07.01.2021 - 13:54 Uhr
EschenbachOberpfalz

Der "arme Fischer" auf Nebelfahrt

In der Weihnachtszeit spendierte früher der Rat der Stadt Eschenbach ein besonderes Geschenk: Nach alter Tradition gab es für alle Bürgerfamilien einen Karpfen. Kein Wunder: In der Rußweiherstadt war die Fischzucht weit verbreitet.

Der "arme Fischer" Ludwig Schreml und seine Frau.
von hevProfil

Wenn vom Zentrum der Nordoberpfälzer Karpfenzucht die Rede ist, verbindet man heute damit meist die „Tirschenreuther Teichpfanne“ mit ihren wirklich zahlreichen Fischteichen und Karpfenbetrieben. Ein rühriges Fisch-Marketing des Landkreises Tirschenreuth hat es geschafft, den Bereich zwischen Tirschenreuth, Mitterteich und Wiesau als das Oberpfälzer Karpfenland schlechthin darzustellen. Dabei wird übersehen, dass auch um Eschenbach seit alters her Fischzucht intensiv betrieben wurde – und bis heute im beachtlichen Umfang weitergeführt wird.

Eschenbacher Fisch ist nicht nur im Stadtwappen verewigt, sondern war auch in den bayerischen Metropolen München und Nürnberg eine beliebte Delikatesse. Anfang des 20. Jahrhunderts fuhren sogar spezielle Eisenbahnzüge mit Sauerstoffversorgung in den Wasserbehältern die lebenden Fische von Eschenbach in die Landeshauptstadt.

Nachts brachten die heimischen Teichwirte die empfindliche Fracht mit Fuhrwerken zum Eschenbacher Bahnhof, damit sie am nächsten Morgen am Münchner Hauptbahnhof an die Großabnehmer unter den Fischhandlungen und Restaurationsbetrieben verkauft werden konnten. Besonders begehrt unter den Feinschmeckern in den beiden Großstädten waren die Krebse aus den Rußweihern und den anderen Fischgewässern der Umgebung.

Für etliche Eschenbacher Familien waren die Einnahmen aus der Fischwirtschaft deshalb eine wichtige Lebensgrundlage. Heute wird die Fischzucht dort überwiegend im Nebenerwerb betrieben.

Der Teichwirt Ludwig Schreml (1901 bis 1981) – Hausname „Hammerer-Luck“ – aus der Eschenbacher Wassergasse, war der letzte hauptberufliche Fischer von Eschenbach. Er betrieb sein nasses Handwerk in der Rußlohe, im Paulus- und Häuselweiher, den Weihern hinter dem Großen Rußweiher oder Obersee.

Täglich sah man ihn im Lodenmantel und mit einer Schirmmütze auf dem Kopf auf seinem Zündapp-Moped zu den Weihern hinausfahren. Reich konnte man seiner Meinung nach bei dieser Arbeit nicht werden, weshalb der Ludwig von seiner Person immer als dem "armen Fischer" sprach.

Nach getaner Arbeit saß er gerne auf ein paar Halbe im Holzmühl-Gasthaus, wo er in seiner ruhigen Art den Stammtischgesprächen folgte und ab und zu auch einmal eine kurze Geschichte zum Besten gab. Genussvoll rauchte er dabei eine Zigarette, genauer gesagt eine halbe Zigarette, denn der "arme Fischer" war sparsam und brach seine Glimmstängel immer in der Mitte auseinander und rauchte sie auf zweimal.

Dazwischen kam der Schnupftabak zu Ehren, von dem er immer zwei Packungen in der Hosentasche hatte. Eines davon war für die lästigen Mitschnupfer am Wirtshaustisch vorgesehen. Diesen „Gemeinschaftsschmai" hatte er mit 50 Prozent Torfmull gestreckt. Der Ludwig war halt wirklich sparsam. Oft ermahnte er die Schnupfer am Tisch, jedes Nasenloch gleichmäßig zu bedienen, da sonst seiner Erfahrung nach die Schuhe einseitig abgetreten wurden.

In den Wintermonaten waren seine Mopedfahrten zu den Weihern und nachts von der Holzmühle nach Hause eine frostige Angelegenheit. Besonders unangenehm war es, wenn im Eschenbacher Weihergebiet dichter Nebel herrschte.

Dabei passierte dem Ludwig einmal das Missgeschick, dass er mit seinem Fahrzeug wegen der schlechten Sicht an der Rußweiher-Kreuzung die falsche Richtung einschlug. Er wunderte sich schon, dass seine Heimatstadt Eschenbach nicht kommen wollte. Stur behielt er jedoch die eingeschlagene Richtung bei, bis es auf einmal einen ziemlichen "Rumplerer" tat und sein Moped über den Pressather Bahnübergang holperte. "Ja, siahst", erzählte der Ludwig seinen Stammtischfreunden: "Douh howe g'wisst, dass ich z'weit g'foarn bin."

Mehr Historisches aus dem Altlandkreis Eschenbach

Kirchenthumbach

Diese Geschichte und viele andere lustige und nachdenkliche Begebenheiten aus der Stadthistorie kann man im Eschenbacher Geschichtenband „Boder, Knast und Donnerhall“ von Bernd Thurn und Karlheinz Keck nachlesen. Auch der erste Band dieser vom Heimatverein herausgegebenen Erzählungen, betitelt „Plempl, Bist und Bockl“, liegt wieder in zweiter Auflage vor und kann in der Stadt-Apotheke erworben werden.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.