20.09.2020 - 11:22 Uhr
EschenbachOberpfalz

Grippeimpfung während Corona: Das sagen Mediziner aus der Region

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Ist eine Grippeimpfung in Zeiten der Pandemie besonders empfehlenswert? Oder könnten die aktuellen Hygieneregeln auch die Grippesaison 2020/21 abschwächen? Hausärzte aus Eschenbach und Grafenwöhr geben Antworten.

Nach einem Corona-Impfstoff wird gerade gesucht, für das Influenzavirus gibt es bereits einen. 25 Millionen Impfdosen stehen bereit.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

Mit einer Rekordmenge von 25 Millionen Impfdosen gegen das Influenzavirus, wappnet sich das Bundesgesundheitsministerium für die kommende Grippesaison in Corona-Zeiten. Das berichtete der TV-Nachrichtensender n-tv unter Berufung auf die französische Nachrichtenagentur AFP bereits im Juli. Nun ist es fast soweit, die Grippesaison steht kurz vor der Tür. Meist startet sie Anfang Oktober, bevor die richtige Grippewelle zwischen Januar und April ihren Höhepunkt findet.

Grippeimpfung für alle

Impfen sollte man deshalb erst im späten Herbst, erklärt Dr. Sebastian Knoll, Allgemeinmediziner aus Eschenbach: "Der Impfschutz hält ungefähr drei bis vier Monate. Wir impfen normalerweise so ab November. Dieses Jahr starten wir ab Mitte Oktober." Denn die Nachfrage ist deutlich höher als in den vergangenen Jahren. "Normalerweise sind die Deutschen sehr impfmüde. Dieses Jahr fragen auch Personen nach der Grippeimpfung, die sich sonst nicht impfen lassen." Knoll hält das für sinnvoll während der Pandemie: "Auch für Nicht-Risikopatienten ist die Impfung empfehlenswert."

Abschwächung durch Maßnahmen möglich

Das Schlimmste was passieren könnte sei, dass jemand sich eine Influenza-Infektion einfängt und zusätzlich an Covid-19 erkrankt. "Das Immunsystem ist dann schnell überlastet." Für eine ungewöhnlich milde Grippesaison sieht Knoll allerdings Hoffnung: "Ich bin mir sicher, dass die aktuellen Maßnahmen, wie Maske und Abstand, die Verbreitung der Grippe abschwächen können." Spürbar sei dies aktuell bereits bei Durchfallerkrankungen, die deutlich weniger vorkommen würden.

Grippeimpfung bald in der Apotheke?

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Doch was, wenn Corona- und Grippewelle aufeinandertreffen? "Dann wird es wirklich schwierig, das personell abzuarbeiten." Aktuell werde bereits am Limit gearbeitet. Hauptproblem sei außerdem das Thema Schutzausrüstung. Egal ob Masken oder Abstrichmaterialien, nach wie vor gebe es deutliche Engpässe. "Wir horten gerade schon alles, um uns für den Winter zu wappnen. Wir sind auf das Schlimmste vorbereitet."

Von 0 bis 99 Jahren

Auch Dr. Barbara Scharnagl, Hausärztin aus Grafenwöhr, hält die Grippeimpfung in diesem Jahr für besonders sinnvoll. "Es gibt gegen Corona ja keinen Impfstoff. Deshalb sollte man all die anderen Risikofaktoren, die man kennt bestmöglich ausschalten." Alle Menschen sollten sich deshalb unabhängig vom Alter impfen lassen. "Meist empfehlen wir es vor allem Risikopatienten, aber für alle von 0 bis 99 ist eine Impfung sinnvoll."

Das sagt die Ständige Impfkommission (STIKO) beim Robert-Koch-Institut zur Grippeimpfung

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Limitierender Faktor der Impfungen werde nach Scharnagls Schätzung die Menge der Impfdosen sein. Der große Vorrat der Bundesregierung scheint nicht bei den Ärzten auf dem Land anzukommen: "Weder wir noch der Apotheker haben die Menge bekommen, die wir bestellt hatten. Wir haben nicht so viel Impfstoff, wie wir gerne hätten." Aus diesem Grund hat die Praxis in Grafenwöhr auch bereits mit den Influenzaimpfungen begonnen. "Die Nachfrage ist seit Schulanfang da und deutlich höher als in den vergangenen Jahren." Auch junge, gesunde Menschen würden zum Impfen kommen. Wer eine Impfung möchte, sollte deshalb früh dran sein: "Es kann sein, dass es Ende November keinen Impfstoff mehr geben wird."

Engpässe bei Schutzausrüstung

Genau wie die Praxis von Dr. Knoll in Eschenbach hat auch Barbara Scharnagl mit Engpässen bei Schutzausrüstung zu kämpfen. "Wir brauchen die FFP-2 Masken zum Testen von Verdachtsfällen. Da sind wir aber total unterversorgt." Die Ärztin ärgert besonders, dass die niedergelassenen Hausärzte selbst für die Beschaffung der Schutzmaterialien aufkommen müssen. "Wir zahlen drauf, wenn ein Schutzkittel sechs oder sieben Euro kostet."

Oft gebe es Ausrüstung gar nicht oder nur zu überteuerten Preisen zu bekommen. Außerdem sei der Verwaltungsaufwand durch Corona immens gestiegen. "Wir testen Kranke, Reiserückkehrer, Personen, bei denen die Warnapp anschlägt, nach dem Bayerischen Modell jeden, der möchte und führen Reihentestungen für das Gesundheitsamt durch." Das bedeute viele verschiedene Formulare, die sie ausfüllen müssten. "Wir sind da manchmal am Rande des Wahnsinns." Meistens bliebe im hektischen Alltag gar keine Zeit sich über Entscheidungen der Politik aufzuregen. Scharnagl würde sich aber mehr Unterstützung für die niedergelassenen Ärzte auf dem Land von den Verantwortlichen wünschen.

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