21.04.2021 - 11:56 Uhr
EschenbachOberpfalz

Stadtrat Eschenbach: Neuer Bebauungsplan "Bahnhofsgelände"

Bei drei Gegenstimmen aus der SPD-Fraktion beschließt der Eschenbacher Stadtrat das Ende einer schier unendlichen Geschichte: die Änderung des Bebauungsplanes „Bahnhofsgelände“. Beteiligung der Öffentlichkeit und der Behörden folgen.

Im rechten Teil des seit 1904 nahezu unverändert gebliebenen Bahnhofsgebäudes befand sich der Wartesaal.
von Walther HermannProfil

Ein neues Konzept für den Bebauungsplan hatte der Stadtrat bereits am 12. März 1997 einstimmig beschlossen. Der Änderung lag vor einem Vierteljahrhundert der Plan von Architekt Klaus Stiefler zugrunde, der statt ursprünglich einer Häuserzeile zwei Gebäudereihen vorsah. Er hatte in seinem Plan Überlegungen des Stadtrats berücksichtigt, das südlich angrenzende Böschungsgelände in den Bebauungsplan einzubeziehen.

Nach weiteren Beratungen am 3. August 2000 und am 28. März 2001 stellte der Stadtrat am 20. September 2001 die vierte Änderung des Landschafts- und Flächennutzungsplanes fest und beschloss die Satzung zum Bebauungsplan. Das danach einige Jahre später beabsichtigte Bauvorhaben wurde jedoch nicht umgesetzt.

Das Gelände der ehemaligen Gleisanlagen, Lagerhallen und Holzlagerstätten wurde seither als Lagerplatz für sehr unterschiedliche Materialien genutzt. Am 25. September 2008 fand dann ein Vorschlag der SPD-Fraktion, das Areal für den Neubau von Feuerwehrgerätehaus und Bauhof zu nutzen, keine Mehrheit im Stadtrat.

Mit seinem Beschluss vom 17. September 2020, die als Bauland ausgewiesene Fläche an die „Midco/ESB Immo“ zu veräußern, gab das Gremium – nach dem bereits lange zurückliegenden Ende der Eisenbahnhistorie in der Rußweiherstadt vor 72 Jahren – den Startschuss für die Ära "Wohnbebauung". Die vorbereitenden, sehr aufwendigen Erdarbeiten dafür haben bereits begonnen.

In der April-Sitzung des Stadtrats stellte Willi Staudner vom gleichnamigen Planungsbüro nun den geänderten Bebauungsplan mit Stellplätzen und zwei- bis dreigeschossigen Wohngebäuden vor. „Die Grundflächenzahl bleibt unverändert. Wir schaffen mehr Wohnraum und verhindern Flächenfraß“, machte der deutlich. Sein Rohkonzept enthielt für den südlichen Bereich Doppel-, für den nördlichen Bereich Reihenhäuser.

Als Thomas Ott die vorgesehene Änderung der Örtlichkeit der Gebäude ansprach, gab Staudner zu bedenken, dass das Bauvorhaben mit den „bisherigen Grundstücksflächen nicht funktionieren würde“ und weniger Wohnflächen zur Verfügung stünden. Zur Frage von Udo Müller nach Stellplätzen versicherte der Planer: „Stellplätze werden in der Satzung ausgewiesen.“

Zufriedenstellend fiel auch die Antwort für Harald Neustätter aus, den die Kosten für das erneute Prozedere interessierten: „Der Investor trägt die Kosten des Verfahrens.“ Das Umwelt-Thema griff Franz Fuchs auf. Er wollte wissen, ob die Bäume im südlichen Böschungsbereich erhalten bleiben. Die Antwort gab Forstwirtschaftsmeister Reinhard Wiesent: „In Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde wurden größere Bäume bereits entfernt.“

Die sehr wechselvolle Geschichte des jetzigen Baugebiets begann am 19. Juli 1904, als bei Festtagsstimmung mit Musik, Vereinsfahnen und Präsenz örtlicher Honoratioren erstmals ein Zug der Königlich Bayerischen Bahn dampfend in die neue Station Eschenbach einfuhr. Vom Pressather Bahnhof kommend hatte er die Haltestellen Pressath-Stadt, Grafenwöhr, Gössenreuth, Tag und Thomasreuth passiert. Die Rußweiherstadt hatte Anschluss an die sprichwörtlich „weite Welt“ erhalten. Der ganze Ort war auf den Beinen, um dieses Ereignis nicht zu versäumen.

Am 18. Juli 1954 befuhr ein geschmückter Sonderzug die Strecke. Zum Empfang der Ehrengäste standen Schulkinder mit Blumen Spalier am Bahnhof. Im Ackermannsaal fand die Jubiläumsfeier „50 Jahre Lokalbahn“ statt; es sang und musizierte der aus 62 Jugendlichen bestehende Berliner Mozart-Chor, und in der Volksschule erinnerten eine Ausstellung und Filmvorführungen an den ersten Zug im Jahr 1904.

Doch bald folgte der Rückzug der Bahn auf Raten, für den bereits 1952 erste Pläne bestanden. 1962 stellte die Bundesbahn den Personenverkehr ein, zum 30. Mai 1976 folgte das Ende des Güterverkehrs. Am 13. März 1978 begann der Abbau der Gleise, am 19. Oktober 1978 beendete der Abbruch der Bahnbrücke in der Grafenwöhrer Straße endgültig die örtliche Bahngeschichte.

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Eschenbach
Hintergrund:

Obdachlosenunterkunft und Lagergelände

  • Für das Bahnhofsgebäude, ein Bauwerk aus wilhelminischer Zeit, wurde nach dem Ende des Bahnverkehrs auf Vermittlung von MdB Max Kunz der Stadt ein Vorkaufsrecht eingeräumt. Im Juni 1983 ging es für gut 77 000 Mark in den Besitz der Kommune über, die es zunächst als Obdachlosenunterkunft nutzte.
  • Nachdem beim Heimatverein die Idee eines „Kulturbahnhofes“ geboren worden war, wollte der Stadtrat das Gebäude 1995 „einer zeitgemäßen Verwendung zuführen“. Gedacht war an ein „Haus der Musik“. Die hohen Sanierungskosten von mehr als einer Million Mark machten dieses Vorhaben aber zunichte.
  • Am 4. Dezember 1995 wurde der Bahnhof in Privathand veräußert. Die neuen Eigentümer sanierten die historische Bausubstanz mit viel Fingerspitzengefühl.
  • Den Bereich der jetzigen Wohnbebauung nutzten einst die Anlieferer von Lang- und Grubenholz, die Kohlenhandlung Lorenz Schmidt, der Brieftaubenverein Eschenbach, die Firma Hermann Hild und das Raiffeisenlagerhaus.
  • Ein Teil der Lagerhaushallen fiel in der Nacht vom 1. auf 2. März 1992 einem Brand zum Opfer, zu dessen Bekämpfung die Wehren von Eschenbach, Grafenwöhr, Pressath, Kirchenthumbach, Speinshart, Tremmersdorf und Burkhardsreuth alarmiert wurden. (rn)
Hintergrund:

"Elendes Züglein gleicht Güterzug"

Als die Bahn 1952 ihre Absicht bekannt gab, auf der Strecke Pressath – Kirchenthumbach verschiedene Personenzüge wegen Unrentabilität durch Omnibusse zu ersetzen, regte sich bei allen Mitgliedern des Eschenbacher Stadtrats schärfster Protest.

Der damalige Bürgermeister Hans Scherm betonte, die Oberpfalz und gerade des Grenzlandgebiet würden als verlassene Gegend angesehen. Sie sei nur dazu gut, Steuergelder zu zahlen und "zu vegetieren". Man habe das Gebiet mit Heimatvertriebenen "bis zum unerträglichen Maß angefüllt", verspreche eine Umsiedlung, sorge aber nicht dafür, dass die Menschen Arbeit und Verdienst fänden.

Im Gegenteil, man wolle die einzige "Sackbahn", da unrentabel, noch weiter einschränken und später vielleicht ganz einstellen. „Das elende Züglein gleicht sowieso nur einem Güterzug, nicht einem Personenzug, und die elenden Wagen sind für ein Notstandsgebiet gut genug“, ereiferte sich Scherm und stellte die Frage, ob vielleicht die eleganten Luxuszüge mit wenigen Personen rentabel seien.

Weiter fragte der Bürgermeister, ob die Bahn eine Gesellschaft oder ein Unternehmen des ganzen Volkes sei. Gerade die Oberpfalz sei „Blutspender des Volkes“.

Scherm forderte nicht nur die Aufrechterhaltung, sondern sogar den Ausbau der Strecke. Die ursprünglich angedachte Verbindung von Kirchenthumbach nach Auerbach war ohnehin nicht zur Ausführung gekommen.

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