16.10.2019 - 12:42 Uhr
EschenbachOberpfalz

"Wir müssen alle auf unser Grundwasser achten"

Düngebedarfsplanung, Trinkwasserverordnung, Nitrat und Zwischenfruchtanbau: Um diese Begriffe dreht sich eine Informationsveranstaltung der Freien Wähler. Für Eschenbach gibt es dabei in Sachen Nitratbelastung Entwarnung.

Nach einer regen Aussprache dankt Thomas Riedl (Mitte) den Referenten Stephan Schloderer (rechts) und Michael Lukas mit "Düngetropfen" für ihre umfassenden Informationen.
von Walther HermannProfil

Zum Thema „Nitrat, eine Gefahr oder nicht?“ hatte sich im Gasthof „Weißes Roß“ eine große Zahl von Interessenten eingefunden. Die angekündigten „Auswirkungen auf das Trinkwasser der Stadt“ hatten Wirkung gezeigt. Als kompetenter Referent war Stephan Schloderer angekündigt. Willkommen hieß Thomas Riedl, der Vorsitzende der Freien Wähler (FW), auch Michael Lukas vom Fachzentrum Agrarökologie des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Amberg und zweiten Bürgermeister Karl Lorenz.

Nahezu ein Frohlocken löste die Information Schloderers aus, dass das Eschenbacher Trinkwasser einen PH-Wert von 7,91 aufweise und der Nitratgehalt unter einem Milligramm liege. Er ging im Verlauf seiner Ausführungen auch auf die Trinkwasserverordnung ein, nach der der Grenzwert europaweit als einheitliche Qualifikation auf 50 Milligramm pro Liter abgesenkt worden ist. Die Überprüfung nehmen bayernweit 500 Messstellen vor.

Der Wirtschaftsfachwirt (IHK) stellte Nitrate als Salze der Salpetersäure vor, die Verwendung in Landwirtschaft, Pyrotechnik und Medizin fänden. Zur Frage der Gefährlichkeit sprach er Studien an, in denen auf die Möglichkeit von Magen- und Speiseröhrenkrebs verwiesen wird. Er versicherte jedoch: „In Deutschland sind keine Fälle bekannt.“

Nach Darstellung der Grundwasserlandschaften Bayerns befasste er sich mit den unterschiedlichen Gesteinsstufen und deren Durchlässigkeit und resümierte: „Oberbayern hat wegen höherer Niederschlagsmengen und hoher Bevölkerungszahl einen stärkeren Wasserdurchlauf und dadurch eine niedrigere Nitratbelastung.“ Für Überraschung sorgte seine Aussage, dass in Wäldern die Nitratwerte im Boden zum Teil extrem erhöht seien – und dies ohne Zutun der Landwirtschaft. „Natürliche Einträge können nicht verändert werden“, so sein Fazit.

Als Gegenmaßnahmen zur Nitratbelastung in der Landwirtschaft nannte der Fachwirt Kulag-Programme, Gewässerschutzstreifen, Winterbegrünung und Zwischenfruchtanbau. Ergänzend dazu stellte er an einem Beispiel die Düngebedarfsplanung vor, die aufzeigt, welche Kriterien für noch verbleibende Düngemengen maßgebend sind. Diese unterscheide auch Ammonium- und Nitratdünger. Schloderer maß ihr einen besonderen Stellenwert bei.

Dann ging er auf die Bedeutung des Zwischenfruchtanbaus für das Wachstum des folgenden Jahres ein: „Zwischenfrüchte speichern und schließen Nährstoffe auf, aktivieren das Bodenleben und sorgen für Bodenlockerung.“ Durch eine geschickte Zwischenfruchtmischung habe sich die Ansammlung von Stickstoff nahezu verdoppelt.

Michael Lukas befasste sich mit der Auswirkung des Herbstklimas und der Temperaturen auf Nitratentwicklung und -auswaschung. Er räumte ein, dass sich die Landwirte bisher vor allem um ihre Betriebe gesorgt hätten und weniger um ein Marketing, das ihren Stellenwert ins richtige Licht rücke. Beide Referenten waren sich abschließend einig: „Wir dürfen eventuelle Mängel nicht einer Berufsgruppe anlasten. Wir müssen alle daran arbeiten und auf unser Grundwasser achten, das endlich ist."

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