03.07.2020 - 12:01 Uhr
EschenbachOberpfalz

"Der schönste Platz in Eschenbach"

Pack die Badehose ein - und dann geht's hinaus zum Rußweiher: Die sommerlichen Temperaturen laden wieder ein zu einem Besuch im Freibad. Das war früher auch nicht anders.

Zum Baden durften alle in die Rußweiher-Badeanstalt - wenn auch tageweise nach Geschlechtern getrennt. Aber nur die Familie des Bezirksamtmannes Ludwig von Brandt besaß einen Kahn, mit dem sich die Familienmitglieder am See verlustierten. Zu sehen ist das Foto derzeit in der Sonderausstellung "Nach der Arbeit - Die Freizeit unserer Großeltern" im Museum "Beim Taubnschuster".
von hevProfil

Seit 1901 betrieb der Verschönerungsverein, der Vorläufer des Heimatvereins Eschenbach, am Rußweiher eine öffentliche Badeanstalt mit einer streng reglementierten Badeordnung, die getrennte Tage für die Nutzung durch das männliche und das weibliche Geschlecht vorsah. Einen Bootsverleih gab es damals noch nicht, nur die Familie des Bezirksamtmannes Ludwig von Brandt, der im Eschenbacher Schloss (Landratsamt) residierte, besaß einen Kahn, mit dem sich die Familienmitglieder am See verlustieren konnten.

Barbara Funk-Ott, eine Enkelin des damaligen Bezirksamtmannes (1912 bis 1931), berichtete 2015 in der "Heimat Eschenbach", dass für die Familie von Brandt der Rußweiher "der schönste Platz in Eschenbach" war. "Dort trifft man sich im Sommer in der Badeanstalt mit Freunden zum Schwimmen, Rudern und dem Austausch von Neuigkeiten. Den Kindern wird schon früh das Schwimmen beigebracht, das Wasser ist ihr Element."

Dazu erzählte sie eine Anekdote: "Für den Rußweiher gibt es einen Buben- und einen Mädchentag, eine Regelung, an die sich alle halten – außer Henriette von Brandt, die Frau des Regierungrates. Sie nimmt ihre Tochter mit zum Baden, als ihnen Nachbarskinder zurufen: 'Schau, die ziehen am Bubentag ins Schwimmbad, dürfen die das überhaupt?' Tochter Lotte geniert sich und will zurück. Doch Henriette setzt sich darüber hinweg und badet mit ihrer Tochter am Bubentag."

Heimatdichter Franz Streit hat in seinem Gedicht "Sua woas fröia!" die Rußweiherszenerie treffend beschrieben: "Wenn`s ganga is san ma zum Roußweia g`lofn, san mit Pins`n umma g`schwumma, daß ma niad is dasoff`n. Doch sua a 'Schmuckstück' von einem Kahn hatte doch nur der Herr Bezirksamtmann."

In den 1930er Jahren ging die Rußweiher-Badeanstalt in den Besitz der Stadt Eschenbach über. Nach dem Krieg entstanden zahlreiche private Badehäuser am Nordufer des Sees, die heute das Bild des Gewässers prägen.

Schwimmen und Bootfahren am Rußweiher gehören seither zu den sommerlichen Freizeitaktivitäten der Eschenbacher und ihrer Gäste aus Nah und Fern. Das Foto mit dem Kahn der Familie von Brandt hängt zur Zeit im Museum "Beim Taubnschuster" in der Ausstellung "Nach der Arbeit - Die Freizeit unserer Großeltern", die am morgigen Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet ist.

Mehr über die Sonderausstellung des Heimatvereins

Eschenbach

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