14.10.2019 - 14:48 Uhr
EschenbachOberpfalz

"In der Mundart kann man am besten schimpfen"

„Es geiht um d Leit, mal mehr und mal weniger.“ Diese Ankündigung setzt Grete Pickl mit zum Teil vielsagenden Worten und kräftigen Ausdrücken beim Eschenbacher Taubnschuster um.

"So jung wäi heint kumma nimma zamm", versichert Grete Pickl ihrem begeisterten Publikum beim Eschenbacher Taubnschuster.
von Walther HermannProfil

„Unsere Mundartautorin aus Kastl bei Amberg wird uns mit ihren Gedichten und Geschichten sicher viel Spaß bereiten.“ Diese Ansage von Karlheinz Keck ging beim zweiten Abend der Eschenbacher Mundarttage 2019 schnell in Erfüllung. Er kündigte im Wechsel mit der Saitenmusik aus dem Vierstädtedreieck vor allem kurze Gedichte an, die mit ihrer Aussagekraft zum Nachdenken anregten. Erste Kostproben waren: „Wenn i vom Ort Kirchn und Schul seh, bin i no lang net dahoam. Wenn i ower wieda heia, wei d Leit redn, dann bin i dahoam.“ oder „S Mühlradl draht se nimmer. Is staad. Wos amal übern Boch drunt is …“

Sie widmete sich auch den Hausnamen, die oft von Vornamen abgeleitet sind. Als Beispiele machten im Taubnschuster-Saal die Runde: Musl (abgeleitet von Hyronimus), Stachl (Austachius), Peidamichl, Ochsensepp und Doaschngrober. Mit „S wa schod, wenns vergessen wern“ fand Pickl deutliche Zustimmung.

Die Mundartautorin nahm ihr Publikum mit auf eine „Wallfahrt in die Vergangenheit“. Sie blickte zurück auf das Jahr 1951, als innerhalb von drei Monaten Dörfer im heutigen Truppenübungsplatz Hohenfels auf Anordnung der Amerikaner geräumt werden mussten. Die Eindrücke bei dem seither in größeren Zeitabständen gestatteten Betreten fasste sie in einem Stimmungsbild zusammen.

Die große Bandbreite, mit der im Dialekt „über d Leit“ gesprochen wird, eröffnete sie zudem mit der Erkenntnis: „Mitm Gwand, dou sean d Leit mal mera as.“ Zu ihrem Repertoire zählten Namensgebungen wie: Meine Leit, Mannaleit, Schdoderer, Dorfleit, Nachbarsleit, Hutzaleit oder Zuagroaste. Sie berichtete aber auch über „Sechane und Sechane“ und „Woa er dou oder sie?“ und leitete über zu „wepsat Hupferte“ und „lauthals Beichate“. Für ihre Behauptung „In der Mundart kann man am besten schimpfen“, fand Pirkl treffende Beweise im Bereich der Namensgebung: Lätschnbeni, Muhackl, Obreida, Soderer und Toagaff für Mannaleit und Beißzanga, Handige, Matz, alte Schwoartn und Zwiederwurzn für Weiberleit.

Beim Wechsel zur Gedichtsform griff sie auf Verszeilen zurück wie: „Wos ma net afangt, braucht ma net afhörn“ oder „Seid d Lumpn asschaua wei d Leit, kennt mas nimma asananda“. Bekannt war ihren Zuhörern die Vertröstung: „Doud se nix? Dann wortst bis se wos dout.“ Die Lacher hatte sie auf ihrer Seite mit: „Mit an nachsten Acker und a weitn Schwiegermutta fohrst am bestn.“

In Erinnerung brachte die Kastlerin aus eigenem Erleben die WAA-Zeit Wackersdorf, der sie mehrere Gedichte widmete. „Der Wold, wos hikummt, is scho Wüste, as Land drum rum no net.“ Im Kontrast dazu hatte sie eine Geschichte aus der Kirwa-Zeit parat, „gwis und woua“, bei der der Xare nicht lange auf seine Bratwürtl warten wollte. Bei der nächsten Bedienung, die vorbeikommt, „spotzt er gradwegs draf, der Xare hots zeigt, gwis und woua, ihm is alles wurscht, wenn er nea Broutwirscht, Geselchts und a Zoigl greigt.“

Der Jahreszeit angepasst, befasste sich Pirkl auch mit den Besonderheiten des Allerheiligen-Spitzels und dem Friedhofsgang: „A Fried is dou, do moanst, du bist im Himmel scho.“

Mit Blumen bedankte sich Karlheinz Keck „für einen schönen Abend mit stimmungsvoller Musik und treffenden Gedichten und Geschichten." Für den 7. November lud er zum dritten Mundarttag mit sechs Sprechern ein.

Das Sextett "Saitnmusi Dreistädteviereck" setzt beim Taubnschuster musikalische Akzente.
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