07.08.2020 - 12:11 Uhr
EschenbachOberpfalz

1960 Bau der B 470: Bürger im Alt-Landkreis Eschenbach können aufatmen

Vor 60 Jahren durchzog das größte Straßenbauprojekt der Nachkriegsjahre den Alt-Landkreis Eschenbach. Die B 470 brachte die für die Bürger der Anliegergemeinden Entlastung des innerörtlichen Verkehrs.

Beim Bau der Einfahrt von der B 470 nach Kirchenthumbach wurde bereits an den Bau der Umgehung in Richtung Bayreuth gedacht. Einige Meter Straße, die derzeit als Materiallager dienen, zeigen, wo man sie (vielleicht) beginnen, am „Frauenbild“ mit einem Kreisverkehr beenden könnte.
von Georg PaulusProfil
An einer Schautafel erläutern Mitarbeiter Bundesverkehrsminister Christoph Seebohm (Zweiter von rechts) den Verlauf der B 470. Mit dabei (zweite Reihe von links): Regierungspräsident Ernst Emmerig, MdB Franz Weigl (verdeckt), MdB Heinrich Aigner und der damalige Eschenbacher Landrat Josef Decker.
Unmengen an Gestein wurden am „Schönsteiner Berg“ abgetragen, Fledermäuse im Keller des Berges dabei geschützt. Felsiges Material wurde abtransportiert, übriges Material diente dem Ausgleich der Senke in Richtung zu den Kalköfen.
Das Bild zeigt wie die B 470 aus Richtung Auerbach zum Schönsteiner Berg verläuft. Rechts die Kalköfen, der vordere wurde als Denkmal erhalten. Vorne arbeitet man an der Brücke, unter der das Gleis von den Kalköfen und dem Steinbruch (rechts) zur Kalkmühle zum Verladebahnhof verläuft.

Der Bau der B 470 vor genau 60 Jahren brachte für die Bürger von Eschenbach, Pressath und Kirchenthumbach eine enorme Entlastung. Denn vorher rollte der gesamte Verkehr - samt Lastwagen und Militärfahrzeugen - durch ihre Orte.

Schmale schlechte Straßen, auf denen viele amerikanische Militärfahrzeuge unterwegs waren, machte nach 1945 das Autofahren von Kirchenthumbach nach Eschenbach und Auerbach zu Abenteuern. Für Ämterbesuche in Eschenbach waren der „Schönsteiner Berg“, die Kurven um den „Kandelweiher“ und der „Fledermühlberg“ Stolpersteine.

Noch schwieriger war die Fahrt nach Auerbach. War schon der schlechte Zustand der engen Straße ein Hindernis, so sorgten Ortsdurchfahrten in Altzirkendorf, Göttersdorf, Zogenreuth und Degelsdorf zusätzlich zum militärischen Verkehr für Gefahr. Zudem wurde aus dem Steinbruch in Zogenreuth für den Bau der Panzerstraße im Gelände des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr Material abtransportiert, die Lastwagen konnte man sehr schlecht überholen. Für Motorrad- oder Fahrradfahrer schien der Verkehr langsam lebensgefährlich. Als sich mit dem Bau der Panzerstraße allmählich der militärische Verkehr auf der Landstraße reduzierte, wuchs stattdessen ziviler Verkehr immer schneller.

Dazu beigetragen hat auch die Kirchenthumbacher Firma Gebrüder Prüschenk. Ihr Steinbruch und das Kalkwerk liefen auf Hochtouren, fast jeder der schwerbeladenen Lastwagen musste irgendwie den Ort durchfahren. Auch der Schwerverkehr aus Auerbach, Bayreuth oder Eschenbach kommend, rollte durch die Hauptstraßen Kirchenthumbachs und passierte den Markplatz. Es war ein unzumutbarer Zustand. Auch die Kommunen Eschenbach und Pressath klagten über immer stärker werdenden Verkehr, der die Städte durchquerte und für manche brenzliche Situationen verantwortlich war.

Abgeordnete und Landrat als Helfer

Es dauerte über ein Jahrzehnt, bis es Bürgermeistern von Anliegergemeinden des Truppenübungsplatzes gelungen ist, die „höhere“ Politik für diese unerträglichen Straßenverhältnisse im Alt-Landkreis Eschenbach zu sensibilisieren. Besonders die Bundestagsabgeordnete Heinrich Aigner (Wahlkreis Amberg) und Franz Weigl (Wahlkreis Weiden-Tirschenreuth) vertraten mit Unterstützung durch Landrat Josef Decker die Interessen des damaligen Landkreises Eschenbach.

Dabei nutzte ihnen der Hinweis auf die Lage im Zonengrenzgebiet zur DDR und an der Grenze zur Tschechoslowakei als „Türöffner“ bei den Bonner Ministerien. Trotzdem dauerte es noch lange, bis vom Verkehrsministerium in Bonn bis zu den Staatliche Bauämtern der Trassenverlauf der Bundesstraße 470 genehmigt war. Viel schneller waren die fränkischen und Oberpfälzer Kommunen einverstanden, die sich freuten, dass die Straßenmisere bald ein Ende haben sollte. Schwieriger wurde es, bis die vielen betroffenen Grundbesitzer zufriedengestellt werden konnten.

Ortsumgehungen und Brückenbauten

Mit nur 175 Kilometern ist die B 470 zwar eine der kürzeren Bundesstraßen, entlang der Strecke bietet sie dafür eine herrliche Natur. Ab der Autobahnabfahrt A 107 bei Bad Windsheim durchquert sie das Aischtal, in der Fränkischen Schweiz das Tal der Wiesent, verläuft vorbei an Pegnitz auf der B 85 nach Auerbach, weiter nach Kirchenthumbach, Eschenbach und über Pressath nach Weiden. Dort mündet sie in die B 22, die aus Richtung Bayreuth kommend in Cham im Bayerischen Wald endet.

War schon der Grunderwerb für die B 470 mit Schwierigkeiten verbunden, so hatte auch der Streckenverlauf einige Tücken. Die Ortsumgehungen bei Illesheim, Neustadt/Aisch, Höchstadt/Aisch, in Gößweinstein, Auerbach, Kirchenthumbach, Eschenbach, Pressath und Schwarzenbach brachten viel Mehrarbeit. Nach ihrer Ausleitung aus der B 85 bei Auerbach hatte die B 470 Ortsverbindungen nach Degelsdorf und Gunzendorf und in Altzirkendorf die Zufahrt nach Neuzirkendorf, Troschenreuth, Göttersdorf zu überbrücken.

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Kirchenthumbach

Bei Kirchenthumbach war ein Großaufgebot an Technik und Material erforderlich, um die fast einen Kilometer lange Umgehung zu bauen. An der Ausfahrt West musste die Straße nach Ernstfeld und Metzenhof überbrückt werden, eine weitere Brücke diente der Anbindung der Brennöfen des Steinbruchs an das Kalkwerk der Firma Prüschenk und an das Bahnhofsgelände. Mit dem Bau der zwei Brücken war die Firma Sager & Woerner beauftragt. Das aufwendigste Brückenbauwerk wurde von der Firma Haber & Co. am „Schönsteiner Berg“ an der Ausfahrt Ost nach Eschenbach und Auerbach geschaffen. Dort musste die Bundesstraße 470 das Gleis der Bahnlinie Kirchenthumbach-Pressath, die Zufahrten zur Blechmühle und zur Grünthanmühle überbrücken.

Fledermäuse, Felsen und Beton

Lange Zeit prägten Bauhütten, Zementsilos und Werkstätten das Ortsbild Kirchenthumbachs, pausenlos waren Muldenkipper und Betontransporter unterwegs. Eisenarmierungen für diese Brücke waren zu flechten und Unmengen Beton wurden verarbeitet. Vor allem am „Schönsteiner Berg“ mussten große Erdmassen bewegt werden, damit die Senke in Richtung der Kalköfen aufgefüllt werden konnte, nicht verwertbares, felsiges Gestein musste abtransportiert werden.

Naturfreunde, die im ungenutzten „Pistl“ in dem Berg eine Fledermausbehausung schützen wollten, verhinderten die Sprengung. Das felsige Material war vorsichtig zu entfernen, die Arbeiten verzögerten sich. Verschwunden ist mit dem Bau der B 470 die gefährliche Kurve am „Kandelweiher“, im weiteren Streckenverlauf die Anhöhe bei Kleinkotzenreuth etwas „abgemildert“.

Schön anzusehen ist die elegante Brücke als Zufahrt zum Gasthaus vom „Löw Toni“ und in Richtung „Obersee-Damm.“ Außerdem entstand für Fußgänger und Radfahrer eine Unterführung. Die B 470 führt dann in einem Bogen entlang dem „Rußweiher“ und durch die Eschenbach-Aue über den trocken gelegten Stadtweiher zum einstigen SC-Sportplatz und vorbei am Friedhof an die Stadtgrenze. An der „Schmierhütte“ und Grub vorbei werden Pressath und Schwarzenbach umgangen. Bevor die B 470 Weiden erreicht hat, entstand im Pressather Wald eine letzte Brücke. Auf ihr wird der aus Parkstein und Hütten kommende Verkehr kreuzungsfrei über die Bundesstraße geleitet.

Weitere Umgehungen zur innerörtlichen Verkehrsberuhigung scheinen in Eschenbach ebenso nötig wie in Pressath und Kirchenthumbach. Die Stadträte in Eschenbach und Pressath dürften sich noch lang damit beschäftigen. In Kirchenthumbach dagegen werden sich die Anlieger innerörtlicher Straßen freuen. Das jahrzehntelange Warten auf eine Ortsumgehung aus Richtung Bayreuth könnte in nicht allzu ferner Zeit enden.

Über ein Dutzend Trassen-Vorschläge hat es schon gegeben. Bürger hatten 2015 wegen mangelhaftem Lärmschutz gegen die Planfeststellungsstraße geklagt, 2018 einen eigenen Vorschlag eingereicht. Das Staatlichen Bauamt prüft sogar eine sogenannte Vorzugsvariante. Hoffnung weckte vor kurzem eine Befragung von Verkehrsteilnehmern. Die nachfolgende Verkehrszählung dürfte die Wichtigkeit der Umgehung und eines Kreisverkehrs beim "Frauenbild" bestätigen.

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