11.11.2020 - 14:48 Uhr
EschenbachOberpfalz

Eschenbacher Hotel-Restaurant "Rußweiher" mit bewegter Geschichte

Beim Hotel-Restaurant „Rußweiher“ in Eschenbach wird es aus Altersgründen einen Pächterwechsel geben. Das Gebäude, in dem Familie Rodler noch bis Jahresende Oberpfälzer Leckereien zubereitet, hat aber selbst eine wechselvolle Geschichte.

Das Hotel-Restaurant "Rußweiher" in Eschenbach hatte vor Jahrzehnten eine andere Bestimmung.
von Walther HermannProfil

Die Entstehungsgeschichte des ehemaligen Schullandheims und jetzigen Hotelbetriebs am Rußweiher reicht in die 1950er Jahre zurück. Die Stadt Eschenbach hatte nach langwierigen Verhandlungen Grundstücke mit einer Gesamtfläche von 10.220 Quadratmetern erwerben können und sie mit notariellem Vertrag vom 30. März 1955 dem Schullandheimverein für Oberpfalz und Niederbayern zuzüglich eines 1683 Quadratmeter großen Badestrands am Rußweiher ohne Gegenleistung übereignet.

Am Rußweiher in Eschenbach geht eine Pächter-Ära zu Ende

Eschenbach

Die ersten Gäste des neuen Schullandheimes waren im Juli 1956 die Mädchen einer Schulklasse aus Schottland, die der damaligen Privaten Realschule (heute Gymnasium) einen Besuch abstatteten. Die unverständliche Praxis des Schullandheimvereins ließ jedoch langfristig nur eine unbefriedigende Belegung und Nutzung der Einrichtung zu. Zugelassen waren nur Volksschüler aus Niederbayern und der Oberpfalz. Vor allem in den Wintermonaten standen die 55 Plätze des Heimes deshalb leer.

Bereits Mitte der 1970er Jahre stand daher der Verkauf der Anlage zur Debatte. Der Stadt Eschenbach war das Objekt für einen Betrag von 800.000 bis zu einer Million Mark angeboten worden. Bei einem Informationsbesuch im Februar 1976 in Eschenbach versprach jedoch Karl Männer, der Direktor des Schullandheimvereins Niederbayern/Oberpfalz, sich bis aufs Äußerste für den Weiterbestand der Einrichtung einzusetzen. Er erklärte, die Belegungsquote lasse durchaus eine Weiterführung des Hauses zu.

Drei Jahre später waren diese Beteuerungen offensichtlich vergessen. Denn wie eine Bombe schlug im Februar 1979 die Nachricht Walter Fickers, dem damaligen Bürgermeister, ein, er habe durch die Gemeinde Speinshart zufällig erfahren, dass das Schullandheim bei einem Notar aus Regensburg am 18. Januar an eine Immobilien- und Treuhandgesellschaft in Altenhofen in Niederbayern für 400.000 Mark übertragen wurde. Zu welchem Zweck sei noch nicht bekannt.

Wahrlich nicht erheiternd verlief am Rosenmontag die Sitzung des Kreisausschusses, in der Ernst Sondermann die dubiose Sache mit dem Verkauf des Schullandheimes vorbrachte. Einmütig verurteilt wurde das Vorgehen des Schullandheimwerks. Stellvertretender Landrat Josef Prüschenk bezeichnete es als unverständlich, dass man der Stadt Eschenbach, die ja große unentgeltliche Vorleistungen für dieses Projekt erbracht habe, das Schullandheim nicht zu diesem Preis zum Kauf angeboten habe.

Der Eschenbacher Kreisrat informierte über den Verkaufspreis. Das Seegrundstück sei ebenfalls verkauft, so dass die Stadt für eine Vergrößerung des Campingplatzes nicht weiterplanen könne. Man habe mit dem Geschäftsführer der Firma gesprochen, der auch zugegeben habe, dass man das Projekt mit Freuden für 400.000 Mark gekauft habe. Dies sei verständlich, denn noch drei Jahre vorher habe das Schullandheimwerk zwischen 800.000 und einer Million dafür gefordert. Bisher sei allerdings noch kein neuer Verwendungszweck bekannt. „Wir wissen nicht, was daraus werden soll. Dass man das Objekt natürlich mit Gewinn wieder verkaufen wird, ist logisch“, räumte Sondermann ein.

Er berichtete von Vergleichen, die man mit dem Betrieb der Jugendherberge in unmittelbarer Nähe angestellt habe (Anmerkung: Die Jugendherberge befand sich damals an der Stelle der heutigen Gebäude des Freibades). Diese sei wirtschaftlich ausgelastet und trage sich selbst. Es gebe für den Betrieb nur wenige Zuschüsse. Landrat Christian Kreutzer verlas daraufhin ein Schreiben von Bürgermeister Walter Ficker, in dem auch von der Überlassung des Bauholzes für Dach und Außenverkleidung berichtet wird. Die Vorleistungen bei Baubeginn seien erbracht worden, weil man der Meinung gewesen sei, das Schullandheim werde eine ständige Einrichtung bleiben. Wenn man nun für den Verkauf die hohen Investitionen zur Modernisierung und Sanierung sowie niedrige Belegzahlen anführe, dann sei dies eine falsche Begründung dafür. In den letzten Jahren seien an dem Gebäude keine Instandsetzungsarbeiten ausgeführt worden und die Lage in der Nähe des Truppenübungsplatzes sei ja seit Baubeginn vor nunmehr über 20 Jahren bekannt gewesen. Im Übrigen habe die Stadt bereits mit Schreiben vom 15. April 1966 bei einem Verkauf den Wertersatz für Grundstücke und Bauholz nach dem Zeitwert verlangt. Eine Förderung des Schullandheimwerkes sei deshalb von Seiten der Stadt nicht mehr tragbar.

Kritik mussten sich die ehemaligen Stadtväter durch das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus gefallen lassen. Staatssekretärin Dr. Mathilde Berghofer-Weichner bemängelte im September 1979 in ihrer schriftlichen Antwort auf eine Anfrage des SPD-Abgeordneten Willibald Moser das Vorgehen des Stadtrates, der 1955 rund 12.000 Quadratmeter für den Bau des Schullandheimes kostenlos bereitgestellt hatte. Nach der Bayerischen Verfassung, so heißt es in diesem Schreiben, sei „die Verschenkung von Gemeindevermögen unzulässig“.

Moser hatte am 3. April die Staatsregierung um Aufklärung über die Vorgänge beim Verkauf des Schullandheims gebeten. Das Ministerium ging nun in einer Erwiderung auch auf die rechtlichen Aspekte jenes Vorgehens ein und schrieb: „Mit notarieller Urkunde vom 30.3.1955 hat die Stadt Eschenbach dem Schullandheimverein für Oberpfalz und Niederbayern zwei Grundstücke mit zusammen zirka 12.000 Quadratmetern übereignet, die zuvor von der Stadt erworben worden waren. Ein Rückerwerbsrecht oder eine Rückgabeverpflichtung an die Stadt sind in dem notariellen Vertrag nicht enthalten. Für das Grundstück ist nach der Richtwertübersicht vom 31.12.1977 für den Landkreis Neustadt/WN im Baugebiet Heideleite (Standort des Gebäudes) ein Betrag von 32 Mark pro Quadratmeter zugrunde zu legen.“

Richte man sich nach diesem Bemessungswert, hätte allein das Gelände inzwischen einen Kaufpreis von mindestens 400.000 Mark. Willibald Moser bezeichnete es als Fehler, damals keine Klausel in den Vertrag eingearbeitet zu haben. Diesen Vorwurf erhebe auch das Ministerium. Der weitere Wortlaut dessen Schreibens enthält auch einen deutlichen Rüffel für die damaligen Vertragspartner: „Der notarielle Vertrag enthält zwar eine Klausel, wonach das Grundstücksgeschäft zum ordentlichen Aufgabenkreis der Stadt Eschenbach enthält, doch ist zweifelhaft, ob es sich insoweit um eine Aufgabe der Stadt handelte. Das Schullandheim dient der Betreuung von auswärtigen Schülern. Eine unmittelbare Übernahme oder Mitwirkung an der Erfüllung einer gemeindlichen Aufgabe dürfte daher zu verneinen sein. Allerdings ergaben sich für Eschenbach durch das Vorhandensein eines Schullandheims zweifelsohne ideelle und wirtschaftliche Vorteile. Ob diese die kostenlose Überlassung des Grundstücks rechtfertigen, erscheint aber fraglich. Die Aufsichtsbehörde (Landratsamt) wurde damals … offenbar nicht eingeschaltet.“

Da der Kaufvertrag mit der Firma Niba aus Vilshofen erst zum Jahreswechsel wirksam wurde, schlug Moser Bürgermeister Ficker vor, sich wegen der Rückgängigmachung des Vertrags mit der Immobiliengesellschaft in Verbindung zu setzen. Als er nach zähen Verhandlungen trotz fehlender Rechtsansprüche die Maklerfirma davon zu überzeugen wusste, den Kaufvertrag ohne Preisaufschlag rückgängig zu machen, war in der Zeitung am 24. Dezember 1979 zu lesen: „Weihnachtsgeschenk für die Eschenbacher: Die Stadt kaufte das Schullandheim zurück. Auf dem Gelände um den Rußweiher entsteht ein Naherholungszentrum.“

Bereits im Sommer 1980 wurden die Architekten Xaver Bogner, Ferdinand Hasl (beide Neustadt/WN) und Hans Bundscherer (Eschenbach) mit der Planung dafür beauftragt. Der Startschuss für die Baumaßnahmen fiel im Juni 1981. Der Umbau betraf im Wesentlichen das Innere des Gebäudes, die Überholung der Außenverkleidung und den mit hohem Aufwand betriebenen Einbau einer vollautomatischen Kegelanlage mit WC und Duschanlagen. Der Inbetriebnahme im Herbst 1983 folgte am 26. April 1984 die offizielle Einweihung der neuen „Camping- und Freizeitanlage Rußweiher. Zur Eröffnung berichtete "Der Neue Tag": „Nicht weniger als vier Millionen Mark betragen die Zuschüsse und zinsgünstigen Darlehen aus Struktur- und Wirtschaftsförderung sowie aus Mitteln der Bundesanstalt für Arbeit. Dies entspricht einem respektablen, überdurchschnittlichen Deckungsgrad von 73 Prozent.“

Als ehemalige Pächter des Gasthofs „Weißes Roß“ garantierten Erika und Werner Spillner beste Gästebetreuung. Acht Jahre lang, in denen Werner Spillner nach eigenem Bekunden Restaurant und Hotel wie sein Eigentum behandelte, schätzten die Gäste die gutbürgerliche Küche ebenso wie anspruchsvolle internationale Gerichte. Gesundheitliche Umstände in der Familie veranlassen Werner Spillner zu einer beruflichen Veränderung.

Seit 1. Oktober 1991 sind Brigitta und Raimund Rodler dem angesehenen Haus und dessen Anlagen nicht minder eng verbunden. Nach Minister August Lang zu Spillners Zeiten ließen sich nun auch Spitzenpolitiker wie Joachim Herrmann und Horst Seehofer mit gastronomischen Leckerbissen verwöhnen. Raimund Rodler, 22 Jahre lang Leiter der Luftrettung, pflegte enge Kontakte zu ihnen. Generäle, Spezialisten und Gesellschaften der US-Armee, Hochzeits- und Familiengesellschaften wissen seit Jahrzehnten die Atmosphäre der „Rußweiher“-Anlage zu schätzen.

Werner Spillner führte vor Familie Rodler das Restaurant und Hotel am Rußweiher.
Brigitta und Raimund Rodler.
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