23.06.2021 - 11:51 Uhr
EschenbachOberpfalz

Schlamm im Rußweiher: Experte präsentiert Ergebnisse der Behandlung

Der Rußweiher drohte zu verschlammen, deswegen wurde ein Fachunternehmen beauftragt einen Schlammlöser einzubringen. Nach zwei Jahren präsentiert Diplom-Chemiker Thomas Willuweit nun die ersten Ergebnisse.

Ein Fachunternehmen brachte 2019 und 2020 einen Schlammlöser im Rußweiher ein.
von Walther HermannProfil

Diplom-Chemiker Thomas Willuweit stellte den Eschenbacher Stadträten die Ergebnisse der bisherigen Behandlungen mit dem Schlammlöser "Schlixx" im Rußweiher vor. Bei den Anwendungen 2019 und 2020 wurden im Rußweiher insgesamt 43.000 Kubikmeter Schlammvolumen abgebaut.

Als Geschäftsführer der Firma Söll informierte Willuweit den Stadtrat eingehend über Wirkung und Erfolg des in den Rußweiher eingebrachten Schlammlösers. Er räumte ein, dass der erhoffte Erfolg der ersten Aktion im oberen Teil des Gewässers im Herbst 2016 durch das nur wenige Wochen später erfolgte Abfischen des Obersees erheblich gemindert wurde.

Detailliert blickte er auf die Behandlungen mit dem Schlammlöser zurück: In der Zeit vom 15. bis 17. April 2019 wurden auf 17 Hektar Wasserfläche acht Tonnen des hochwirksamen mineral-biologischen Produkts eingebracht. Sie bewirkten einen Schlammabbau von zirka 30.000 Kubikmetern. Ein erneutes Einbringen von neun Tonnen vom 2. bis 4. Juni 2020 auf einer Fläche von 19 Hektar erbrachte einen weiteren Schlammabbau von zirka 13.000 Kubikmetern. Den zusätzlichen Schlammabbau im Freibadbereich bezifferte Willuweit mit zirka 200 Kubikmeter.

Mit Bildern dokumentierte er das begehbare sandige Sediment im Westareal beim Campingplatz am Südufer, das Weichsediment vom Ufer bis zur Seemitte des Westareals beim Hexenhäusl und das begehbare sandige Sediment im Ostareal des Freibads, das die Sportangler beim Abfischen des Rußweihers Anfang Oktober 2020 als sehr vorteilhaft empfunden haben. Er berichtete von einer Ortsbegehung, bei der sich „am 2. Oktober 2020 zeigte, dass insbesondere entlang der Uferflanken und im Freibadbereich kaum nach Weichsediment, Faulschlamm, vorhanden war, sondern stattdessen kompaktes, sandiges Substrat.“

Im westlichen Seebereich sei in der Nähe des Hexenhäusls an den Uferflanken noch bis zu zehn Zentimeter Weichsediment angetroffen worden. Willuweit verwies auf mehrere hundert Stellen Monitoring für das Pilotprojekt des Landesamtes für Umwelt und die Messung der Wasserbeschaffenheit des Kleinen Rußweihers vor, während und unmittelbar nach der Zugabe des Schlammlösers. Einen erkannten steten Sedimentaufbau schrieb er dem Zulauf aus dem Obersee zu.

Die Ergebnisse der Messung von Ammonium, Calcium und der Säurekapazität ergänzte er mit Angaben zu den Phosphorquellen im Kleinen Rußweiher. Unter Hinweis auf 53 Wasserhäuser, das Freibad, zwei Campingplätze und die Tagesgäste erklärte der Referent: „Ein Schwimmer gibt in einer Stunde durchschnittlich 28 mg Phosphor an das Badegewässer ab. Nicht berücksichtigt ist, wenn der Badende im See zusätzlich Harn lässt, zirka 825 mg/L.“ Als Faustregel nannte er: „Zirka 30 Sekunden Duschen bringt 80 Prozent weniger Eintrag.“

Mit seiner Nachricht, dass es während der Behandlung mit dem Schlammlöser und in der Folgezeit keine Beeinträchtigung der Wasserbeschaffenheit gegeben hat, wiederholte der Chemiker indirekt seine Aussage vom Juni 2020, wonach nach seinem Kenntnisstand von keiner akuten, nur von einer abstrakten Gefährdung ausgegangen werden kann. Das Gesundheitsamt hatte als vorbeugende Maßnahme ein zweiwöchiges Badeverbot erlassen.

Den von der Behandlung ausgesparten Teichrosenbeständen bescheinigte Willuweit eine „gute bis sehr gute Vitalität“. Er sprach von „hervorragenden Abfischergebnissen“ des Sportanglervereins und stellte Kosten gegenüber: „Die spezifischen Kosten betrugen kumuliert 3,20 Euro pro Kubikmeter. Beim Ausbaggern und Entsorgen ist mit spezifischen Kosten von 100 Euro pro Kubikmeter zu rechnen.“ Mit Genugtuung verwies er darauf, dass der Kleine Rußweiher das bayerische Referenzgewässer für die Anwendung ist.

Den Stadträten schlug Willuweit eine Fortsetzung der Maßnahme auf einer Stellfläche von 5 Hektar und eine kleine Machbarkeitsstudie zum Partikelrückhalt aus dem Obersee vor. Als Ausblick diente ihm ein Bild vom Mühlenteich Georgsmarienhütte mit prächtigem Seerosenbestand.

Die Schlammkur als umfassendes Gewässermonitoring-Programm des Bayerischen Landesamts für Umwelt in Zusammenarbeit mit dem Wasserwirtschaftsamt Weiden beobachteten vor einem Jahr die Biologin Dr. Andrea Gall, Professor Tilmann Lüders, Experte für Umweltökonomie und Toxikologie für Gewässer und Sedimente und die Biologin Juliane Valle, beide von der Universität Bayreuth, sowie der an einem Dresdner Umweltbüro tätige Dr. Kai-Uwe Ulrich.

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