06.02.2019 - 16:18 Uhr
EschenbachOberpfalz

Nicht nur personell unter Druck

"Es drängen ausländische Bewerber auf den Markt." Beim Rettungsdienst ermöglichen die Ausschreibungskriterien nach EU-Gesetz auch privaten ausländischen Anbietern ein Fußfassen in Deutschland.

Stellvertretender Wachleiter Gerhard Müller (Zweiter von links) heißt die Freien Wähler in der Rettungsstelle willkommen. Der Delegation gehören unter anderem MdL Tobias Gotthardt (Fünfter von rechts), zweiter Bürgermeister Karl Lorenz (Vierter von links), Kreisrat Karl Meier (Dritter von rechts) sowie die Ortsvorsitzenden Thomas Riedl (Eschenbach/Mitte)(7. v.li.), Holger Götz (Speinshart/links) und Thomas Scharf (Grafenwöhr/Vierter von rechts) an.
von Walther HermannProfil

Zu einer Besuchsrunde bei Einrichtungen für Sicherheit und Pflege starteten Führungskräfte und Mitglieder der Freien Wähler, darunter Landtagsabgeordneter Tobias Gotthardt aus Regensburg. In der Rettungsstelle dankte Thomas Riedl stellvertretendem Wachleiter Gerhard Müller und dessen Kollegen für Einsatz und Bereitschaft an 365 Tagen.

"Wir haben zwar keine 100-prozentige, jedoch eine 99-prozentige Absicherung", teilte Müller zur Notarztversorgung mit. Dieses Minus ergebe sich vor allem bei Schichtwechsel. Ein ausdrückliches Lob sprach er "gewissen Ärzten" aus, die bereit seien, kurzfristige Lücken schnell zu überbrücken. Auch auswärtige Ärzte erklärten sich bei Besuchen in Eschenbach oder Umgebung zu einem Schichtdienst bereit.

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Auflagen für Notärzte, darunter eine zweijährige Ausbildung, war es seine Hoffnung, dass diese Bereitschaft noch lange anhalten möge. Eine Sanierung des 25 Jahre alten Gebäudes der Rettungsstelle hielt der stellvertretende Wachleiter für überfällig. Nicht konkret wurde er zu den nachgefragten Einsatzzahlen.

Klarheit für Ehrenamt

Die Reform des Rettungsdienstgesetzes nannte Tobias Gotthardt ein Anliegen der Freien Wähler. Er bedauerte es, dass in Bayern eine Regelung für die Ausschreibung von Rettungsstellen noch nicht im Landesrecht verankert sei und deswegen Organisationen wie Johanniter und Malteser zunehmend unter Druck gerieten. Der Abgeordnete verwies auf die vom Innenministerium für den Spätsommer angekündigte Novellierung, die auch Klarheit für das Ehrenamt mit sich bringe. "Wir sind voll auf seiten der Rettungsverbände", versicherte der Gast aus Regensburg, der für den regionalen Wahlkreis zuständig ist.

"Ist Arbeit am und mit Menschen weniger wert?" Mit dieser Frage sprach Manuela Schusser, die Leiterin des BRK-Seniorenheimes, das Problem der Gewinnung von Personalnachwuchs an. Als Ursachen vermutete sie zu geringe Bezahlung, die allgemein geringe Wertschätzung des Pflegeberufes und die durch Zeitdruck hervorgerufene körperliche Belastung. Was passiere, "wenn es weniger Nachwuchs gibt und die Quote von 60 bis 70 Prozent der Patienten, die zu Hause gepflegt werden, sinkt", stehe in den Sternen. Sie appellierte an die Politik, schnellstmöglich zu handeln.

"Keinen Stellenwert"

Bei einer Führung durch die Abteilung der Regens-Wagner-Stiftung Michelfeld im Haus Laurentius zeigte stellvertretender Pflegedienstleiter Andreas Uschold den Besuchern Unterbringung und Beschäftigungsmöglichkeiten der 27 Bewohner, die von 34 Voll- und Teilzeitkräften betreut werden. Ein großes Problem sei, dass bei bestimmten Erkrankungen bereits mit 40 Jahren Demenz eintreten könne, erklärte er.

Da die Zahl der zu Betreuenden weiter steigen werde, ging Uschold davon aus, dass die Station über die Einmietzeit hinaus in Eschenbach erhalten bleiben werde. Auch er beklagte fehlenden Nachwuchs: "Bezahlung und gesellschaftliche Anerkennung dieser besonderen Betreuungsaufgabe haben in Deutschland keinen Stellenwert."

Vermehrte Cyber-Kriminalität, Rauschgiftlage weiter angespannt:

Von Crystal Meth zu Cannabis

Beim Besuch der Polizeiinspektion bedankten sich deren Leiter Werner Stopfer und Dienstgruppenleiter Jürgen Schäffler bedankten sich für die gezeigte Verbundenheit der Politik mit der Polizei. Als erfreulich werteten sie die geplanten Mehreinstellungen, räumten aber ein, dass diese frühestens 2020 zur erhofften Verbesserung der Personalsituation in Eschenbach führen werden. Mit großem Interesse folgten die Gäste den Informationen über die neu und verstärkte Cyber-Kriminalität, die laut den Beamten besonders personalintensiv bearbeitet werden müsse.

„Trotz guter Aufgriffserfolge hat sich die Rauschgiftlage nicht entspannt“, klagte der Inspektionsleiter und sprach von einer Verlagerung von Crystal Meth hin zu Marihuana und Cannabis. Er verheimlichte nicht, dass das Polizeiaufgabengesetz großen Ärger und Verdruss gebracht habe. Um Stimmung gegen die Polizei zu machen, sei es zum Teil auch auf politischer Ebene instrumentalisiert worden. In der Aussprache ergab sich, dass das PAG bei seiner Ankündigung von Seiten des Innenministeriums nur sehr dürftig und daher zum Teil missverständlich an die Medien weitergegeben wurde. Von einer guten Aufklärungsquote sprach Stopfer bescheinigte er bei der Einbruchkriminalität. Als behindernd wertete er die „leider nicht immer einfache Zusammenarbeit mit einzelnen EU-Ländern“.

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