08.06.2021 - 11:33 Uhr
EschenbachOberpfalz

Alte Eschenbacher Städel ein historisches Schmuckstück

Sie sind nicht nur alt, sondern auch steinerne Zeitzeugen. Die alten Eschenbacher Stadeln hatten Anfang des 19. Jahrhunderts eine wichtige Funktion im Ort.

Der Heimatverein Eschenbach hat in seinem Archiv gekramt: So sahen die Stadel früher aus.
von Externer BeitragProfil

Vor zweihundert Jahren baute das Rentamt Speinshart in Eschenbach einen Zehent-Stadel. 1821 war er fertig. Er war dazu gedacht, den Großzehent der Bauern und Ackerbürger aus der Gegend – und in Eschenbach waren etwa 85 Prozent der Haushalte Bauern – zwischen zu lagern. Denn damals zahlten viele ihre Steuern durchwegs noch in Naturalien, die dann der Staat weiter verkaufen musste.

Wo vorher der Stadel des Amtes Eschenbach war, wissen wir nicht, schreibt der Eschenbacher Heimatverein. Sicher sei aber, dass auch deshalb ein neues Gebäude notwendig geworden war, weil sich die Menge der Naturalien vermehrte. Zum staatlichen Zehent kam nun der kirchliche dazu, der vor 1803 über die Kirche zum Kloster Speinshart geflossen war. Nach Aufhebung des Klosters wurde die Pfarrei Eschenbach neu geordnet. Dörfer wie Stegenthumbach oder auch Großkotzenreuth kamen hinzu. Der neue Geistliche der königlichen Pfarrei Wilhelm Wittmann O.Praem., Exkonventuale aus Speinshart, war Staatsbeamter, ein königlicher Pfarrer. Etwa die Hälfte seines Einkommens garantierte die Regierung. Den Rest musste er sich durch seine geistliche Tätigkeit verdienen. Die Pfarrei hatte bis dahin auch eine eigene Landwirtschaft betrieben. Der Stadel im alten Pfarrhof war noch da. Aber er erwies sich als wenig geeignet. Ein Teil der landwirtschaftlichen Grundstücke der Pfarrei wurden zugunsten der Staatskasse versteigert. Dem Pfarrer blieben als Viehbestand zwei Pferde und eine Kutsche.

Gebaut wurde „bei den übrigen Scheuern auf einem Zimmerplatz“. Seine Funktion erfüllte der neue Stadel aber nur kurz.1828 brannten in „kaum einer Stunde“ dort 29 Scheunen ab. Er war dabei. Nur etwa sechs Gebäude blieben ohne Schaden. Die Privatscheunen wurden wieder aufgebaut, auf den Zehentstadel verzichtete man, denn der Staat löste in dieser Zeit alle Naturalabgaben durch eine Geldsteuer ab. Da der Zehentumfang je nach Ernteertrag schwankte, nahm man den Durchschnittsertrag von zehn Jahren und rechnete die Güte des Bodens mit ein. Der Staat bekam somit Planungssicherheit, das Risiko verblieb weitgehend beim Landwirt.

Wie alt die übriggebliebenen Städel genau sind, kann man nicht sagen. Ein Türsturz verweist auf das 18. Jahrhundert, archivalische Hinweise auf die Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg. Verwunderlich ist, dass diese Lagermöglichkeiten außerhalb der Stadtmauer angesiedelt waren und von jedem anrückenden Feind sofort geplündert werden konnten. Aber einer Belagerung konnte Eschenbach auf längere Zeit sowieso nicht stand halten, was schon 1621 ein Fachmann der Regierung feststellte. Anscheinend war die Mauer, die auf dem Merianstich der Stadt erscheint, eher Verzierung als Verteidigungsanlage. Heute gehören Teile des Stadelviertels zu einem der letzten Schmuckstück der Stadt. Manche Eschenbacher seien aber der Meinung, dass man das „alte Graffel“ wegreißen sollte.

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Eschenbach
Hintergrund:

„Rentamt Speinshart“

  • Vorläufer des heutigen Finanzamts
  • siedelte 1865 nach Eschenbach und fand erst seinen Platz im Rathaus, bis 1896 das Gebäude in der Nachbarschaft des Bezirksamts/Landratsamts fertig gestellt war. Heute sind beide Gebäude fast fertig saniert.
  • 1928 kam das Finanzamt nach Kemnath.
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