23.10.2020 - 14:02 Uhr
EschenbachOberpfalz

Neue Sonderschau im Museum "Beim Taubnschuster": "Begegnung mit Eschenbach" – und mit Jenny Sponer

Sie erfreuten sich einst großer Beliebtheit, ihre Werke hängen bis heute in manchen Wohnzimmern der Rußweiherstadt: In der neuen Sonderausstellung im Museum „Beim Taubnschuster“ gibt es ein Wiedersehen mit Eschenbacher Malern,

Malerin Jenny Sponer im Gespräch mit Edmund Langhans.
von hevProfil

„Begegnung mit Eschenbach", ist die neue Sonderschau des Heimatvereins im Museum "Beim Taubnschuster" überschrieben. Werke von 18 Künstlern werden dort gezeigt. Zu diesem Kreis Eschenbacher Maler gehört ohne Zweifel die aus dem mährischen Sudetenland stammende Jenny Sponer, die von 1953 bis zu ihrem Tod 1984 in der Rußweiherstadt lebte.

Über ihre bewegte Lebensgeschichte berichtete Professor Wolfgang Mahlke im Heft „Heimat Eschenbach 1985“. Jenny Sponer wurde 1904 als Tochter des österreichischen „Konfektionsmanipulanten“ Robert Kotsch in Moskau geboren. Er war bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs für die mährische Bekleidungsindustrie in Russland tätig.

Die Familie lebte gut situiert in Moskau, konnte sich Hausangestellte leisten. Darunter war eine „Njanja“, die geliebte russische Kinderfrau, die Jenny und ihre zwei Brüder aufzog. So war Russisch die Sprache, mit der Jenny als erste vertraut war und die bis zu ihrem Lebensende für sie die wohl tragende blieb. Sie las und sprach sie mit Hingabe.

Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde Vater Robert Kotsch, als ausländischer Spion verdächtigt, auf der Straße verhaftet. Nach der Entlassung wurde die Familie nach Ufa im Ural deportiert und dort interniert, wie viele andere Ausländer auch. Sie lebten dort in einfachen Bauernhäusern und ernährten sich vom Ersparten und aus dem Garten. Die Rückkehr erfolgte 1919/1920 nach sechswöchigem Transport in Viehwaggons in die inzwischen tschechoslowakisch gewordene Heimat.

1927 heiratete Jenny den Olmützer Franz Sponer, der nach seinem Studium schließlich im Olmützer Bauamt eine Stellung bekam und dort Baudirektor wurde. Das Kriegsende 1945 bedeutete für die Familie nicht nur die Ausweisung aus ihrem Haus: Franz Sponer wurde von der Straße weg verschleppt und blieb 13 Monate lang verschwunden. Nach seiner Haftentlassung wurde die Familie aus der Tschechoslowakei ausgewiesen und kam mit 1200 anderen Personen in Güterwaggons nach Zwiesel in Bayern.

Franz Sponer fand bald am Vermessungsamt Weiden eine Anstellung, ehe er 1953 als deren neuer Leiter an die Eschenbacher Dienststelle versetzt wurde. Er engagierte sich in der Rußweiherstadt in verschiedenen Vereinen, wie der Schützengesellschaft "Seerose" und dem Heimatverein. Auf seine Initiative hin gründete sich Ende der Fünfziger Jahre auch die Eschenbacher Volkshochschule.

Jenny Sponer, die bereits in ihrer Jugend sich als künstlerisch und handwerklich begabt gezeigt hatte, trug in den schweren Jahren nach dem Krieg mit ihren Blumen- und Landschaftsbildern zur Ernährung der Familie bei. Professor Götz in Zwiesel hatte ihr die Aquarelltechnik nähergebracht, der sie auch in Eschenbach bis ins hohe Alter treu blieb.

Aus der Amtswohnung im Eschenbacher Vermessungsamt hatte sie einen schönen Blick auf die Stadt und die Höhen des Steinwaldes. Diese Ansicht hat sie mehrfach gemalt – in der aktuellen Ausstellung sind entsprechende Bilder zu sehen.

Später stand ihre Staffelei im neu erbauten Eigenheim der Familie in der Jahnstraße, wo eine Vielzahl duftiger Blumensträuße auf Aquarellpapier entstand, dazu Tiermotive und immer wieder Landschaftsbilder und Motive aus der Stadt. Fünf Jahre nach dem Tod ihres Mannes verstarb die beliebte Malerin 1984 in Eschenbach.

Die Ausstellung im Museum „Beim Taubnschuster“ ist am morgigen Sonntag wieder von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Das Museumscafé ist allerdings coronabedingt momentan geschlossen.

Ein Bild von Jenny Sponer aus der Ausstellung "Begegnung mit Eschenbach".

Mehr über die Ausstellung "Begegnung mit Eschenbach"

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