29.04.2021 - 11:51 Uhr
EschenbachOberpfalz

Eschenbach in alten Zeiten: Verbrecher wurden erhängt

Früher wurden auch in Eschenbach Bürger für ein begangenes Verbrechen hingerichtet. Davon zeugen heute noch Flurbezeichnungen und alte Akazien.

"Beim Gericht", an der alten Eschenbacher Richtstätte, stehen 100 Jahre alte Akazien, die in den 20er Jahren Lehrer August Sturm und seine Schüler gepflanzt haben.
von hevProfil

Der Landrichter von Eschenbach, der im Pflegschloss, dem späteren Landratsamt residierte, war als Vertreter des Landesherrn der höchste Beamte im Landgericht. Neben seinen Verwaltungsaufgaben war er auch für die Rechtsprechung im Bezirk zuständig. Die Gewaltenteilung zwischen Exekutive und Justiz war nämlich noch nicht erfunden. Sie wurde erst mit den Reformen unter König Max II (1848 bis1864) eingeführt, das Königlich Bayerische Amtsgericht Eschenbach 1860 eingerichtet.

Die letzte Hinrichtung in der Stadt fand am 1. Dezember 1817 in der Stirnberger Schießstätte statt. Der Hirte Georg oder Adam Kohl aus Oberfrankenohe, das jetzt im Truppenübungsplatz liegt, war wegen Mordes an seiner Frau bereits im März 1817 verhaftet worden. Nachdem man ihn seines Verbrechens überführt hatte, wurde er zum Tode durch Enthauptung verurteilt. Der damalige Eschenbacher Pfarrer Wilhelm Wittmann berichtet, dass die Menge an Zuschauern, die aus der ganzen Umgebung gekommen waren, um der Hinrichtung beizuwohnen, auf 10.000 Menschen geschätzt wurde.

Die Richtstätte des Pflegamtes Eschenbach seit dem Mittelalter befand sich ganz in der Nähe vom alten Straßenweg, der vom Bereich der Pfarrkirche oberhalb des späteren Bahnhofs am Nordhang des Galgenberges Richtung Apfelbach und Pappenberg entlang führte. Der Flurname „beim Gericht“ bezeichnet die circa 200 Meter vor dem späteren Bahneinschnitt gelegene Stelle, wo die Todesurteile vollzogen wurden. Die Bestrafung erfolgte üblicherweise durch Erhängen, worauf weitere Flurbezeichnungen wie „Galgen“ oder „am Galgenweg“ hindeuten. Bewusst wurde dieser Ort wegen seiner Lage an einer Altstraße gewählt, um die abschreckende Wirkung der Todesstrafe für alle Passanten deutlich zu machen. Das war auch der Grund, weshalb man die Hingerichteten bis zu sechs Wochen am Galgen hängen ließ.

Der Galgenweg, größtenteils gesäumt von erhaltenswertem, altem Baumbestand, ist gerade während der letzten Pandemiemonate einer der beliebten Spazierwege rund um Eschenbach, zumal er westlich jenseits der Stegenthumbacher Straße Anschluss an den Weg Richtung Breitenlohe und Hotzaberg hat. Er bietet herrliche Ausblicke auf die Stadt und ihre reizvolle Umgebung. Für den Naturfreund ist auch die ehemalige Kuranlage oberhalb des Bahnhofs ein lohnendes Ziel. Hier wurde Ende des 19. Jahrhunderts eine Mineralquelle entdeckt, die die Stadt Eschenbach dazu veranlasste, einen Kurpark mit vielen Laubbäumen anzupflanzen und die Einstufung der Quelle als Heilwasser und Eschenbach als Kurort anzustreben. Das hat wohl nicht geklappt, der Kurgedanke geriet in Vergessenheit. Im dichten Buschwerk kann man an vielen Stellen aber noch Hopfen hochwachsen sehen, der bis ins 19. Jahrhundert von den Kommunbrauern hier angebaut worden war. Unmittelbar an der alten Richtstätte, vor dem ehemaligen Steinbruch, pflanzte der Eschenbacher Lehrer August Sturm in den 20er Jahren mit seinen Schülern eine Reihe von Akazienbäumen, die zu mächtigen Stämmen herangewachsen sind und einen schönen Orientierungspunkt für das historische „Gericht“ bilden.

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Hintergrund:

Die Stadt Eschenbach

  • Eschenbach fand erstmals um 1150 als Markt Erwähnung
  • Kaiser Karl IV. verlieh dem Ort schließlich 1358 die Stadtrechte
  • Bis 1. Juli 1972 war die Stadt sogar der Sitz des Landkreises Eschenbach in der Oberpfalz
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