05.07.2020 - 10:48 Uhr
EschenbachOberpfalz

Erschütternde Corona-Nachrichten aus dem indischen Nagaland

Corona ist im indischen Nagaland angekommen. Aus dem Einsatzort Zubza von Entwicklungshelfer Hans Rupprecht erreichen die Oberpfalz schlimme Nachrichten. Es geht dort nicht nur die Angst vor Covid-19 um.

Eine dankbare Naga-Familie vor ihrer Hütte. Durch die Don-Bosco-Hilfsaktion im indischen Nagaland kann den Ärmster der Armen wenigstens etwas geholfen werden . Die Lebensumstände dort sind durch Corona noch schlechter geworden.
von Walther HermannProfil

Hans Rupprecht, der sich seit 2015 wiederholt jeweils für ein Vierteljahr als Entwicklungshelfer im nordostindischen Zubza verdient gemacht hat, berichtet aus dem Vorland des Himalajas. Die Menschen wurden völlig unvorbereitet von Corona betroffen. Bereits am 17. März sprach die indische Regierung eine allgemeine Sperre aus. Die Dorfleitung von Zubza hat ein "Komitee Covid-19" eingerichtet und strenge Vorschriften erlassen. Alle Bewohner müssen in ihren Häusern und Hütten bleiben, Versammlungen wurden verboten, aus einer Familie darf nur eine Person zum Einkauf und nur eigene Reisfelder dürfen bearbeitet werden.

Notfalltransporte und Händler, die Ware liefern wollen, müssen eine Lizenz vorweisen und dürfen dann die Kontrollposten passieren. Besonders schlimm ist es für die Kinder, die nicht in Schule oder Kindergarten gehen dürfen, weil sie den langen Tag in den oftmals düsteren Hütten auf engstem Raum bleiben müssen.

Während das Nagaland sein Bollwerk gegen die Pandemie ausbaute, wird der Mangel an Intensivstationen und Beatmungsgeräten deutlich. Das Bezirkskrankenhaus ist das einzige Hospital im Nagaland, das über eine Intensivstation mit vier Betten verfügt. Berichten zufolge, haben die Beatmungsgeräte im Krankenhaus jedoch ein "mechanisches Versagen". "Wir dürfen nicht rausgehen und müssen in der Hütte bleiben. Wir haben noch etwas Reis und Linsen für Dal (Hauptnahrung in Indien) und Mehl für Chapati (indische Fladen)", berichtet Krankenschwester Vilasenuo Snokhrie über die Situation in der Region.

Wie Rupprecht vor wenigen Tagen erfuhr, ist es den Bewohnern von Zubza seit Mitte März nicht mehr möglich zu arbeiten. Den Menschen, von denen bisher schon viele "von der Hand in den Mund" lebten, fehlt jegliches kleine Einkommen. Dies bedeute: Keine Arbeit, kein Geld, kein Essen. Er erfuhr, dass Tagelöhner vom Staat bisher lediglich dreimal Reis, Linsen, Zwiebel erhielten. Um nicht zu verhungern bekam ausnahmelos jede Person sechs Kilogramm Reis.

Rupprecht spricht von einer Sonderaktion, die bei den Empfängern große Dankbarkeit hervorrief: "Durch Spenden konnten wir vom Zubza-Team Weisendorf-Eschenbach den Salesianern der Don-Bosco-Station Zubza 2500 Euro für den Kauf von Lebensmitteln als Hilfe für arme Familien überweisen. Unsere Kontaktperson, Lehrerin Roselyn, packte mit einigen Kolleginnen Rationen und erstellte eine Verteilerliste. Hauptsächlich wurden die Familien unserer Patenkinder und weitere Arme berücksichtigt. Eine Ration bestand aus 10 Kilogramm Reis, 6 Kilogramm Linsen, 3 Kilogramm Zucker, Salz, Teeblätter, Instantsuppen, Süßigkeiten und Nasen-Mund-Masken, die sich die Armen nicht leisten können." Er versichert, dass mit dieser Aktion von etwa 1000 Familien in Zubza und im benachbarten Peducha 129 Familien versorgt werden konnten.

Als Reaktion auf diese Mai-Aktion habe Lehrerin Roselyn viele dankbare Schreiben erhalten. Eine Mutter habe geschrieben: "Danke aus meinem tiefsten Herzen. Ich kann nur für euch beten. Gott möge euch segnen für all die guten Taten, die ihr für unser Volk tut. Bitte übermitteln sie diese Botschaft an alle Paten, Einzelpersonen und Familien, die sich um unser Dorf sorgen."

Bedankt haben sich auch Lehrkräfte aus der Zweigschule Peducha: "Trotz der weltweit schwierigen Situation, mit der jetzt alle konfrontiert sind, sorgen sie sich immer noch um uns. Sie haben mehr als genug für unsere Kinder getan. Ihr seid unsere Retter. Danke für alles, auch an die Salesianer von Don Bosco, durch die wir sie jetzt erreichen können. Einmal mehr Danke!" Nahe geht Rupprecht die Nachricht eines Patenkinds: "Überall reden die Leute hier über die Deutschen, die für uns gespendet haben. Wir sind zufrieden mit den vielen Dingen, die gegeben wurden. Ihr seid wirklich ein Segen und das größte Geschenk Gottes für uns. Wir werden weiterhin für euch beten."

Laut den Nachrichten, die Rupprecht aus Zubza erhält, haben die Menschen Angst vor dem Virus. Jedoch noch größere Angst zu verhungern.

Seit diesem Monat ergibt sich für Zubza und die Region eine neue Situation. Denn nun kommen die Heimkehrer von ihren Arbeitsstellen aus anderen indischen Staaten ins Nagaland zurück und die Infektionsraten steigen. Am 10. Juni waren es bereits 118. Die Rückkehrer müssen nun in der Landeshauptstadt Kohima in eine 14-tägige Quarantäne, bevor sie in ihre Heimatdörfer weiterreisen dürfen.

Der Entwicklungshelfer, der die Nagas und deren Mentalität von seinen Aufenthalten her kennt, hat auch Berichte über Belästigungen von Menschen aus den nordöstlichen Bundesstaaten in indischen Städten inmitten der Covid-19-Pandemie erhalten. Junge Leute aus dem Nagaland, die in Kalkutta leben, seien belästigt und verspottet worden, weil sie aufgrund ihres asiatischen Aussehens für Chinesen gehalten und für die Corona-Krise schuldig gemacht wurden. "Die Rassendiskriminierung der nordöstlichen Einwohner Indiens hat an Dynamik zugenommen" beklagt Rupprecht und verweist auf Schüler, die wegen ihres Aussehens – nur weil sie anders aussehen als Inder – vertrieben werden. Unter anderem sei ein 40-jähriger Mann verhaftet worden, weil er eine Frau aus dem Nordosten bespuckte und sie "Coronavirus" benannt hat.

Ein Bericht über Hans Rupprechts letzten Besuch in Zubza findet sich hier:

Eschenbach
Wer hilft?:

Spenden dringend nötig

Im Namen des Zubza-Teams bitte Hans Rupprecht um Spenden für die Hilfsaktionen der Don-Bosco-Salesianer in Zubza, für die auf Wunsch auch Spendenbescheinigungen ausstellen. Sie können bei ihm (Birschlingweg 4) oder seiner Frau Petra (Annahmestelle der Deutschen Post) übergeben oder überwiesen werden an Don-Bosco-Mission Bonn IBAN: DE 92 3706 0193 0022 3780 15 bei der Pax-Bank Köln, Verwendungszweck: ZUBZA–IND 15-116. Zur Unterstützung der Don-Bosco-Station nimmt er auch gerne Mess-Stipendien an.

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