morgenstern zum Vorsitzenden und Heinrich Karpf zu seinem Stellvertreter gewählt. Klaus Lehl und Josef Bartl komplettierten als Kassier und Schriftführer den Vorstand.

Nach zwei Amtsperioden wollte Morgenstern 1988 nicht erneut zur Kandidatur antreten. Er begründete dies damit, dass er seine Ideen, so weit sie zu verwirklichen waren, eingebracht habe und „der Laden ganz gut funktioniert“, ließ sich dann jedoch noch einmal zur Übernahme des Chefamts überreden.

Sein Vorschlag, die Vereine sollten wie auch andernorts einen Teil ihres Erlöses aus dem Bürgerfest einem gemeinsamen Topf für ein Projekt der Vereine zukommen lassen, fand keine Zustimmung. Auch der Bürgermeister war dagegen. Auf Morgensterns Initiative geht aber die „Auferstehung“ des seit vielen Jahren schlummernden Faschingszuges zurück. Wegen des erheblichen Aufwands für die Vereine wurde er jedoch nicht gleich zu einer dauerhaften Einrichtung, wie wir sie seit Jahren kennen.

1990, nach zehnjährigem Wirken, erklärte Morgenstern mitten in seiner dritten Amtsperiode seinen Rücktritt. Ihm war daran gelegen, dass ein neuer Kopf frischen Wind in den Verband bringt. Noch heute erinnert er sich daran, wie er nach seinem Rücktritt geradezu in Ungnade gefallen sei. Seit Jahrzehnten in die Aktivitäten der BRK-Bereitschaft eingebunden, nimmt er jedoch nach dem schmerzhaften Ausfall des allseits geschätzten Siegfried Luber mit oder anstelle dessen Nachfolgerin Marina Bernhard wieder an Vollversammlungen des Stadtverbandes teil.

Vier Jahrzehnte Stadtverband sind verbunden mit weiteren personellen Veränderungen. Ab November 1990 „regierte“ Vinzenz Dachauer nahezu ein Vierteljahrhundert das Gremium, ehe er im November 2014 sein Amt an Dieter Kies übergab.

Die Tätigkeit von Heinrich Karpf als zweiter Vorsitzender endete im November 1991. Seine Nachfolge trat von November 1991 bis November 2006 Bruno Uhl an. Relativ kurz war die Amtszeit von Harald Neustätter, die durch dessen berufliche Veränderung bereits im Mai 2009 endete. Kassier Dieter Kies übernahm bis zur Wahl im Oktober 2010 den Posten kommissarisch. Seit September 2014 engagiert sich Michael König als stellvertretender Vorsitzender.

Als Schriftführer löste Peter Hübl im November 1984 Josef Bartl ab. Von allen Funktionsträgern brachte sich Hübl am längsten für den Stadtverband ein. Denn erst im November 2010 übergab er an Reinhard Sperber. Als der Geschäftsführer der Verwaltungsgemeinschaft beruflich nach Rothenburg ob der Tauber wechselte, stellte Dieter Kies bei der Frühjahrsversammlung im April 2018 Uta Nürnberger als kommissarische Nachfolgerin vor. Die Wahl folgte im November des gleichen Jahres.

Als Gründungsmitglied hatte Klaus Lehl bis November 1988 die Kassengeschäfte übernommen. Es folgten bis November 2002 Richard Engelhardt und bis November 2010 Dieter Kies. Seither ist das Finanzgeschehen des Stadtverbandes bei Rosi Wohlrab in besten Händen. Bei einem Festakt in der Aula der Markus-Gottwalt-Schule ernannte der Stadtverband Vinzenz Dachauer am 27. Februar 2015 zum Ehrenvorsitzenden.

Da die bisherigen Bürgerfeste stets mit einem katholischen Gottesdienst am Stadtplatz begonnen hatten, nutzte Pfarrerin Anne Utz die Vollversammlung im November 2015 als Forum für einen salomonischen Vorschlag: „In Eschenbach sind etwa ein Fünftel der Einwohner evangelische Christen. Da könnten wir doch alle fünf Jahre das Bürgerfest mit einem evangelischen Gottesdienst beginnen“, regte sie an.

Während Utz auf das Verbot eines ökumenischen Sonntagsgottesdienstes durch das Bistum Regensburg verwies, berief sich Pfarrer Thomas Jeschner auf die Dogmatik: „Für Katholiken stellt am Sonntag die Kommunionfeier die Erfüllung der Christenpflicht dar.“ Die anwesenden Bürgermeister sahen in einem Fünf-Jahres-Rhythmus eine praktikable Regelung, die bereits 2017, im Jahr des 500. Jubiläum der Reformation, zum Tragen kam.

Vinzenz Dachauer (rechts), wie ihn seine Eschenbacher kannten: hier als Schirmherr beim Starkbierfest der "Pilots".
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.