18.09.2020 - 15:43 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Am Waldhaus im Steinwald auch ohne Fest viel los

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Die schlechte Nachricht: Das 14. Waldhausfest bleibt für Sonntag abgesagt. Die gute: Die Steinwaldallianz hat die kritische Zeit der Pandemie bisher schadlos überstanden

Das Waldhaus wird seit Wochen stark frequentiert von Wanderern und Spaziergängern. Der Biergartenbetrieb soll deshalb auch im Winter fortgesetzt werden.
von Ulla Britta BaumerProfil

"Wir können mit Krisen umgehen." Das ist das durch und durch positive Resümee von vorsitzendem Johannes Reger und Geschäftsführer Martin Schmid von der Steinwald-Allianz zum Coronajahr. Wobei der Erbendorfer Bürgermeister und der Geschäftsführer der Steinwald-Allianz bedauern, dass ausgerechnet das beliebte Waldhausfest an diesem Wochenende entfallen muss.

Schon im Juni haben die Verantwortlichen den Entschluss dazu gefasst. Bis zu 5000 Besucher kamen jährlich zu diesem Event in den Steinwald: zu Fuß, mit dem Rad oder auch mit eingesetzten Pendelbussen. Corona habe keine andere Wahl als die frühzeitige Absage gelassen, sagen sie. Das Waldhausfest sei wegen der umfangreichen Vorbereitungen kurzfristig nicht planbar gewesen. Dabei wäre diesmal ein besonderes Fest angestanden. Am Waldhaus sollte diesmal das Jubiläum "50 Jahre Steinwald" gefeiert werden, mit Umweltminister Thorsten Glauber als Ehrengast.

So gut besucht wie nie zuvor

Doch "jammern hilft nichts", finden Reger und Schmid unisono. Der neue Erbendorfer Bürgermeister schaut ohnehin wesentlich lieber auf das Positive in der Krise. Das Waldhaus sei zuletzt frequentiert gewesen wie nie zuvor um diese Zeit, besonders von Familien. In einer Zeit, in der Urlaub daheim voll im Trend liege, hätten viele den Steinwald als begehrtes Ausflugsziel wieder entdeckt. Anerkennung zollt Reger auch den Wirtsleuten, Robert Thoma und Joachim Fischer, die in der Pandemie tapfer durchhalten. "Die Parkplätze an den Zuwegungen sind immer voll", betont Reger. Konkrete Zahlen kann der Bürgermeister dazu aber bisher nicht liefern. Die könne man erst Ende des Jahres vorlegen, sagt er.

Der Eindruck, den Reger vom Besuch des Waldhauses hat, täuscht nicht. "Wir sind gut durch den Sommer gekommen", bestätigt Wirt Joachim Fischer. Dank des großen Biergartens mit rund 100 Plätzen sei die Umsetzung der Abstands- und Hygieneregeln bislang kein Problem gewesen. Seit Christi Himmelfahrt, 21. Mai, wird das Waldhaus nach dem Lockdown wieder an den Wochenenden bewirtschaftet. Es habe nur einen einzigen Gast gegeben, der die Auflagen mit Maskenpflicht und Abstandsregeln nicht einsehen wollte. Auffallend war für Fischer, dass ungewöhnlich viele Urlauber das Waldhaus als Wanderziel entdeckt haben. "Wenn das Wetter gepasst hat, war der Biergarten immer gut gefüllt."

Die beiden Wirte wollen deshalb versuchen, mit dem Biergartenbetrieb auch durch den Winter zu kommen. Die Gaststube sei zu klein, um dort die Corona-Auflagen umzusetzen, berichtet Fischer. Der Biergarten soll deshalb nicht eingewintert, sondern etwas umgestaltet werden. Die Wanderer sollen sich dann an Feuertonnen mit Glühwein aufwärmen können. "Natürlich ist das nur bei passendem Wetter möglich", schränkt Fischer ein. Er empfiehlt deshalb Wanderern, sich vorher über das Internet zu informieren, ob das Waldhaus geöffnet ist.

Das Waldhausfest ist nicht die einzige Veranstaltung, welche die Steinwald-Allianz streichen musste. Auch die vierte Auflage von "24 Sunden Steinwald erleben" mit 14 Events fiel aus. "Im Juni, als wir diese Veranstaltung geplant hatten, war leider noch gar nichts möglich", bedauert Schmid.

Auch Dorfladen profitiert

Kräftig streichen musste man auch bei der Veranstaltungsreihe "Bio genießen" - geblieben sind zwei von sechs Veranstaltungen. Reger und Schmid sehen nach den harten Monaten der Einschränkungen die Steinwald-Allianz trotzdem weiter auf einem guten Weg. Genau betrachtet würden sogar die Gewinne gegenüber den Verlusten überwiegen, findet Reger. So habe man, in enger Absprache mit dem Landratsamt und mit dem Gesundheitsministerium das achtwöchige Touristenprogramm mit wöchentlich gleichen Veranstaltungsangeboten aufrecht erhalten können, was gut angenommen worden sei.

"Und das Interesse an unserem mobilen Dorfladen ist enorm gestiegen", freut's die beiden Männer, dass der Dorfladen vom Pilotprojekt zur äußerst praktischen Einkaufshilfe während der Einschränkungen wurde "Ein Segen für die Region", sagt Johannes Reger dazu.

Ein Bild aus vergangenen Jahren: Das Waldhausfest zieht jährlich einige tausend Besucher an. Viel zu viele in der Pandemie, wo Abstand die Regel Nummer eins ist.
Bürgermeister und Vorsitzender Johannes Reger und Geschäftsführer Martin Schmid (von links) ziehen für die Steinwaldallianz insgesamt eine gute Bilanz. Die positive Stimmung im Steinwald konnte die Pandemie nicht knicken.
Hintergrund:

Filmemacher retten das Waldhaus

1831: In diesem Jahr wurde das erste Waldhaus im Steinwald als Waldwärterhaus errichtet. Grund dafür waren die beschwerlichen Fußmärsche, die die Forstwarte auf sich nehmen mussten, um die Waldungen zu kontrollieren.

1837: Der damalige Forstwart, Baptist Zimmerer, richtet trotz beengter Räumlichkeiten eine Gaststube als Nebenverdienst ein. Eine Tradition war somit geboren.

1959: Der letzte Bewohner verließ das Waldhaus, dann stand es lange leer. Man dachte bereits an Abriss.

1997: Das Gebäude wurde plötzlich wiederentdeckt. In der Verfilmung von „Krambambuli“, einer Novelle von Marie von Ebner-Eschenbach, diente es als Drehort. Unter der Regie von Xaver Schwarzberger wirkten bei der Produktion unter anderem Christine Neubauer, Tobias Moretti und Gabriel Barylli mit. Dabei entdeckte man die Schönheit dieses alten Gebäudes und suchte nach Möglichkeiten es zu erhalten.

2012: Ein neues Kapitel in der Geschichte des Waldhauses begann mit dem Vorhaben der Steinwald-Allianz, das Gebäude zu einer Informationsstelle mit Kleingaststätte umzubauen. Unterstützung fand diese Idee sowohl beim Eigentümer, den Bayerischen Staatsforsten, als auch dem Naturpark Steinwald.

2014: Einweihung des Waldhauses beim Waldhausfest. Im Erdgeschoss ist eine Kleingaststätte mit Küche untergebracht. Im Obergeschoss befinden sich Informationsstellen der Staatsforsten sowie des Geoparks Bayern-Böhmen und des Naturparks Steinwald. Die Gesamtkosten der Maßnahme beliefen sich auf rund 750 000 Euro.

So lief das Waldhausfest 2019 ab

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