28.05.2021 - 08:58 Uhr
EschenbachOberpfalz

Pfingsturlaub im Landkreis Neustadt/WN: Von FFP2-Maske und Bikini bis zum Wintermantel

Kühle 8 Grad, dicke Regenwolken am Himmel und dann auch noch die Coronapandemie. Nicht gerade die besten Voraussetzungen für einen Pfingsturlaub im Landkreis Neustadt und in Weiden. Ist trotzdem etwas los? Oberpfalz-Medien hat nachgeschaut.

Wer keinen negativen Corona-Test mitbringt, muss sich unter Aufsicht des Campingplatz-Betreibers Günter Götz (stehend) selbst testen. Ein Spektakel im Freien vor der Kulisse des Rußweihers, das von den Eschenbacher Dauercampern bei einem Glas Weißbier gelassen akzeptiert wird.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

Eisig pfeift der Wind an diesem Donnerstagmorgen über die Hügel in Hinterbrünst bei Georgenberg, in der Ferne marschieren zwei Frauen einsam einen Weg entlang. Eingewickelt in dicke Jacken und Schals, die Rucksäcke umgeschnallt, schauen sie sich die Landschaft im Landkreis Neustadt/WN an, knipsen mal hier ein Foto, mal da. Obwohl dunkle Regenwolken über der Region hängen und kalte Windböen die Pfingstferien in diesem Jahr ordentlich beuteln, ist die Laune der zwei Freundinnen richtig gut. Sie lachen miteinander, freuen sich über Ruhe und die Erholung. Seit einer Woche sind Maria Freitag und Gudrun Wenzel (beide 67) aus Thüringen in der Oberpfalz zu Besuch – trotz Corona-Pandemie und schlechtem Wetter. In "Utes Pension" in Hinterbrünst haben sie sich ein Zimmer gebucht und unternehmen von dort aus ihre Wanderungen. "Wenn es mal nicht regnet", scherzt Wenzel. Die Freundinnen sind besonders von der Ruhe und Idylle dort begeistert. "Das kennen wir so nicht", erklärt Freitag. Sie findet es gerade schön, dass durch die Corona-Pandemie nicht ganz so viele Touristen in Hinterbrünst und Umgebung unterwegs sind wie sonst.

Dass wenig los ist, macht sich vor allem auch auf den Parkplätzen der Pensionen bemerkbar. Bei der einen stehen vier Autos, bei der anderen gar keine. Maria Holfelder, Chefin des Landhotels Kastanienhof in Hinterbrünst, lacht am Telefon laut auf, als sie erzählen soll, wie viele Touristen bei ihr momentan einquartiert sind. "Aktuell nur Geschäftsreisende. Alle Gäste, die über Pfingsten kommen wollten, wollten nicht testen und haben deshalb storniert", bedauert sie. Der Elan, sich mit den vielen Vorschriften und Regeln auseinanderzusetzen, fehle bei den Urlaubern noch, meint sie. "Da brauch' ma noch paar Lockerungen und Sonnenschein."

In Weiden ist die Situation ähnlich. Unter der Woche hat das "Klassik Hotel am Tor" nur Geschäftsreisende zu Gast. Zumindest am Pfingstwochenende waren jedoch 35 Touristen da. "Es ist aber nicht so, dass man sagen kann, dass wir überfallen würden. Wenn wir voll sind, haben wir 60 – so als Vergleich", beschreibt Geschäftsführer Thomas Heigl die Situation. "Und warum bleiben die Leute nicht über die Woche, weil das Wetter so blöd ist", gibt er gleich selbst die Antwort. Immerhin: Für dieses Wochenende haben sich erneut Gäste angemeldet.

Mit den Hufen gescharrt

Ganz anders dagegen auf der Campinganlage am Gaisweiher in Flossenbürg: Sie ist ausgebucht, erzählt Mitarbeiter Jonas Meiler bei einem Rundgang über den Platz mit seinen 200 Stellflächen. Auflagen wie alle zwei Tage zum Testen halten Dauercamper und neue Camping-Fans nicht von der Erholung mit dem Wohnmobil ab. Es herrscht reger Betrieb, berichtet er. Und tatsächlich: Sobald sich die Sonne einen Weg durch die Wolkendecke gebahnt hat, geht hier eine Wohnwagentür auf, zupft dort eine Frau Unkraut aus der Erde, und zwei junge Burschen lassen sich die Sonne auf die Haut scheinen. Kurze Zeit später riecht es auch schon nach Grillanzünder. Mittendrin auf dem Platz: Silvia (55) und Reinhold Bischof (54) aus der Nähe von Regensburg. Das Paar kommt seit 18 Jahren zum Urlaubmachen an den Gaisweiher. "Wir haben schon gewaltig mit den Hufen gescharrt, dass es los geht", erzählt Reinhold Bischof von der Sehnsucht nach dem Gaisweiher. Gleich am ersten Tag, als Camping wieder erlaubt war, reiste die Familie an. Pandemie und Kälte hin oder her. "Wir hatten schon schlechteres Wetter", erinnert sich der 54-Jährige und lehnt sich entspannt an einen Pfosten seines Domizils. Seine Frau steht, eingekuschelt in eine Strickjacke, neben ihm. Sie wollen die gesamten Pfingstferien in Flossenbürg verbringen. "Wir haben alles dabei, von Bikini bis zum Wintermantel", schmunzelt sie. Und natürlich FFP2-Masken, denn die müssen in den Gemeinschaftsräumen auch getragen werden. Auf dem Campingplatz gehe jeder aber äußerst verantwortungsvoll mit der Krisensituation um, erzählt das Paar. Sind beispielsweise schon zwei Personen im Gemeinschaftsbad, wartet die dritte ohne Murren draußen. Alle würden aufeinander achtgeben.

In Eschenbach hat Günter Götz seinen Campingplatz am Rußweiher mit gemischten Gefühlen geöffnet. Zweifach Geimpfte, Genesene zwischen 28 Tagen und 6 Monaten, Genesene mit einer Impfung, Gäste mit Negativtest und FFP2-Masken-Pflicht: „Ich komme mir beim Kontrollieren vor wie ein Grenzpolizist und ein Beauftragter des Gesundheitsamtes zusammen“, gesteht der Chef von 160 Stellplätzen. „Die Auflagenflut ist kaum noch überschaubar“, stöhnt er. Erst kurz vor Pfingsten habe er Informationen bekommen, wie er sich zwei Tage später ab 21. Mai bei der Wiedereröffnung zu verhalten habe. Der große Aushang auf dem Gelände ist bestückt mit weiteren Sicherheitsvorschriften, die zu beachten sind.

Gleichzeitig erhält Götz eine Flut von E-Mail-Anfragen und Anrufen zu den aktuellen Bedingungen. Ein Kunststück, dann auch noch für die Camper am Rußweiher da zu sein. Die danken es ihm allerdings sehr. „Nach siebenmonatiger Abstinenz freuen wir uns unendlich auf ein paar unbeschwerte Tage in unserem zweiten Zuhause am Rußweiher“, ist ein Ehepaar aus dem Nürnberger Raum beseelt von der gewohnten Camper-Romantik. Aber: Auch die Stammgäste müssen viel Flexibilität mitbringen. Für sie tut sich eine Menge an Vorschriften auf. „So viele, dass es ein größerer Teil an Dauercampern vorzog, erst gar nicht anzureisen“, weiß der Platzeigentümer. Besonders die Verpflichtung, spätestens alle 48 Stunden einen neuen negativen PCR- oder Schnelltest vorlegen zu müssen, stoße sauer auf. Um es den Ankömmlingen aber so einfach wie möglich tu machen, arrangierte Götz am Pfingstsonntag als besonderen Service Schnelltests für alle. Ein Spektakel, das die Camper geduldig und mit humorvollen Bemerkungen über sich ergehen ließen.

Verwaistes Waldnaabtal

Während auf den Campingplätzen im Landkreis viel los ist, wirkt das Waldnaabtal zwischen Falkenberg und Windischeschenbach am Donnerstag eher verwaist. Vom Wanderparkplatz Ödwalpersreuth aus gestartet, bleibt der Weg entlang schroffer Felsen und rauschender Naab zur Blockhütte zunächst leer. Erst kurz vor der Hütte marschieren vereinzelt Wanderer, knirschend gibt der Kies unter ihren Schuhen nach. Meist sind es Familien, die die Pfingstferien nutzen. Bei der Felsformation "Butterfass" sitzen Alexandra Eberle und Bernd Wittmann auf einer Bank, die Kinder schauen sich am Ufer des rauschenden Bachs um. Eine Woche bleibt die Familie, die in einer Ferienwohnung bei Mähring einquartiert ist. Ihr gefällt es in der Region. Für die Ausflüge haben die Vier stets Brotzeit in den Rucksäcken. "Weil man nicht weiß, ob etwas auf hat", erklärt Eberle. Eine weitere Familie dagegen will in der Blockhütte einkehren. Dort, umringt von Flatterband – eine Coronamaßnahme – sitzen gegen Mittag schon weitere Wanderer. Sie lassen sich Essen und Bier schmecken. Die kühlen 10 Grad scheinen ihnen wenig auszumachen. Sie machen im Urlaub eben das Beste aus diesen nasskalten Tagen.

Touristen-Ansturm im Landkreis Tirschenreuth

Tirschenreuth
Hintergrund:

Die Übernachtungszahlen im Kreis Neustadt und in Weiden von 2018 bis 2020 (Mai/Juni)

  • 2018: im Mai 26.989 und im Juni 26.349 Übernachtungen im Landkreis Neustadt/WN; in Weiden im Mai 6.830 und im Juni 7880
  • 2019: im Mai 22.356 und im Juni 25.443 im Landkreis; in Weiden im Mai 6424 und im Juni 6908
  • 2020: im Mai 6850 und im Juni 15.865 im Kreis; in Weiden im Mai 2067 und im Juni 2929

 

 

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