22.10.2020 - 14:22 Uhr
EschenbachOberpfalz

Chöre in Coronazeiten chancenlos: Liedertafel Eschenbach singt nicht

Das Coronavirus trifft die Chorlandschaft besonders hart. Die Chöre sind verstummt. Zu hoch ist das Ansteckungsrisiko. Ein gewöhnlicher Probenalltag ist auch für die Liedertafel Eschenbach undenkbar.

Am zweiten Weihnachtsfeiertag 2019 fand im BRK-Seniorenzentrum der letzte öffentliche Auftritt der Liedertafel statt. Mit der aktuellen Corona-Lage sinkt die Hoffnung auf einen baldigen Wiederbeginn zumindest der Chorproben.
von Robert DotzauerProfil

Rund vier Millionen Menschen singen in Deutschland im Chor, sie stammen aus den unterschiedlichsten Alters- und Berufsgruppen und sozialen Schichten. Für viele von ihnen bedeutet das gemeinsame Singen mehr als Musikmachen und Freizeitgestaltung, es bedeutet Geborgenheit, soziale Nähe, Harmonie und Zusammenhalt. Auch die 25 Männer der Eschenbacher Liedertafel sehnen sich nach diesem Lebenselixier. Doch die Corona-Sicherheitsvorschriften und die Infektionsgefahr machen es dem Chor unmöglich, gemeinsam zu proben. Zumal es Anlass zur Vermutung gibt, dass das Chorsingen ein Hotspot für die Verbreitung des Virus sein könne.

Abstandhalten im Probenraum ist unmöglich

Den Vorstandsmitgliedern um Vorsitzenden Karl Ott bleibt deshalb nichts anderes übrig, als auf bessere Zeiten zu hoffen. Zu stark ist das Risiko, sich im Probenraum des Dammbauernhauses das Virus einzufangen. Seit März 2020 ist Stillstand. Setzten Karl Ott und Dirigentin Rita Michelson im Sommer noch darauf, nach den Sommerferien mit neuem Schwung wieder mit der Probenarbeit zu beginnen, geht die aktuelle Entwicklung wieder in Richtung eines strikten Probenverbots. „Ein Abstandhalten im Probenraum ist unmöglich und Singen mit Mund-Nase-Bedeckung geht erst recht nicht“, zeigte Ott das Dilemma auf. Erschwerend komme hinzu, dass alle Sänger ein Risiko-Alter erreicht hätten.

Altersbedingt eine Risikogruppe

Zur Risikogruppe zählt die Liedertafel auch deshalb, weil Chorproben als wahrscheinlicher Hotspot für die Verbreitung des Virus vermutet werden. Karl Ott verwies auf Untersuchungsergebnisse von Wissenschaftlern und Medizinern. Nach Darstellung der Experten sei besonders beim Singen die Gefahr einer rasanten Verbreitung sogenannter Aerosole groß. Diese könnten sich dann womöglich im Laufe einer längeren Probe im geschlossenen Raum zu einer infektiösen Wolke verdichten, so die Einschätzung des Liedertafel-Vorstandes. „Beim Singen werden deutlich mehr Partikel verstreut als beim Sprechen und Atmen“, zitierte Ott auch einen Professor der TU Berlin.

Aufgeben gilt nicht

Für die Chormitglieder sind das schlechte Nachrichten. „Wir leiden sehr“, bekannte Dirigentin Rita Michelson. Ein aktueller Blick auf die erschreckenden Corona-Fallzahlen lassen auch für die nächsten Monate nichts Gutes erwarten. „Deshalb werden bis zum Jahresende keine Chorproben stattfinden“, teilte Ott den aktiven Sängern mit. Im Januar 2021 soll dann die generelle Probenpause neu überdacht werden. „Aufgeben ist jedenfalls nicht unsere Marschrichtung“, versicherte Ott.

Ein kleiner Hoffnungsschimmer am Ende eines langen und finsteren Tunnels: 2021 wartet auf den Chor mit einem Probenraum im dann generalsanierten Vermessungsamt ein neues und ebenfalls schmuckes Sängerdomizil. Karl Ott nannte als Termin der voraussichtlichen Fertigstellung der Räumlichkeiten nach Rücksprache mit dem Bürgermeister die Jahresmitte 2021. Geplant ist eine gemeinsame Nutzung des Probenlokals durch die Liedertafel und die Musikschule im Vierstädtedreieck.

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Pressath
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