03.11.2020 - 13:31 Uhr
EschenbachOberpfalz

Eschenbacher in Amerika: Als Buffalo Bill bei einem Oberpfälzer Wirt einkehrt

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Trotz seiner deutschen Vorfahren sucht er den Konflikt mit der Politik in Deutschland: der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump. Auch aus Eschenbach brachen im 19. und 20. Jahrhundert viele Menschen in die „Neue Welt“ auf.

Die Familie von John und Carolina Kraus vor ihrem Schneidergeschäft in Milwaukee: 1890 baute Kraus das Geschäft in eine Gaststätte um, die auch Buffalo Bill Cody mehrmals besucht haben soll.
von hevProfil

Die Deutschen zählen zu den größten Einwanderergruppen in die USA. Knapp sieben Millionen Deutsche haben in den letzten Jahrhunderten die beschwerliche und gefährliche Überfahrt über den Atlantik gewagt – deutlich mehr Personen als aus Irland oder Italien, die ebenfalls große Auswandererkontingente stellten. 40 bis 60 Millionen Amerikaner geben heute Deutschland als Hauptabstammungsgebiet an.

Auch aus der Stadt Eschenbach ist seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine dreistellige Zahl an Bürgern nach Amerika ausgewandert – die meisten wohl aus wirtschaftlichen Gründen, um der Armut und Perspektivlosigkeit in ihrer Heimat zu entfliehen. Einige Beispiele, die in den Veröffentlichungen „Heimat Eschenbach“ des Heimatvereins Eschenbach dokumentiert wurden, seien in der Folge aufgeführt.

Der 51-jährige Schneider und Nachtwächter Georg Josef Neustätter, ein Sohn von Andreas und Barbara Neustätter, wanderte 1860 mit seiner Frau und fünf gemeinsamen Kindern nach Amerika aus. Sie hatten eine Schiffspassage auf der Bark „Washington“ gebucht, die mit 110 Passagieren an Bord von Bremerhaven aus nach Philadelphia (Pennsylvania) unterwegs war.

Neustätters Frau Margaretha, eine geborene Gradl, stammte ebenfalls aus Eschenbach. Ihre Eltern waren der Hafner Sebastian Gradl und seine Frau Anna Maria, geborene Oberndorfer.

Am 24. Oktober 1860 kam die Familie in Philadelphia an. Kurz danach brach der amerikanische Bürgerkrieg aus. Joseph und seine erwachsenen Söhne Kaspar und Johann bekamen Stellungen und nähten Kriegsuniformen.

In dieser Zeit kam auch Johann Kraus (geboren 1827) aus Römersbühl (heute im Truppenübungsplatz Grafenwöhr) nach Amerika. Er war ebenfalls Schneider, der sein Handwerk in Eschenbach bei Joseph Neustätter gelernt hatte.

Georg Joseph Neustätter, geboren 1809 in Eschenbach, gestorben 1887 in Milwaukee, und seine Frau Margaretha, geborene Gradl (1814 bis 1885).

Er ehelichte Carolina, eine Tochter der Neustätters. Die Trauung hätte ein katholischer Priester vollziehen sollen, doch dieser verlangte fünf Dollar für die Hochzeit. So viel Geld hatte das junge Paar nicht. Also ging man zum evangelischen Pfarrer, der die Trauung umsonst vollzog und den jungen Leuten sogar noch fünf Dollar für den Start ins Eheleben schenkte.

Nach dem Bürgerkrieg zog die ganze Familie nach Milwaukee in Wisconsin. Man hatte gehört, dass dort viele Deutschstämmige lebten und man auch ohne Englischkenntnisse gut durch kam. In Milwaukee liegen auch die alten Neustätters begraben; ihre Grabstätten existieren bis heute.

Johann und Carolina Kraus hatten fünf Kinder und betrieben in Milwaukee ein Schneidergeschäft. 1890 baute Kraus sein Geschäft in eine Gaststätte um. Der berühmte Buffalo Bill Cody soll samt Pferd ein paarmal in diesem Wirtshaus eingekehrt sein.

John Kraus, wie er sich jetzt nannte, bekam 1890 das amerikanische Bürgerrecht. Er starb erst 1926, einige Monate vor seinem 100. Geburtstag. Nachfahren der Neustätters und Kraus' leben bis heute in Wisconsin, darunter Barbara Huth aus Wauwatosa, von der der Heimatverein die Informationen und Bilder hat.

Viele deutsche Auswanderer steuerten als Ziel ihrer Schiffsreise New York an und lebten dort auch längere Zeit: wie der Eschenbacher Johann Schloderer, der im Jahr 1900 im Alter von 23 Jahren ausgewandert war und in der Metropole am Hudson-River ein schönes Lebensmittelgeschäft betrieb.

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Auch der in Eschenbach geborene Metzger George Aign, der seit 1906 in New York lebte, besaß ein gut gehendes Schlachtergeschäft in Brooklyn. Sein Laden wurde für viele Eschenbacher Auswanderer Anlaufstelle in New York. 1924 gründete Aign zusammen mit weiteren Bayern dort einen deutschen Volksfestverein, den „Club Bavaria Bronx“. Dieser Verein hält bis heute die bayerischen Traditionen in der Millionenstadt hoch.

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