28.01.2020 - 13:22 Uhr
EschenbachOberpfalz

Mehr Pflegekräfte, weniger Bürokratismus

Rauschgiftkriminalität, Widerstand gegen Polizeibeamte, Sanierungsbedarf, fehlendes Pflegepersonal, Kritik am Gesundheitswesen: Mit vielfältigen Themen werden die Freien Wähler bei ihrer Tour zu Dienststellen und Einrichtungen konfrontiert.

An den hohen Sanierungsbedarf am Gebäude der Polizeiinspektion erinnert Dienststellenleiter Werner Stopfer beim Besuch der Freien Wähler.
von Walther HermannProfil

Beim Gespräch in der Polizeiinspektion wollte deren Leiter Werner Stopfer mit Blick auf manch städtisches Geschehen den leichten Anstieg der Straftaten nicht überbewerten. Vorfälle wie zwei Tötungsdelikte würden jedoch zum Nachdenken anregen. Die starke Zunahme der festgestellten Rauschgiftdelikte schrieb er dem besonderen Augenmerk junger Beamten zu.

Nachdenklich machten ihn die handgreiflichen Widerstände gegen Kollegen. Als er von einem gesamtgesellschaftlichen Problem sprach, mahnten einige der Besucher an, dass über Computer und Fernsehen Gewalt und Chaos gesellschaftsfähig gemacht werden und sich zunehmend Erziehungsdefizite bemerkbar machten.

Mit Blick auf den Personalbestand der Inspektion, der sich trotz des neuen Ortsteils Netzaberg und der starken Zunahme von US-Truppen seit Jahren nicht verändert hat, zeigte sich Stopfer überzeugt: „Es wird sich in den nächsten Jahren etwas tun.“ Zuversichtlich war er auch, was das Nebengebäude betrifft: Das ehemalige Gefängnis dürfte im Sommer bezugsbereit sein. Dies sei Voraussetzung für die überfällige Sanierung des bisher genutzten Gebäudes.

„Mit Ihrem Besuch bekunden Sie Wertschätzung“, versicherten Thomas Baldauf und Daniela Jenke im Haus St. Laurentius. Der Pflegedienstdirektor der Kliniken AG begründete neun nicht belegte Plätze mit fehlenden Fachkräften und bezeichnete es als „frustrierend“, wenn im Ausbildungsbereich „Steine in den Weg gelegt werden“. Dazu sein Zahlenbespiel: „Wenn wir die Ausbildung mit 35 Schülern starten, wird der Lehrzuschuss wegen Überbestand gemindert, auch wenn bis Weihnachten nur 25 und bis zur Abschlussprüfung nur noch 16 durchhalten.“ Er beklagte, dass „die eine oder andere Institution das Dilemma noch nicht verinnerlicht hat“.

In der fehlenden Vollbelegung sah Baldauf Auswirkungen auf Bewirtschaftung und Fixkosten und bedauerte die Schließung von Schwesternschulen bei Gründung der Kliniken AG: „Es fehlen Ausbildungsplätze.“ Seine Kritik am Gesundheitswesen gipfelte in der Aussage: „Die Versorgung muss im Vordergrund stehen, nicht der wirtschaftliche Erfolg. Wir brauchen Pflegekräfte und weniger Bürokratismus-Hindernisse.“

In der Belegetage von der Regens-Wagner-Einrichtungen aus Michelfeld im ehemaligen Krankenhaus erfuhren die Kommunalpolitiker von Anna und Kerstin Lindner Positives: „Wir sind zufrieden, haben wegen der Beschaffenheit des Raumangebots und der sanitären Anlagen einen schöneren Platz als in Michelfeld und sind glücklich, dass sich unsere Einrichtung hier für zehn Jahre eingemietet hat.“ Auf Nachfragen berichteten sie von zwei Ausbildungsinteressenten, sprachen von Unterschieden in der Alten- und Behindertenpflege und räumten ein, dass es nicht jedermanns Sache ist, fremde Menschen zu pflegen.

Kein Verständnis zeigte Reinhard Maul zu den Negativberichten über die Notarztsituation an der BRK-Rettungswache. „Wir können uns nicht beschweren, die Notarztstelle ist fast zu 100 Prozent besetzt“, versicherte der Wachleiter. „Wir hoffen, dass Sie uns das vorletzte Mal hier besuchen“, ergänzte Peter Lischker. Der Leiter des Rettungsdienstes wünschte sich, dass der überfällige Bau einer neuen Rettungswache mit Heim für die BRK-Kolonne und Wasserwacht bald Realität werde, und rief zu Unterstützung und Fürsprache bei den Entscheidungsträgern auf. „Wir haben im BRK-Kreisverband kein Problem mit Notärzten“, berichtete er seinen Besuchern und verwies darauf, dass die Verantwortung für die Notärzte und deren Einteilung „Sache der KVB“ sei.

„Die Stadt Eschenbach steht hinter euch“, hakte Karl Lorenz ein. Den zweiten Bürgermeister interessierte insbesondere, wie das Rote Kreuz zu den in Berlin geplanten Integrierten Notfallzentren (INZ) steht, die „bedenklich für Bürger“ seien, für die Krankenhäuser auf dem Land eine Katastrophe wären und zu Korrekturforderungen der Bayerischen Gesundheitsministerin Melanie Huml geführt haben. „Weiden wird ein Zentrum werden und für uns wird sich wenig ändern“, war sich Lischker sicher. Maul informierte die Besucher über 40 ehrenamtliche Mitarbeiter, die einen „Top-Dienst“ verrichteten und im Sinne der Nächstenhilfe bereit zu Überstunden seien.

„Wir sind auf Karte genäht, können noch alle Betten belegen, aber nicht alle Probleme aus der Welt schaffen“, räumte Josef Ott ein. Da die Politik gefordert sei, bat der Leiter des BRK-Seniorenheimes die Besucher, konstruktive Änderungsvorschläge „von unten nach oben zu bringen“. Ihm ging es vor allem darum, den Stellenschlüssel anzuheben. Er wünschte sich zwei „Springer“ und eine Anhebung der Bezüge: „Im Gegensatz zu Krankenhäusern geschieht bei uns wenig oder nichts.“

Ott sah in der Pflege einen von Grund auf zufriedenstellenden Beruf und zeigte sich überzeugt: „Allein auf ausländische Kräfte zu setzen, reicht nicht aus.“ Obwohl junge Pflegekräfte versicherten, „mir hat’s hier in der Ausbildung gefallen; ich möchte sonst nirgends hin“, erkannte er bei Jugendlichen den Dienst an Wochenenden und als Einspringer als Problem: „Derartige Dienstzeiten sind jungen Leuten schwer zu vermitteln; sie werden als Minderung an Lebensqualität angesehen.“ Die Gespräche über Arbeitsbelastung, Dokumentation und sonstige Vorgaben steigerten sich zur Aussage einer Betroffenen: „Minister Spahn soll a mal vor Ort kumma, den treibert i schon eini.“

Zur FW-Delegation unter Leitung von Ortsvorsitzendem Thomas Riedl hatten sich auch seine Kollegen Thomas Schopf und Jürgen Kammer aus Grafenwöhr sowie Holger Götz aus Speinshart, Landratskandidat Tobias Groß (Edeldorf) und Kreisrat Karl Meier (Neustadt/WN) gesellt.

Peter Lischker und Reinhard Maul (von links) wünschen einen baldigen Ersatzbau für die nahezu 30 Jahre alte Rettungswache.
"Ich möchte sonst nirgends hin", versichern junge Pflegekräfte im BRK-Seniorenheim.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.