06.11.2020 - 12:17 Uhr
EschenbachOberpfalz

Eschenbachs ungewöhnliche Seiten

Derzeit ist die neue Ausstellung im Taubnschusterhaus „Begegnung mit Eschenbach“ nicht allgemein zugänglich. Wenn sie wieder öffnet, erwartet die Besucher spannende Bilder von altbekannten, aber auch verborgenen Winkeln der Stadt.

Das "Schiffmann-Haus"
von hevProfil

Die mit viel Gespür für unterschiedliche Malstile zusammengetragene Präsentation von Bildern aus mehreren Jahrzehnten wird durch die Art, wie die Künstler die Plätze darstellen, beim Betrachter Staunen und Begeisterung hervorrufen. Auch Roswitha Zeilmann ist in der Ausstellung vertreten. Die Künstlerin wurde 1941 in Schlesien geboren. 1945 musste sie ihre Heimat verlassen und kam mit ihren Eltern nach Schwarzenbach an der Saale, bevor sie nach ihrer Heirat nach Bayreuth zog. Ihre künstlerische Ader konnte sie schon in jungen Jahren als Porzellanmalerin voll zur Geltung bringen. Später wählte die den Beruf der Altenpflegerin, den sie allerdings aus gesundheitlichen Gründen 1981 aufgeben musste. Nun konnte sie sich ganz ihrer besonderen Neigung und Begabung, der Malerei, widmen.

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Eschenbach

Bilder in der Raiffeisenbank Eschenbach

Zeilmann und ihr Ehemann waren seit längerer Zeit mit einer Familie aus Pressath befreundet. Die Künstlerin hatte ihren Freunden schon mehrere ihrer Pastellbilder geschenkt. Ende der 1980er Jahre kam der damalige Direktor der Raiffeisenbank Eschenbach, Heribert Schulze, zu Besuch und wurde auf die Bilder bei der Familie aufmerksam. Da zu dieser Zeit gerade die neue Raiffeisenbank in Eschenbach im Bau war, unterbreitete Schulze der Künstlerin den Vorschlag, das neue Bankgebäude mit Motiven aus Eschenbach auszuschmücken.

Die Künstlerin wurde durch die Mitarbeiter des Heimatvereins Eschenbach bei der Auswahl der Motive und bei der Versorgung mit entsprechendem Bildmaterial unterstützt. Auf diese Weise entstand eine Vielzahl von historischen Ansichten von Eschenbach und Umgebung, von denen es viele nicht mehr in dieser Form gibt: Das Bartmollerhaus, das Stadelviertel, der Stadtmauerweg, die Pfarrkirche mit dem ehemaligen Schulgarten, Karlsplatz und Marienplatz, Dammbauernhaus, „Schlössl“, Rathaus, Pfarrhof, Bahnhof, der Oberseedamm, das Kloster Speinshart, der Rauhe Kulm, der Barbaraberg, die Eschenbacher Mühle, die Holzmühle, Oberbibrach, Tremmersdorf, Neustadt am Kulm.

Ein unverwechselbarer Malstil

Typisch für ihre Bilder ist eine Vielzahl liebenswerter Details wie beispielsweise die Tiere, die auf den meisten ihrer Gemälde einen festen Platz einnehmen: Hühner, Enten, Gänse, eine Katze, ein Kuh- und Pferdegespann. Auch mit liebevoll dargestellten Personen lockert sie ihre Motive immer wieder auf.

1994 präsentierte Roswitha Zeilmann weitere Werke in einer Ausstellung in Eschenbach, die mit großer Begeisterung bei den Besuchern aufgenommen wurden. Sie konnte eine große Zahl ihrer ausgestellten Bilder in Pastell-Tempera-Technik verkaufen. Am 24. Februar 2004 verstarb Roswitha Zeilmann in Bayreuth.

Das „Schiffmann“-Haus

Exemplarisch ist ein Bild: Das ehemalige Anwesen Schiffmann gehörte einst ebenso wie die Häuser zwischen Fichtl (Kroher) und Thurn Fanni sowie der „Zapfenstadl“ (neben dem Wohnhaus des früheren Spielwarenfabrikanten Koch) zur Ziegelei Zapf. Es war schon beinahe ein herrschaftliches Gebäude, das sich durch seinen Baustil von den anderen Häusern der Pressather Straße deutlich abhob. 1873 war es von Maurermeister und Ziegeleibesitzer Georg Zapf errichtet worden. Zapf baute auf der Eschenbacher „Hout“ – heute Industriegebiet am Stadtwald – Lehm ab und brannte dort Ziegelsteine und Dachplatten, die nach den großen Stadtbränden der 1860er Jahre große Nachfrage fanden. Ab 1919 war in dem Haus für zehn Jahre das Messungsamt Eschenbach untergebracht, bevor es in das ehemalige Rentamt am Karlsplatz einzog.

Toni Schiffmann, Angestellter beim Landratsamt Eschenbach, renovierte 1972/73 sein Haus. Es war fast fertig, als er es verkaufte. Das schöne Gebäude wurde abgerissen und an seiner Stelle ein Hochhaus einer Wohnungsbaugesellschaft errichtet. Am linken Bildrand ist noch ein Teil der Grünanlage zu sehen, in der bis zum Bau der B 470 das Kriegerdenkmal stand. Ebenfalls bis Anfang der 1960er Jahre befand sich unmittelbar am Stadtweiher die evangelische Notkirche.

Die Zeiten überdauert hat dagegen das Färberanwesen. Das spätbarocke Patrizierhaus aus dem 18. Jahrhundert mit dem einzigartigen Mansardendach beherbergte früher die Prunhubersche Färberei und Tuchmacherei - war doch die Weberei lange Zeit das umfangreichste Gewerbe in Eschenbach.

Die Gassenszene am Stadtmauerweg stammt ebenfalls von Roswitha Zeilmann. Diese Stelle ist einer der Malerwinkel Eschenbachs, von der aus viele Künstler den Blick auf die Pfarrkirche und die Lourdesgrotte festhielten.
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