24.07.2020 - 12:20 Uhr
EschenbachOberpfalz

Seit 1358 Eschenbacher Bier

Bier aus dem eigenen Kommunbrauhaus in geselliger Runde zu trinken, das war früher die liebste Freizeitbeschäftigung der Eschenbacher. Dazu ging es in eine der zahlreichen Zoiglwirtschaften.

Bild aus den Felsenkellern mit den Kommunbrauern Baptist Groß ("Boderweber-Bist"/links) und Johann Groß ("Kühl-Hans").
von hevProfil

In der Stadterhebungsurkunde von 1358 wird zwar das Braurecht nicht ausdrücklich erwähnt, die Eschenbacher Brauer erhalten jedoch vom Kaiser eine Monopolstellung zugewiesen, denn es heißt darin: „Auch verleihen wir die vollkommene Macht und Gewalt, allen Kretzen (Gaststuben) und allerlei Handwerkern zu wehren, zu verbieten und zu stören in allen Dörfern um und um bei einer Meile Weges.“ Dieses Monopol innerhalb einer Wegstrecke von circa 7,5 Kilometer nach heutiger Rechnung wurde über die Jahrhunderte immer wieder heftig verteidigt gegenüber den Braurechten des Klosters Speinshart zum Beispiel, die deshalb nur für den Eigenbedarf galten.

1557 wurden in Eschenbach 772 Eimer Bier gebraut. Das entsprach in etwa über 50 000 Litern. Das Kommunbrauhaus stand damals am unteren Marktplatz, neben dem jetzigen katholischen Pfarrhof.

Zwei Malzhäuser zur Bereitung des Gerstenmalzes standen den Brauern zur Verfügung. Das „Vordere Malzhaus“ befand sich bis 1901 an der Stelle des heutigen Stadtcafés, das „Hintere Malzhaus“ in der Wassergasse existiert bis heute. Es wurde im Jahre 1607 erbaut und ist jetzt das älteste Malzhaus der Oberpfalz. Den zum Bierbrauen nötigen Hopfen baute man in Eschenbach selbst an. Noch im 19. Jahrhundert gab es ungefähr 13 Hopfengärten rund um die Stadt.

In den weitläufigen Felsenkellern im Stadelviertel an der Grafenwöhrer Straße sowie in der Stegenthumbacher Straße unterhalb des heutigen Krankenhausgartens wurde die Maische zum Gärprozess in großen „Koufn“ und anschließend in großen Holzfässern mit über 300 Litern Fassungsvermögen eingelagert. Die Felsenkeller sind größtenteils erhalten und sollen im Zuge eines „Eschenbacher Bierweges“ der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Wer sich über das Kommunbrauwesen in Eschenbach näher informieren will, kann dies am morgigen Sonntag im Museum „Beim Taubnschuster“ tun. Das alte Ackerbürgerhaus mit Museum, Kulturhof, Garten und Zoiglstuben ist von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

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